Er will mehr als Halbwahrheiten: Aadorfs neuer Kirchensekretär ist auch Buchautor

Matthias Schmidt wird Sekretär der Katholischen Kirchgemeinde Aadorf-Tänikon und wirkt als Schriftsteller.

Kurt Lichtensteiger
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Matthias Schmidt

Matthias Schmidt

Bild: Kurt Lichtensteiger

Seit fünfeinhalb Jahren wohnt der 44-jährige Matthias Schmidt in Aadorf. Aufgewachsen ist er in der sozialistisch geprägten Ex-DDR, im Umfeld einer atheistischen Bildungspolitik und eines materialistischen Weltbildes. «Die damaligen Veränderungen weckten jedoch meinen Willen zur Freiheit und zur Gestaltung. Christliche Werte schlummerten zwar in mir, doch konnte ich diese vor dem Umbruch im Jahr 1989 nicht vollends ausleben.» Nach dem Abitur wurde er zum Wehrdienst einberufen. Während seiner vierjährigen Dienstzeit schloss er die Ausbildung zum Kaufmann ab. Als Gastronom konnte er anschliessend den Traum zur Selbstständigkeit verwirklichen und übernahm eine Gastwirtschaft. «Aufgrund der wirtschaftlichen Prognosen in der Region beschloss ich, nach drei Jahren die Selbstständigkeit jedoch wieder aufzugeben.»

Von der Gastwirtschaft ins Spielcasino

Beruflich führte es ihn im Anschluss nach Potsdam in die Spielbank «Joker´s Garden», wo er als Croupier arbeitete und bald erste Führungsaufgaben übernehmen konnte, schildert Matthias Schmidt. Gleichenorts habe er mit 30 Jahren auch seine Frau kennen gelernt, die ebenfalls als Croupier tätig war.

Da seine Kenntnisse als zertifizierter Croupier gefragt waren, fand er 2005 eine Stelle im Casino Schaffhausen, wo er bald zum Spielleiter aufstieg, später innerhalb des Casinos ins Geldfluss-Management wechselte und 15 Mitarbeitenden vorstand. Mit der Heirat und der Geburt seiner Zwillinge im Jahr 2007 erhöhte sich der Wunsch nach einem strukturierten Familienleben – ohne Schichtarbeit. So übernahm er die Niederlassungsleitung der «bofrost suisse ag» in St.Gallen. Dort war er nicht nur fünf Jahre lang Betriebsleiter, sondern intensivierte auch seine Weiterbildung in verschiedenen Bereichen. Während seine Frau, eine katholische Kroatin, eine Festanstellung in führender Position fand, legte er mit einem Sabbatical eine Auszeit ein und beschäftigte sich viel mit den Kindern. Auch in Glaubenssachen beliess er es nicht bei Halbheiten: Er vertiefte sich in die Bibel und den Katechismus, um bald vom Aadorfer Pfarrer Daniel Bachmann als «anonymer Christ» - so bezeichnet – getauft und gefirmt zu werden.

Beileibe nicht mit einem Hintergedanken. Erst die Ausschreibung einer Stelle als Sekretär der beiden Pfarreien Aadorf und Tänikon bewog Matthias Schmidt zur Bewerbung. Mit Erfolg, denn nach einer einmonatigen Einarbeitung durch seine Vorgängerin Marie-Louise Höpli konnte er am 1. Oktober 2019 die Stelle antreten. Mit der Zusammenlegung der Pfarreien dürfte sich sein Pensum schrittweise bis gegen 50 Prozent erhöhen.

Bei einer Schreibblockade setzt er sich ans Klavier

Anfang des nächsten Jahres wird sein neuer Arbeitsplatz im Pavillon neben der Kirche sein, wo Matthias Schmidt als Pfarreisekretär das kirchliche Leben mit seinen positiven Werten verbinden kann. Bei einer allfälligen Schreibblockade setzt sich der Buchautor ans Klavier oder lüftet seinen Kopf beim Tischtennisspiel in Ettenhausen.

Sein bisheriger Lebensweg böte also genug Stoff für eine spannende Lektüre. Doch seine Lebensgeschichte ist nicht Inhalt seines ersten Buches. Den Deutschen mit seiner längst entdeckten Affinität zum Schreiben inspirierten seine Zwillinge zum Roman «sanMemoria – Der Junge mit der roten Box». Eine abenteuerliche und fantastische Handlung, die gemäss dem frischgebackenen Autor jede Menge Lesespass auf 380 Seiten bietet. Im Eigenverlag soll das Buch anfangs Dezember in einer Auflage von 300 Exemplaren erscheinen und auch über den Buchhandel erhältlich sein.

Nicht nur eine Lesung aus seinem Erstlingswerk im Frühjahr ist vorgesehen, sondern auch die Veröffentlichung von zwei weiteren Büchern, da es sich bei seinem Werk um eine Trilogie handelt. Leseratten, nämlich Kinder ab zehn Jahren, Jugendliche und Erwachsene, können sich schon jetzt auf eine spannende Geschichte freuen.