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Kein Sport ist Mord: Fitness-Fanatiker am Open Air Frauenfeld

Sie trainieren oben ohne mitten auf dem Open-Air-Gelände und sind als Poser verschrien. Das stimmt so nicht. Vielmehr sind sie Süchtige – und Sport ist ihre Droge.
Rahel Haag
(Bild: Andrea Stalder)(Bild: Andrea Stalder)
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Konzert von G-Eazy. (Bild: Andrea Stalder)Konzert von G-Eazy. (Bild: Andrea Stalder)
Konzert von G-Eazy. (Bild: Andrea Stalder)Konzert von G-Eazy. (Bild: Andrea Stalder)
Konzert von G-Eazy. (Bild: Andrea Stalder)Konzert von G-Eazy. (Bild: Andrea Stalder)
Konzert von G-Eazy. (Bild: Andrea Stalder)Konzert von G-Eazy. (Bild: Andrea Stalder)
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(Bild: Reto Martin)(Bild: Reto Martin)
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(Bild: Reto Martin)(Bild: Reto Martin)
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(Bild: Reto Martin)(Bild: Reto Martin)
(Bild: Reto Martin)(Bild: Reto Martin)
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(Bild: Reto Martin)(Bild: Reto Martin)
(Bild: Reto Martin)(Bild: Reto Martin)
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Konzert von Motrip & Ali As. (Bild: Reto Martin)Konzert von Motrip & Ali As. (Bild: Reto Martin)
Konzert von Motrip & Ali As. (Bild: Reto Martin)Konzert von Motrip & Ali As. (Bild: Reto Martin)
Konzert von Motrip & Ali As. (Bild: Reto Martin)Konzert von Motrip & Ali As. (Bild: Reto Martin)
(Bild: Reto Martin)(Bild: Reto Martin)
(Bild: Reto Martin)(Bild: Reto Martin)
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(Bild: Reto Martin)(Bild: Reto Martin)
(Bild: Reto Martin)(Bild: Reto Martin)
(Bild: Reto Martin)(Bild: Reto Martin)
45 Bilder

Mit Sonnenbrille und Gummistiefeln: So trotzen die OAF-Besucher dem wechselhaften Wetter am zweiten Tag

Die Schweissperlen bahnen sich ihren Weg über die gestählten Körper. Auf der Trainingsplattform mitten auf dem Festivalgelände stehen den Sportfanatikern unter den Besuchern verschiedene Stangen für ihre Übungen zur Verfügung. Selbst am Open Air Frauenfeld können sie es nicht lassen. Oder besser: Sie wollen nicht.

Passend dazu steht auf einer Tafel: «Use the Street as your Gym», also nutz die Strasse als Fitnessstudio. Während der eine Klimmzüge macht, stemmt sich ein anderer langsam und kontrolliert in den Handstand. Als nächstes spreizt er die Beine, dann löst er eine Hand.

Jair Delgado Fortes hat seine eigenen Push-up-Stangen mitgebracht. (Bild: Reto Martin)

Jair Delgado Fortes hat seine eigenen Push-up-Stangen mitgebracht. (Bild: Reto Martin)

Der athletische, junge Mann heisst Jair Delgado Fortes. «Das Training ist meine Passion», sagt der 20-Jährige, als seine Füsse wieder auf dem Boden stehen. Er lächelt und zuckt mit den Schultern. Ein leichter Schweissgeruch geht von ihm aus. Das, was er hier tut, nennt sich Calisthenics. Der Begriff komme aus dem Altgriechischen und bedeute «schöne Kraft».

Der Luxemburger ist zum ersten Mal am Open Air Frauenfeld und hatte keine Ahnung, dass es hier die Möglichkeit gibt, zu trainieren. Deshalb hatte Delgado Fortes vorgesorgt.

«Ich habe extra eigene Geräte mitgebracht, um ganz sicher trainieren zu können.»

Er deutet auf die sogenannten Push-up-Stangen, die neben ihm liegen. Sie erinnern ein wenig an Griffe. Er bringt sie in Position, hält sich fest und Sekunden später ist er im Handstand. Während er trainiert, spielen seine Freunde Bier Pong. «Später spiele ich vielleicht auch eine Runde mit.» Die nächsten anderthalb bis zwei Stunden will er aber hier verbringen.

Junge Frauen geniessen die schöne Aussicht

Am Rand der Plattform unter einem Sonnenschirm sitzen zwei junge Frauen, die abwechselnd auf ihr Smartphone und dann wieder zu den sportlichen Männern schauen.

«Die Aussicht hier ist schon schön»

sagt die 15-jährige Leonie Schildknecht. Die beiden kichern. «Zuhause gehe ich auch ins Fitness», sagt Jessica Streicher, «aber am Open Air – das wäre nichts für mich».

