Kein Fussgängerstreifen für sicheren Schulweg in Weinfelden: Warum eine Insel trotzdem alle glücklich macht

Bei der Bachtobelstrasse gibt es einen geschützten Übergang für Fussgänger. Es sei ein guter Kompromiss, sagt Stadtrat Hans Eschenmoser. Auch die Schulgemeinde freut's, dass die Schüler bald einen sicheren Schulweg haben

Sabrina Bächi
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Schulpräsident Thomas Wieland, Rolf Stuhlmann und Benedikt Eberle vom kantonalen Tiefbauamt und Stadtrat Hans Eschenmoser am Ort wo die künftige Mittelinsel auf der Bachtobelstrasse gebaut werden soll.

Schulpräsident Thomas Wieland, Rolf Stuhlmann und Benedikt Eberle vom kantonalen Tiefbauamt und Stadtrat Hans Eschenmoser am Ort wo die künftige Mittelinsel auf der Bachtobelstrasse gebaut werden soll.

Bild: Donato Caspari (Weinfelden, 6. August, 2020)

Nun steht fest: für die Schulkinder des Elisabetha-Hess-Schulhauses gibt es keinen Fussgängerstreifen über die Bachtobelstrasse. Weder im Bereich des Restaurants Reben noch weiter oben bei der Einmündung Maienrainstrasse. Doch es folgt ein grosses Aber.

Denn Kanton und Stadt haben einen Kompromiss gefunden, der dank unkompliziertem Landkauf für die Schulkinder eine optimale Überquerung der Strasse gewährleisten soll. «Wir bauen eine Schutzinsel», sagt Benedikt Eberle vom kantonalen Tiefbauamt.

Das heisst: In der Mitte der Strasse ist eine zwei Meter breite Insel geplant. Um das Projekt zu realisieren hat die Stadt südlich der Bachtobelstrasse Land gekauft. Dort kommt nun ein Trottoir hin. «Somit sind auch die Wartezonen für die Fussgänger gesichert», sagt Eberle.

So soll die Situation bei der Bachtobelstrasse künftig aussehen. Gelb: die neuen Trottoirs. Rot: die Veränderung an der Strasse und die Mittelinsel. Schwarz: Strassenmarkierung

So soll die Situation bei der Bachtobelstrasse künftig aussehen. Gelb: die neuen Trottoirs. Rot: die Veränderung an der Strasse und die Mittelinsel. Schwarz: Strassenmarkierung

Der Übergang erfülle nun alle Kriterien wie etwa Sichtbar- und Erkennbarkeit. «Eine Schutzinsel ist ausserdem sicherer als ein reiner Fussgängerstreifen», sagt Eberle. Denn die Strasse werde für den Übergang halbiert und bei der geringen Frequenz an Fahrzeugen sollte die Überquerung auch für Schulkinder kein Problem sein.

Benedikt Eberle, kantonales Tiefbauamt.

Benedikt Eberle, kantonales Tiefbauamt.

Bild: Donato Caspari
«Falls sich die Situation ändert, können wir immer noch einen Streifen hinzufügen, diese Möglichkeit bleibt bestehen.»

Derzeit sei das – wegen der geringen Fahrzeugfrequenz – nicht nötig.

Neue Haltestelle mit hohem Trottoir

Des Weiteren werden die Postautohaltestellen verschoben und beim Bau der Insel gleich noch die Trottoirs angehoben, damit der Einstieg ins Postauto dem Behindertengleichstellungsgesetz entspricht. Durch die Mittelinsel gibt es in der Kantonsstrasse eine leichte Kurve, die den Verkehr verlangsamen soll.

Für die Sichtbarkeit werden Kandelaber direkt beim Übergang aufgestellt, die Einfahrt zur Maienrainstrasse wird mit Verbundsteinen neu abgerundet und gegen das Schulhaus hin mit einem gelben Streifen das Trottoir optisch weitergeführt. Ab 21. August ist Planauflage, «wenn es gut läuft, können wir im Oktober anfangen zu bauen», sagt Eberle erfreut.

Freude ist das Stichwort des Medientermins bei der Bachtobelstrasse. Alle Beteiligten strahlen mit der Sonne um die Wette und zeigen sich erfreut ob der Lösung. Eschenmoser sagt:

Stadtrat Hans Eschenmoser.

Stadtrat Hans Eschenmoser.

Bild: Sabrina Bächi
«Dank unserer Beharrlichkeit und der Gesprächsbereitschaft seitens Kanton haben wir diese Lösung erreicht.»

Entscheidend erachtet er, dass sich die Stadt nicht vom negativen Verwaltungsgerichtsurteil (siehe Kasten) leiten und den Kopf hängen liess. Nur so konnte diese gute Lösung erreicht werden.

Thomas Wieland, Präsident Primarschulgemeinde Weinfelden.

Thomas Wieland, Präsident Primarschulgemeinde Weinfelden.

Bild: PD

Thomas Wieland, Präsident der Primarschulgemeinde Weinfelden ist «erleichtert und froh», dass ein geschützter Strassenübergang Tatsache ist. Er dankte nochmals ausdrücklich dem Landbesitzer, durch dessen Landverkauf das Projekt erst realisiert werden konnte. Die Baukosten belaufen sich auf rund 320'000 Franken, welche sich Stadt und Kanton teilen.

Langer Weg für Zebrastreifen

Weinfelden zieht Kanton vor Verwaltungsgericht

Bereits 2015 hat die Stadt wegen des Schulhausbaus Elisabetha-Hess realisiert, dass im Bereich der Bachtobelstrasse ein Fussgängerübergang fehlt. Im Bereich Restaurant Rebe wollte die Stadt einen Fussgängerstreifen. Da es sich aber um eine Kantonsstrasse handelt, konnte die Stadt nicht selbst aktiv werden. Wegen fehlender Sichtbarkeit verweigerte der Kanton einen Streifen an dieser Stelle. Die Stadt zog den Entscheid vor Verwaltungsgericht, wo sie ebenfalls verlor. Ab 2019 wurde eine neue Lösung gesucht. (sba)

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