Kein Segen für Strassenbauprojekt: Stettfurter Kirchbürger stimmen gegen Versetzung von Friedhofmauer und Gräbern

Die Stettfurter Kirchbürger lehnen einen Landabtausch mit dem Kanton Thurgau ab, womit die Friedhofmauer und einzelne Gräber hätten versetzt werden müssen. Damit müssen die Pläne für die Erneuerung und Aufwertung der Hauptstrasse überarbeitet werden, obwohl das Stimmvolk bereits einen Kredit über 2,45 Millionen Franken bewilligte.

Samuel Koch
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Die Friedhofmauer bei der Evangelischen Kirche an der nördlichen Seite der Hauptstrasse bleibt unverändert bestehen. (Bild: Donato Caspari)

Die Friedhofmauer bei der Evangelischen Kirche an der nördlichen Seite der Hauptstrasse bleibt unverändert bestehen. (Bild: Donato Caspari)

Emotional: So lässt sich die Stimmung an der ausserordentlichen Versammlung der Kirchbürger zusammenfassen. Nach mehreren teils angeregten Voten und einer lebhaften Debatte hat das Pendel an der Abstimmung auf die Seite der Gegner geschlagen. «Damit haben wir auch nicht gerechnet», sagt Susanne Schiesser Beeler als Präsidentin der Vorsteherschaft der Evangelischen Kirchgemeinde Stettfurt. Klar habe ein möglicher Eingriff in die Totenruhe Diskussionen ausgelöst. Schiesser Beeler meint:

«Es ging aber viel eher um die Grundsatzfrage, ob die Kirchgemeinde für die Erneuerung und Aufwertung der Hauptstrasse Land tauschen will.»

Mit 29 Nein- zu 23 Ja-Stimmen sagen die Kirchbürger also knapp Nein zum Landabtausch mit dem Kanton Thurgau. Damit bleiben die 60 Quadratmeter südlich der Kirche mit einem Teil des Friedhofes im Eigentum der Kirchgemeinde, womit die bereits von den Stimmbürgern der Politischen Gemeinde bewilligte Sanierung und Aufwertung Hauptstrasse nicht wie geplant vonstatten gehen kann.

Negative Reaktionen
bleiben aus

Weil die Kirchbürger dem Landabtausch ihren Segen verweigerten, wird nun also die Friedhofmauer nicht um rund zwei Meter nach Norden versetzt – entgegen der ursprünglichen Baupläne der Politischen Gemeinde zusammen mit dem kantonalen Tiefbauamt. Ebenso müssen drei schon etwas ältere Gräber zur Zeit nicht umgebettet werden.

Seit der Versammlung vor rund drei Wochen habe Schiesser Beeler kaum mehr Reaktionen erhalten. «Man hat den Entscheid akzeptiert», sagt sie. Die gesamte Kirchenvorsteherschaft hatte sich schon seit längerem für den Landabtausch ausgesprochen. «Wir wollten der Gemeinde Hand bieten für ein Projekt, das der ganzen Bevölkerung zu Gute kommt», meint Schiesser Beeler.

Für mehr Sicherheit entlang der Hauptstrasse

Das Stimmvolk hat im November einem Kredit über 2,45 Millionen Franken für die Erneuerung und Aufwertung der Hauptstrasse klar zugestimmt. Nebst neuen Werkleitungen soll die Hauptverkehrsachse durchs Dorf übersichtlicher und sicherer gestaltet werden. So werden die Bushaltestellen versetzt und ausgebaut. Drei Parkplätze weichen Bäumen, und an den Ortseingängen werden die 50er-Tafeln weiter dorfauswärts versetzt. Am westlichen Dorfeingang verschwindet zudem die Verkehrsinsel. Wegen des Neins der Kirchbürger kann nun aber das durchgehende Trottoir nicht ganz umgesetzt werden. (sko)

An der umstrittenen Versammlung selber anwesend ist Gemeindepräsident Markus Bürgi, der erneut für die Versetzung der Friedhofmauer weibelt. – Vergebens. Er sagt:

«Es tut weh und ist schade, dass nun ein Herzstück des Betriebs- und Gestaltungskonzepts fehlt.»
Markus Bürgi, Gemeindepräsident Stettfurt. (Bild: Samuel Koch)

Markus Bürgi, Gemeindepräsident Stettfurt. (Bild: Samuel Koch)

Gerade im Dorfkern seien die Strassenverhältnisse einfach zu eng für ein durchgehendes Trottoir. Die bereits aufgegleiste Planung mit dem Tiefbauamt wirft die jetzige Ablehnung der Kirchbürger nicht über den Haufen, meint Bürgi. «Jetzt müssen wir an jenem Bereich der Strasse nochmals über die Bücher, der Austausch mit dem Tiefbauamt läuft.»

Gemeinderat bereut frühe Volksabstimmung nicht

Der Gemeinderat muss sich zudem die Frage gefallen lassen, ob er das Stimmvolk zu voreilig an die Urnen bat, ehe die Kirchbürger über den Landabtausch befinden konnten. Das sei halt immer eine Frage des richtigen Timings, meint Bürgi und ergänzt: «Wir würden es wieder genau gleich machen.» Es sei im vergangenen Herbst der richtige Zeitpunkt gewesen, die Stimmberechtigten über den Kredit abstimmen zu lassen, weil sonst nur noch mehr Planungskosten aufgelaufen wären.

Am eingeschlagenen Zeitplan ändert sich indes nichts. «Geht alles nach Plan, legen wir das Projekt Ende 2019 öffentlich auf und starten im Frühling 2020 mit dem Bau», meint Bürgi. Der Kredit, dem die Stimmbürger zugestimmt haben, beläuft sich auf 2,45 Millionen Franken inklusive Werkleitungen. Die Schlussrechnung dürfte mit dem Nein der Kirchbürger vielleicht sogar noch etwas tiefer ausfallen.

Stettfurt informiert über Quartiere mit raumplanerischem Potenzial

Die Gemeinde Stettfurt überarbeitet ihren Kommunalen Richtplan. Am Dienstagabend haben Gemeindepräsident Markus Bürgi und Planungsexperte Hanspeter Woodtli über das Entwicklungskonzept informiert und über 60 Interessierten aufgezeigt, wo in der Gemeinde noch Potenzial brach liegt.
Samuel Koch