Muskeln aus Stahl und stahlblaue Augen: Max Cheel kann nicht auf Sport verzichten. (Bild: Reto Martin)

Muskeln aus Stahl und stahlblaue Augen: Max Cheel kann nicht auf Sport verzichten. (Bild: Reto Martin)

Max Cheel macht gerade Pause. Er hat Muskeln aus Stahl und dazu stahlblaue Augen. «Ich war vor fünf oder sechs Jahren schon einmal am Open Air Frauenfeld», sagt der 28-Jährige. Damals existierte das Angebot noch nicht. «Für mich ist das eine positive Überraschung.» Sport gehöre für ihn zum Leben. Mal darauf verzichten? Der Berliner schüttelt den Kopf. «Nein, das kann ich nicht.» Deshalb hat er auch vor, jeden Tag ein bisschen Zeit hier zu verbringen.

«Sofern das Wetter mitspielt – bei Regen sind die Stangen rutschig.»

Am Rand der Szenerie stehen Florian Lippe und Lisa Kächele. Sie schauen interessiert zu.

«Ich finde, das ‹Street Workout› passt gut hierher»

sagt die 44-Jährige. Und es sei schön, dass das Angebot gratis sei. «Sonst kostet hier ja alles.» Die beiden kommen aus Berlin. Dort hätten sie gemeinsam an einem Bootcamp teilgenommen. «Ich könnte mir schon vorstellen, hier zu trainieren», sagt der 38-jährige Lippe, «aber jetzt habe ich gerade ein Bier getrunken». Er wedelt mit dem leeren Becher und lacht. Der Körperkult hält sich hier seiner Meinung nach in Grenzen. «Hier laufen keine aufgepumpten Typen herum.»

Nebenan trainiert der Schweizer Meister

Julian Pagel ist Schweizer Meister im Calisthenics. An der WM will er unter die Top 10. (Bild: Reto Martin)

Julian Pagel ist Schweizer Meister im Calisthenics. An der WM will er unter die Top 10. (Bild: Reto Martin)

Seit Mitte Juni ist Julian Pagel Schweizer Meister im Calisthenics. Jetzt macht der 21-jährige Basler hier am Open Air Frauenfeld seine Übungen. Normalerweise trainiert der Kaufmann zwischen drei und fünf Stunden täglich. «Man darf sich nicht gehen lassen», sagt er, «man muss dranbleiben.»

Vor vier Jahren hat er mit Calisthenics angefangen. Im vergangenen Jahr startete er an der Weltmeisterschaft und schaffte es unter die Top 15. Auch in diesem Jahr hat er sich qualifiziert. Sein Ziel: die Top 10. «Früher machte ich Breakdance.» Dafür habe er seine Kraft trainieren wollen. «Fitness war aber das Falsche, weil man mit Gewichten arbeitet, statt mit dem eigenen Körpergewicht.» Das sei der Vorteil bei Calisthenics: Man sei frei, könne überall und jederzeit trainieren. Alles was man braucht, sei der eigene Körper.

«Die Ästhetik ist mir nicht so wichtig», sagt er auf seine Muskelberge angesprochen. Sein Ziel sei nicht die perfekte Sommerfigur. «Aber klar, es ist ein schöner Nebeneffekt.» Nach dem Training will er sich ein Bier gönnen. Dann könne er es ohne schlechtes Gewissen geniessen.

Da sitzt sie plötzlich. Eine Frau. Die erste und einzige seit rund einer Stunde. Mirjam Nagel, heisst sie. Normalerweise habe es hier schon auch Frauen.

«Wobei es wohl schon so ist, dass sich Frauen weniger trauen»

sagt sie. Was sie nicht verstehen könne: Wenn Frauen von vornherein sagen, dass sie das nicht können. «Das stimmt nicht, es ist aber aufwendiger, als für einen Mann», sagt sie. Ihr persönlich gefalle, dass man die erzielten Fortschritte direkt merke. «Wenn man eine Übung zum ersten Mal schafft, gibt einem das einen riesen Motivationsschub.» Im Fitness sei es dagegen immer derselbe Trott. «Man kann höchstens die Gewichte erhöhen.»

Die Trainingsstation am Open Air Frauenfeld ist beliebt. (Bild: Andrea Stalder)

Die Trainingsstation am Open Air Frauenfeld ist beliebt. (Bild: Andrea Stalder)

Die 23-Jährige ist mit ihrem Freund Sasa Radovanovic hier. «Wir gehören zu den Organisatoren», sagt der 26-Jährige. Finanziell wird der Verein street-workout.com von Migros Kulturprozent unterstützt. Die Trainingsstation ist bereits zum dritten Mal am Open Air Frauenfeld. Ihnen gehe es um den gesundheitlichen Aspekt. Sein persönliches Ziel sei es, auch im Alter noch fit zu sein. «Viele meinen, wir seien alles Poser», sagt Radovanovic. Er schüttelt den Kopf.

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