Ende einer katholischen Verlagstradition: Kirchenrat der Thurgauer Landeskirche will «Forum Kirche» selber herausgeben

Es steht zur Diskussion, dass die Genossenschaft Pressverein Frauenfeld die Verlagsrecht für das Pfarreiblatt der katholischen Landeskirche Thurgau abtritt. 

Mathias Frei
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Screenshot der Webseite der Zeitschrift «Forum Kirche». (Bild: Mathias Frei)

Screenshot der Webseite der Zeitschrift «Forum Kirche». (Bild: Mathias Frei)

Eine über hundert Jahre andauernde Verlagstradition im katholischen Thurgau könnte schon bald Geschichte sein. Denn der Kirchenrat der Thurgauer Landeskirche will in Zukunft die alleinige Verantwortung für die Zeitschrift «Forum Kirche». Aktuell gehören die Verlagsrechte noch der Genossenschaft Pressverein Frauenfeld, die auch Mitherausgeberin (nebst den Landeskirchen Thurgau und Schaffhausen) ist. Die Publikation erscheint heute zweiwöchentlich in den beiden Kantonen mit einer Auflage von 53'000 Exemplaren.

Bruno Hubatka, Präsident Genossenschaft Pressverein Frauenfeld. (Bild: Mathias Frei)

Bruno Hubatka, Präsident Genossenschaft Pressverein Frauenfeld. (Bild: Mathias Frei)

Für den 29. Oktober hat die Genossenschaft eine ausserordentliche Versammlung terminiert. Dann soll das Abtreten der Verlagsrechte an die Landeskirche beschlossen werden. Die Genossenschaft besteht seit 1895. Sie übernahm damals die Verlagsrechte der katholischen Thurgauer Wochenzeitung. Ab 1971 gab die Genossenschaft, die daneben auch die «Thurgauer Volkszeitung», die «Bischofszeller Nachrichten» und das «Neue Wiler Tagblatt» verlegte, das heute noch bestehende Pfarreiblatt für die Landeskirche heraus, bis 1988 mit alleinigem Risiko.

Landeskirche will Kommunikation neu aufgleisen

Cyrill Bischof, Präsident des Kirchenrates der Katholischen Kirche Thurgau und neues Vorstandsmitglied der Genossenschaft Pressverein Frauenfeld. (Bild: Reto Martin)

Cyrill Bischof, Präsident des Kirchenrates der Katholischen Kirche Thurgau und neues Vorstandsmitglied der Genossenschaft Pressverein Frauenfeld. (Bild: Reto Martin)

Wie Genossenschaftspräsident Bruno Hubatka an der Generalversammlung von Dienstag im Brauhaus erklärte, will die Landeskirche die Kommunikationsarbeit mithilfe der verschiedenen Medienkanäle neu konzipieren. Die Existenz der Genossenschaft sei auch ohne verlegerische Tätigkeiten weiter gerechtfertigt, sagte Hubatka. «Die Genossenschaft wird ein Garant dafür, dass ausserhalb der Kirchenverwaltung ein zumindest derzeit noch finanziell potenter Partner vorhanden ist, der Projekte aufgreifen und unterstützen kann.»

Für Ralph Limoncelli, der durch die Wahl in die Behörde von katholisch FrauenfeldPlus aus dem Kirchenrat ausschied, wurde Kirchenratspräsident Cyrill Bischof in den Genossenschaftsvorstand gewählt.

Pfarreiblatt: Der Kirchenrat schreitet ein

Der katholische Kirchenrat will, dass künftig die Landeskirche das Pfarreiblatt «Forum Kirche» finanziert statt die Kirchgemeinden. Er will aber auch inhaltlich mitbestimmen können. Heute liegt die inhaltliche Verantwortung bei kirchlichen Amtsträgern wie Pfarrern.
Christof Widmer