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Katze Luana tröstet betagte Menschen im Altersheim in Kreuzlingen

Tiere helfen, von den eigenen Beschwerden abzulenken. Das wissen auch Betreiber von Altersheimen. Ein Besuch bei Senioren und Vierbeinern im Altersheim in Kreuzlingen und Amriswil.
Sheila Eggmann
Katze Luana hat mit Herr Künis das goldene Los gezogen, jeden Morgen gibt er ihr ein paar Leckerlis im Alterszentrum in Kreuzlingen. (Bild: Andrea Stalder)

Katze Luana hat mit Herr Künis das goldene Los gezogen, jeden Morgen gibt er ihr ein paar Leckerlis im Alterszentrum in Kreuzlingen. (Bild: Andrea Stalder)

«Die Esel sind mein ein und alles.» Frau Hinrichs Rollstuhl wird auf die Wiese vor dem Alters- und Pflegezentrum Amriswil geschoben. «Chumm Bobeli», ruft sie währenddessen. Mit Bobeli ist ein grauer Esel gemeint − und dieser heisst eigentlich Yannik. Hinrichs hat den Esel vor neun Jahren so getauft. Sie begründet ihre Wahl:

«Ich dachte, Yannik ist doch ein schöner Name für einen Esel».

Eselin Zirpa und Esel Yannik vor dem Altersheim in Amriswil. (Bild: Sheila Eggmann)

Eselin Zirpa und Esel Yannik vor dem Altersheim in Amriswil. (Bild: Sheila Eggmann)

Neben Bobeli-Yannik kommen der Esel Zirpa und drei namenlose Geissen ans Gatter. Hinrichs steckt ihnen Apfelstücke zu und lacht. Seit 20 Jahren wohnt sie in Amriswil, die letzten im Pflegezentrum. So oft es geht, besucht sie die Tiere: «Mein Herzli gehört Yannik.»

Dass Alters- und Pflegeheime Tiere haben, ist nicht neu. Das bestätigt auch eine Umfrage des Schweizer Tierschutzes. Die Motivation dazu liegt auf der Hand: Die Tiere tun den betagten Menschen gut.

Tiere steigern Altersdurchmischung

Ralph Payer, Abwart im Alterszentrum Amriswil, ist täglich mit den Eseln und Geissen beschäftigt, füttert sie, mistet den Stall. Für ihn bedeuten die Tiere einen Mehraufwand, den er gerne hinnimmt:

«Ich bekomme mit, wie wichtig die Tiere für einzelne Bewohner sind. Man merkt, dass sie grosse Freude bereiten.»

Ausserdem würden sie die Altersdurchmischung im Areal steigern, denn auch viele Mütter würden mit ihren Kindern die Vierbeiner besuchen.

Auch die Genossenschaft Alterszentrum Kreuzlingen hat Tiere. Zwar keine Esel, dafür aber Fische, Vögel, Katzen und Mäuse. Letztere haben am Morgen für Aufruhr auf der Station A1 Ost gesorgt, sie waren nämlich nicht am üblichen Platz. «Eine Bewohnerin machte sich grosse Sorgen und hat alle paar Minuten nachgefragt, wo die Mäuse sind», erzählt eine Pflegerin. Angeschafft hat die Mäuse die Aktivierungstherapeutin Sabine Falkenstein:

«Die Tiere lenken von der eigenen Situation ab und spenden Trost. Ausserdem geben sie einigen Bewohnern eine Routine.»

Falkenstein musste im Vorfeld der Mäusebeschaffung einiges abklären. Beispielsweise, wer sie füttert oder mit ihnen zum Tierarzt geht. «Die Tiere sind schon ein Aufwand. Das Pflegepersonal muss mit der Anschaffung einverstanden sein und mit ihnen zurechtkommen», sagt die Therapeutin.

Das Alterszentrum Kreuzlingen hat Fische, Katzen und Mäuse. Bewohnerinnen bei den Mäusen. (Bild: Andrea Stalder)

Das Alterszentrum Kreuzlingen hat Fische, Katzen und Mäuse. Bewohnerinnen bei den Mäusen. (Bild: Andrea Stalder)

«Wir geben unser Bestes»

Eine weitere Herausforderung ist die Hygiene. Ausserdem müsse auf allfällige Allergien Rücksicht genommen werden. Eine Pflegerin sagt: «Es ist klar: Hat man Haustiere im Heim, wird es hygienetechnisch schwieriger. Aber wir geben unser Bestes.»

Froh darüber ist auch der Bewohner Herr Künis. Der Besuch der Heimkatze Luana gehört zu seiner Tagesroutine. Er gehe jeweils die Zeitungen verteilen, den Tag am Kalender abreissen und danach gibt es Leckerli für die Katze. «Sie frisst nicht allen aus den Händen, aber mir schon!», sagt er stolz. Die Katze war bereits im Heim, als er selbst dorthin kam.

Katze Schnüfi wurde von der Bewohnerin mit ins Heim in Kreuzlingen genommen. (Bild: Sheila Eggmann)

Katze Schnüfi wurde von der Bewohnerin mit ins Heim in Kreuzlingen genommen. (Bild: Sheila Eggmann)

Es gibt auch Bewohner, die ihre eigenen Tiere mitbringen. Dazu zählt Frau Eiermann. Sie hat ihre Katze Schnüfi mitgenommen und kümmert sich selbst um sie.

«Ich wollte mich nicht von ihr trennen.»

Nur die Katzenkiste säubere das Personal, erzählt Eiermann. Und falls es ihr einmal nicht so gut gehen würde, würde sich das Personal komplett um Schnüfi kümmern. Für die Heime lohnt sich der ganze Aufwand offenbar. Anna Jäger, Geschäftsleiterin in Kreuzlingen, sagt: «Man merkt, dass die Lebensqualität der Bewohner steigt.»

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