Kein Stammtischgerücht: Der «Alpenblick» in Weiningen geht wieder auf

Moni Lang übernimmt die Pacht des Weininger Restaurants. Am Sonntag ist «Aatrinkete».

Evi Biedermann
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Bald geht es los: Moni Lang im «Alpenblick».

Bald geht es los: Moni Lang im «Alpenblick».

(Bild: Evi Biedermann)

Unerfahren ist Moni Lang im Gastrobereich nicht, aber gewirtet hat die neue Pächterin des «Alpenblicks» bislang noch nie. Sie freue sich auf die neue Herausforderung, sagt die 52-Jährige. «Ich habe aber auch Respekt vor dem, was auf mich zukommt». Als Spross einer Wirte-Familie weiss sie, was es heisst, ein Restaurant zu führen. Zudem hat die gelernte Detailhandelsfachfrau den grössten Teil ihres Berufslebens im Service gearbeitet.

Bei ihrer letzten Stelle, im Restaurant Bahnhof in Thalheim, stand sie immer häufiger in der Küche. Ein Glücksfall für die passionierte Hobbyköchin. «Ich habe schon immer gern gekocht», sagt Lang. Am liebsten bereite sie unkomplizierte, schmackhafte Gerichte zu. So will sie es auch im «Alpenblick» machen.

Eine gute Küche, für die Gäste da sein sowie eine angenehme Atmosphäre schaffen: Damit will sie ab kommendem Sonntag, dem 1. Dezember, bei den Gästen punkten. Den letzten Schliff dafür holte sie sich im vierwöchigen Wirtefachkurs, den sie letzte Woche mit der Wirteprüfung erfolgreich beendet hat.

Schicksalsschlag liess die Idee wieder aufkommen

Geplant war das alles nicht. Aber so ganz aus der Luft gegriffen ist die neue Marschrichtung auch nicht. Schon beim letzten Wirtewechsel im «Alpenblick» vor drei Jahren hatte Moni Lang ernsthaft darüber nachgedacht, sich auf die Stelle zu bewerben. Sie war 2013 zu ihrem damaligen Partner Ernst Badertscher nach Weiningen gezogen und hätte die Pacht im «Alpenblick» als gemeinsames Unterfangen gesehen.

Doch der Partner – obwohl gut vernetzt im Dorf und Stammkunde im «Alpenblick» – wollte nicht wirten, sondern weiterhin seine mechanische Werkstatt führen. Sie habe das akzeptiert, erzählt Lang in der heimeligen Wirtewohnung, in der sie seit zwei Monaten lebt. «Von da an war das Thema Wirten für mich erledigt». Im August vor einem Jahr dann stellte das Schicksal alles auf den Kopf. Ernst Badertscher kam bei einem Töffunfall unverschuldet ums Leben. Eine Woche vor der geplanten Hochzeit.

Freunde motivierten sie, die Beiz zu übernehmen

Gemeinsame Freunde halfen über die schwierige Zeit hinweg. Und sorgten dafür, dass die einst angedachte berufliche Selbstständigkeit wieder ins Bewusstsein gelangte. «Hey Moni, ich habe gehört, du übernimmst den ‹Alpenblick›», habe einer vor ein paar Monaten zu ihr gesagt. Das war, bevor zu Lang durchgedrungen war, dass ihre Vorgänger, Irene Fehr und Rolf Sommer, aufhören wollten. Sie hielt es für ein Stammtischgerücht und schmunzelte darüber.

Aber nicht lange. «Ich erkannte die Chance und spürte ziemlich schnell, dass ich das will», sagt sie. Zum einen wegen ihrer langjährigen Erfahrung im Gastrobereich, zum andern, weil ihr der «Alpenblick» als Lokal sympathisch sei und es ihr Spass mache, Menschen zu bewirten und mit ihnen zu plaudern. Auf Letzteres legt Lang grossen Wert. «Der ‹Alpenblick› ist eine Dorfbeiz. Ein Ort, wo man sich treffen und austauschen kann.»

Ein Frauentrio schmeisst die Beiz

Die Küche bietet täglich ein Menü an. Bleibt davon etwas übrig, wird es auf Wunsch auch abends aufgetischt. Daneben stehen weitere Gerichte zur Auswahl. Am Kochherd wird Moni Lang von Alicja Lichtensteiger unterstützt, für den Service hat sie Karin Schefer angestellt. Wie bisher bleibt das Restaurant ein Nichtraucher-Lokal.

Ändern hingegen werden sich die Öffnungszeiten. Neu ist der «Alpenblick» wieder am Samstag und Sonntag geöffnet. Dass die Vorgängerin das nicht so handhabte, haben viele im Dorf nicht verstanden. Auch Wanderer und Velofahrer wunderten sich am Wochenende jeweils über die geschlossene Beiz. «Ich mache es nun anders», sagt Lang. Ob das richtig sei, werde sich zeigen. «Für mich stimmt es so.»

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