Kein Gegenverkehr für Velos in der Grabenstrasse in Frauenfeld

Die Durchfahrt über die Grabenstrasse zum Bahnhof wird für Zweiräder nicht geöffnet. Gegenverkehr sei wegen der Verhältnisse nicht möglich, schreibt der Frauenfelder Stadtrat in der Beantwortung einer Einfachen Anfrage.

Stefan Hilzinger
Drucken
Teilen
Ein Velofahrer ist kurz davor, das Schild «Verbotene Einfahrt» in der Grabenstrasse zu missachten. (Bild: Andrea Stalder)

Ein Velofahrer ist kurz davor, das Schild «Verbotene Einfahrt» in der Grabenstrasse zu missachten. (Bild: Andrea Stalder)

Die Versuchung ist gross. Wer mit dem Velo vom Langdorf oder von Herten-Bannhalde zum Bahnhof hinunter – und nicht den Weg über die meist starkbefahrene Bahnhofstrasse und den Schweizerhof-Kreisel nehmen will – der zweigt in der Vorstadt auf Höhe «Anker» rechts in die Grabenstrasse ab und ist im Nu beim Bahnhof. Doch die Route ist illegal.

Das signalisiert das Schild «Verbotene Einfahrt» nach wenigen Metern an der Grabenstrasse. Nach Meinung des Stadtrates wird sich daran in nächster Zeit nichts ändern. Dies ist der Antwort des Frauenfelder Stadtrates auf eine Einfache Anfrage des Grünen Gemeinderates Roman Fischer von Ende vergangenen Jahres zu entnehmen.

Latente Gefahr von sich öffnenden Autotüren

Seit einer Änderung der eidgenössischen Signalisationsverordnung auf den 1. Januar 2016 sind Gemeinden verpflichtet, Einbahnstrassen für Velos (und auch für E-Bikes bis 45 km/h) zu öffnen. Allerdings gibt es Ausnahmen von der Regel, etwa wenn die Platzverhältnisse eng sind. Darauf stützt sich im Falle der Grabenstrasse nun der Stadtrat:

Die hinterliegende Erschliessungsstrasse werde von Anwohnern und dem Gewerbe als Anlieferungs-, Umschlags- und Parkierungsmöglichkeit genutzt. Besonders die nördlich (gegen die Stadtkaserne hin) liegenden Flächen seien «gut frequentierte Park- und Abstellflächen». Ausserdem würden die Ausgänge der Liegenschaften unmittelbar auf die Strasse führen.

«Unter diesen Bedingungen ist ein Kreuzen mit Zweiradfahrern derzeit nicht möglich», schreibt der Stadtrat in seiner Antwort. Rückwärts ausparkierende Autos und sich öffnende Autotüren stellten eine latente Gefahr für Velofahrer da. Und weiter:

«Ein Unfall mit einem in die verbotene Fahrtrichtung verkehrenden Radfahrer im Frühling 2018 ist aktenkundig.»

Gegenverkehr für Velofahrer sei nur dann möglich, wenn dort ein Parkverbot durchgesetzt würde. Dazu müsste aber die Strasse umgestaltet und Ersatzparkplätze angeboten werden.

Im Unteren Graben sieht es anders aus

Anders beurteilt der Stadtrat die Situation am Unteren Graben zwischen Oberstadtstrasse und Rheinstrasse – dort, wo derzeit die Arbeiten am Ausbau des Einkaufszentrums Passage im Gange sind. Hier soll im Hinblick auf das Ende der Bauarbeiten geprüft werden, ob Velofahrer diesen Abschnitt künftig im Gegenverkehr nutzen dürfen.

In der Antwort auf eine weitere von gut zwei Dutzend Teilfragen von Gemeinderat Fischers Einfacher Anfrage schreibt der Stadtrat: «Exemplarisch ist hier zu erkennen, dass sämtliche Verkehrsträger sich den Strassenraum teilen müssen und es nur gemeinsame Lösungen im Rahmen eine Koexistenz geben kann.»

Fragliche Freigabe von Fussgängerstegen

Der Stadtrat müsse eine Güterabwägung vornehmen. Darum geht es auch bei der Freigabe von Fussgängerstegen für Velofahrer, wie es die Stadt vergangenen Sommer beim Balieresteg über die Murg tat. Ob weitere Stege für Velos geöffnet würde, hänge von den Erfahrungen dort ab. Ältere Fussgänger hätten sich bei der Stadt gemeldet und Befürchtungen und Ängste kundgetan.

FRAUENFELD: Aufbruchstimmung auf zwei Rädern

Sie hat Forderungen betreffend sicherem Velofahren gestellt, und die Stadt nimmt diese Anliegen auf. Die vor einem knappen Jahr ins Leben gerufene IG Frauenfelder Velo zeigt Wirkung – und kann offiziell mitwirken.
Mathias Frei