Kinderporno-Video weitergeleitet: Ungar aus dem Kanton Thurgau muss das Land verlassen

Die Mitgliedschaft in einem Whatsapp-Chat hat für einen 23-Jährigen böse Folgen. Das Bezirksgericht Kreuzlingen verweist ihn des Landes. Er habe eigentlich nach witzigen Sachen gesucht, sagt er vor Gericht. Das Kinderporno-Video habe er weitergeleitet, um seinen Freunden zu zeigen, was für schlimme Menschen es gebe. 

Martina Eggenberger Lenz
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Das Bezirksgericht Kreuzlingen hat einen Ungar aus dem Thurgau des Landes verwiesen. (Symbolbild: Donato Caspari)

Das Bezirksgericht Kreuzlingen hat einen Ungar aus dem Thurgau des Landes verwiesen. (Symbolbild: Donato Caspari)

Die Mitgliedschaft zur Gruppe «Meanwhile-Party» wird einem 23-jährigen Mitarbeiter eines landwirtschaftlichen Betriebes zum Verhängnis. Der in Rumänien aufgewachsene Mann mit ungarischem Pass verliert seinen Wohnsitz und seinen Job – und das alles, weil er bei Whatsapp mit den falschen Leuten zu tun hatte. Notabene mit Personen, die er nicht einmal kennt.

Weil er witzige Sachen mag, liess er sich vor bald zwei Jahren der besagten Gruppe zuteilen. Viele tausend Bilder und Videos empfängt er so. Irgendwann auch solche mit Gewaltdarstellungen und kinderpornografischem Inhalt.

Vor dem Kreuzlinger Bezirksgericht sagt er aus, dass er diese Sachen eklig fand. Viele habe er gar nicht angesehen. Zwei hat er dennoch mit Bekannten geteilt. In einem Film sieht man offenbar Knaben bei sexuellen Handlungen. Im anderen tackert ein Handwerker seinen Penis mit einer Nagelpistole an ein Brett. Er habe damit seinen Freunden zeigen wollen, was für schlimme Menschen es gebe, erklärte der Angeklagte.

Der Chef und die Nachbarin finden nur gute Worte

Dass die Verbreitung von verbotener Pornographie illegal ist, sei ihm nicht bewusst gewesen. Auch nicht, dass Dateien, die per Whatsapp eingehen, automatisch auf dem Handy gespeichert werden. Die Rede ist von massiven Gewaltdarstellungen wie Enthauptungen. Der Staatsanwalt sagt:

«Ich musste mir noch nie derart krankhaftes Bildmaterial ansehen.»

Fünf Jahre Landesverweis sind gefordert, dazu eine hohe Geldstrafe und ein lebenslanges Berufsverbot für Jobs mit Minderjährigen. Das, obwohl es keine Anzeichen dafür gibt, dass der Angeklagte pädophil ist. Der Arbeitgeber des jungen Mannes und auch seine Nachbarin versuchen im Zeugenstand, zu retten, was zu retten ist. Sie zeichnen das Bild des sympathischen, fleissigen und hilfsbereiten Zuwanderers. «Er ist für mich wie ein zweiter Sohn», sagt der Bauer noch.

Auch der Verteidiger plädiert dafür, vom Landesverweis abzusehen. «Er hat eine Dummheit begangen. Aber er hat nie aktiv nach verbotenen Inhalten gesucht oder solche runtergeladen.»

Das Gericht hielt fest, der Angeklagte habe eine so genannte Katalogtat begangen, die den Landesverweis zur Folge haben müsse, «auch wegen der Signalfunktion». Das öffentlichen Interesse verlange, Kinderporno-Filme einzudämmen. «Der Gesetzgeber will, dass wir hart durchgreifen», meinte die Richterin. Ein Härtefall sei der junge Mann nicht. Eine Strafe und Verfahrenskosten von total rund 23'000 Franken kommen zum Landesverweis oben drauf.