Viele Corona-Gesuche abgelehnt: Thurgauer Kulturschaffende erhalten nicht das schnelle Geld

Aus der Kultur gingen Corona-Gesuche in der Höhe von 8,15 Millionen Franken ein. Anträge in der Höhe von 3,4 Millionen Franken wurden aber bereits abgelehnt.

Silvan Meile
Drucken
Teilen
2018 fand das Jazzfestivals Generations im Frauenfelder Casino noch statt. Dieses Jahr blieben die Instrumente stumm - abgesagt.

2018 fand das Jazzfestivals Generations im Frauenfelder Casino noch statt. Dieses Jahr blieben die Instrumente stumm - abgesagt.

Bild: Reto Martin

Abgesagte Veranstaltungen oder eingeschränkte Besucherzahlen. Die Pandemie trifft die Kultur. Seit Mitte März sind im Thurgau 152 Gesuche von Kulturschaffenden und Kulturbetrieben eingegangen, um die wirtschaftlichen Auswirkungen von Corona abzufedern. Das geht aus der Beantwortung eines Vorstosses von Kantonsrat Ueli Fisch (GLP, Ottoberg) hervor.

Ausfallentschädigungen teilen sich Bund und Kanton je zur Hälfte. Die aus Kulturkreisen geltend gemachte Schadenssumme beläuft sich im Thurgau auf 8,15 Millionen Franken. Davon wurde bis Ende September 1,85 Millionen bereitgestellt.

«Bei Anfragen in der Höhe von rund 2,9 Millionen Franken steht ein Entscheid noch aus.»

Das schreibt der Regierungsrat. Für die restliche Summe von rund von 3,4 Millionen Franken sind somit bereits Gesuche abgelehnt worden sein. Dafür gebe es gemäss Covid-Verordnung des Bundes unter anderem folgende formale Gründe, erläutert Martha Monstein, Leiterin des Thurgauer Kulturamts:

«Entspricht nicht den vom Bund festgelegten Geltungsbereichen; es wurden nicht mindestens 50 Prozent des Umsatzes im Kulturbereich erwirtschaftet; Erwerbsersatzordnung oder Kurzarbeit wurden nicht abgezogen; Schadensminderung wurde nicht ausgewiesen.»

Die Gesamtsumme von 3,4 Millionen Franken der abgelehnten Summe sei deshalb so hoch, weil bei weinigen Gesuchen eine sehr hohe Summe erwartet worden sei.

«Es braucht schnelle und flexible Lösungen»

Fisch zeigt sich erstaunt über die zahlreichen bereits abgelehnten Gesuche.

Ueli Fisch, GLP-Kantonsrat.

Ueli Fisch, GLP-Kantonsrat.

Bild: Urs Bucher
«Viele Kulturschaffende kämpfen um ihre Existenz.»

In seinem Vorstoss warf er die Frage auf, ob Thurgauer Kulturschaffende und Vereine nicht viel stärker aus dem Geldtopf des kantonalen Lotteriefonds unterstützt werden sollen. Dabei schlägt er eine Maximalsumme von 20 Millionen Franken für Ausfallentschädigungen vor.

Fisch schwebt dabei ein ähnliches System wie jenes der Kurzarbeit vor. Geld sei vorhanden. Schliesslich habe sich der Lotteriefondsbestand des Kantons in den vergangenen acht Jahren auf 44 Millionen Franken mehr als verdoppelt.

Fisch geht es zu langsam

Der Regierungsrat spricht sich in seiner Antwort zwar dafür aus, zusätzliche Gelder aus dem Lotteriefonds «für Entschädigungen der Kulturunternehmen und für Transformationsprojekte» einzusetzen. Bereits im April stellte er wegen der Coronakrise fünf zusätzliche Millionen aus dem Fonds bereit. Fisch Vorschlag sei jedoch sehr hoch gegriffen, heisst es in der Beantwortung.

Fisch sagt:

«Mein Vorschlag war provokativ hoch.»

Immerhin signalisiere der Kanton, zusätzliche Gelder für die existenzbedrohende Kultur zu sprechen. Es fehle beim Kanton an etwas Kreativität, wie dieser das umsetzen will. Aufgrund der Dringlichkeit brauche es jetzt flexible und schnelle Lösungen. «Mir geht es zu langsam», sagt Fisch.

Martha Monstein hingegen betont, dass bei vielen Gesuchen noch nicht abschliessend entschieden werden konnte, da etwa die definitiven Entscheide bezüglich Erwerbsaufallentschädigung oder Kurzarbeitsentschädigung abgewartet werden müssten.

Schon mehrmals verlangte Ueli Fisch vom Kanton eine generelle Strategie, wie dieser die laufend anwachsenden Mittel des Lotteriefonds intensiver und gezielt nutzen will. Die Regierung stellt in Aussicht, dass sie die Entnahmen aus dem Fonds im Kulturkonzept 2023-2026 prüft.