King Charles mag Wurst-Käse-Salat: Gepflegter Spannungsabbau nach einer Vorstellung des Theatervereins Frauenfeld 

Eine Tradition, die von den Bühnenkünstlern geschätzt wird: Nach den Vorstellungen lädt der Theaterverein-Vorstand die Schauspieler jeweils auf einen Absacker ein. 

Mathias Frei
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Theaterverein-Präsident Louis Räber am Tisch mit Schauspieler Peter Lüchinger, der King Charles mimte.

Theaterverein-Präsident Louis Räber am Tisch mit Schauspieler Peter Lüchinger, der King Charles mimte.

(Bild: Mathias Frei)

Achteinhalb Stunden. Wenn es gut läuft mit der Deutschen Bahn und mit nur einmal Umsteigen bis Zürich. Solange dauert die Reise von Shakespeares Bremen nach Frauenfeld. King Charles fühlt sich in seine Jugend zurückversetzt. Damals im aargauischen Suhr, als es in den Beizen noch Toast Hawaii und Wurst-Käse-Salat gab. Der englische König, der vor einer Stunde abgesetzt worden ist, mag Wurst-Käse-Salat. Das ganze englische Königshaus sitzt am Montag kurz vor 23 Uhr bei Weisswein und Bier im «Blumenstein». Auf der kleinen Karte: Wurst-Käse-Salat und Toast Hawaii.

Die nächsten Stücke

 Die Frauenfelder Theaterverein-Saison geht weiter mit «Tod eines Handlungsreisenden» (14. Januar 2020). Dann steht «Madame Bovary» am 12. Februar auf dem Programm. Am 11. März ist «Arsen und Spitzenhäubchen» zu sehen. Und den Abschluss macht das Stück «Acht Frauen» am 7. Mai. Die Vorstellungen im Stadtcasino Frauenfeld beginnen jeweils um 19.30 Uhr. (ma)

www.theaterverein-frauenfeld.ch

Es ist Tradition beim Theaterverein, dass der Vorstand die Theatercompagnie im Anschluss an die Vorstellung auf einen Imbiss und Schlummertrunk einlädt. An diesem Montagabend kommt die Bremer Shakespeare-Company in den Genuss dieser Künstlerbetreuung. Neun Schauspieler, die teils erst um 18Uhr in Frauenfeld angekommen sind. Die beiden Techniker sind per LKW in die Schweiz gereist.

Die gesuchte Interaktion mit dem guten Publikum

Ein knapp dreistündiges Stück in der Tradition der Shakespeare’schen Dramatik: «King Charles III». Es ist kurz vor 22.30 Uhr, als die Vorstellung im Casino fertig ist. Im «Blumenstein» hat der letzte offizielle Gast ausgetrunken. Jetzt würde das Restaurant schliessen. Eine Viertelstunde später kommt der Theaterverein-Vorstand, im Schlepptau die Schauspieler.

«Wir haben die Vereinbarung, dass das Restaurant für uns länger offen bleibt, wenn die Schauspieler hier übernachten.»

Das erklärt Theaterverein-Präsident Louis Räber. King Charles, also Peter Lüchinger, setzt sich neben ihn. Lüchinger, in Suhr aufgewachsen, ist aufgedreht, beginnt zu erzählen. Dass er seit 37 Jahren in Deutschland lebt, seit kurzem nebst der Schweizer auch die deutsche Staatsbürgerschaft hat, vom Theaterhaus, das die Shakespeare-Company in Bremen betreibt. «Wir sind ein Schauspieltheater ohne Intendanz.» Das heisst: organisiert nach dem Konsensprinzip. Er erzählt von den 40 bis 50 Gastspielen, heuer aber erst zum zweiten Mal in der Schweiz. Von der Aktualität des Stücks, der Verteidigung der Demokratie durch einen Monarchen.

«Absurd.»

Von der gesuchten Interaktion mit dem Publikum. Vom «geschulten Publikum in Frauenfeld», das schnell reagiert. Räber meint: «Die gezeigten Stücke schulen unser Publikum.»

Schauspielerin Theresa Rose signiert das Gästebuch des Theatervereins.

Schauspielerin Theresa Rose signiert das Gästebuch des Theatervereins. 

(Bild: Mathias Frei)

Das dreistündige Stück sei nicht so anstrengend gewesen, meint Lüchinger. «Es gibt schon Inszenierungen, da läuft einem der Schweiss runter. Aber das ist unser Job.» An einem anderen Tisch sitzt Markus Seuss bei Flammkuchen und Weisswein. Er hat Prinz William gespielt. Von Frauenfeld werde er herzlich wenig sehen.

«Wenn man zwei, drei Vorstellungen an einem Ort spielt, macht man sich schon kundig, wo es ein Museum gibt, eine gute Sauna oder die Fussgängerzone.»
Schauspieler Markus Seuss.

Schauspieler Markus Seuss.

(Bild: Mathias Frei)

Man habe sich über die Jahre so diszipliniert, dass man von 19 bis 22Uhr auf hundert Prozent sei. Nach der Vorstellung brauche er jeweils eine bis anderthalb Stunden, bis die Spannung abfällt. Jess, die Freundin von Prinz Harry, das war Theresa Rose auf der Casinobühne. Sie unterschreibt im Gästebuch des Theatervereins und sagt: «Jeder ist sein grösster Kritiker.» Es sei auch schon vorgekommen, dass sie morgens aufgewacht sei – und nicht wusste, in welcher Stadt. Weil Rose in Köln lebt, muss sie am Dienstag erst um 8.46 Uhr auf den Zug. Nach Bremen geht es schon um 7 Uhr los. So oder so: Viel zu früh, weil es doch schon nach Mitternacht ist.

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