Vielen Dank für Ihre Registrierung. Sie haben den Aktivierungslink für Ihr Benutzerkonto per E-Mail erhalten.

Vielen Dank für Ihre Anmeldung.

Vielen Dank für Ihre Bestellung. Wir wünschen Ihnen viel Spass beim Lesen.

Thurgauer Katholiken gewinnen die Vorherrschaft in Kanton zurück

Die Thurgauer Katholiken sind sich gewohnt, gegenüber den Reformierten in der Minderheit zu sein. Doch damit ist bald Schluss. Die Zuwanderung hält die Mitgliederzahl der katholischen Landeskirche aktuell konstant, während die Reformierten laufend verlieren.
Silvan Meile
Die Uhr am Turm der katholischen Kirche Weinfelden. (Bild: Reto Martin)

Die Uhr am Turm der katholischen Kirche Weinfelden. (Bild: Reto Martin)

Dies ist ein Artikel der «Ostschweiz am Sonntag». Die ganze Ausgabe lesen Sie hier.

Die Rückeroberung verläuft schleichend und leise, aber sie geschieht. 500 Jahre nachdem die kirchliche Reformation eingeleitet wurde und schliesslich auch im Thurgau Überhand nahm, zeichnet sich eine nächste historische Wende ab. Die Katholiken gewinnen die Vorherrschaft zurück.

In wenigen Jahren dürften sie die Reformierten anzahlmässig überholen und wieder die grösste Glaubensgemeinschaft im Kanton stellen. Das geht aus den Zahlen der Thurgauer Dienststelle für Statistik hervor.

"Wir sind Migrationsgewinner"

Zwar verlieren beide Landeskirchen seit den 1990er Jahren laufend Mitglieder. Im Gegensatz zu den Reformierten können die Katholiken die Kirchenaustritte aber in den letzten Jahren mit der Zuwanderung immer besser abfedern. «Wir sind Migrationsgewinner», sagt Urs Brosi, Generalsekretär der katholischen Landeskirche Thurgau.

Während die Reformierten jedes Jahr etwa 1000 Konfessionszugehörige verlieren und mittlerweile noch rund 90 000 Personen in den eigenen Reihen zählen, bleibt der Mitgliederbestand bei den Katholiken seit Jahren konstant bei mehr als 86 000 Gläubigen.

Migration drückt auch den Altersdurchschnitt der Katholiken

Die Ausstrahlung der Weltkirche widerspiegelt sich in der kantonalen Statistik. Unter der Thurgauer Bevölkerung mit einem Migrationshintergrund sind gemäss statistischen Mitteilungen des Kantons 38 Prozent katholisch. Keine andere Glaubensrichtung hat innerhalb der ausländischen Bevölkerungsgruppe einen so hohen Anteil, auch nicht die Konfessionslosen (23 Prozent) oder die Moslems (20 Prozent). Die Reformierten schon gar nicht. Sie profitieren kaum von der Migration. Unter den Zugewanderten finden sie fast keine Mitglieder.

Urs Brosi, Generalsekretär der katholischen Kirche Thurgau.

Urs Brosi, Generalsekretär der katholischen Kirche Thurgau.

Heute machen Portugiesen einen grossen Teil der eingewanderten Katholiken aus, sagt Brosi. Zuvor waren es Italiener und auch Spanier. Die Migration macht aus den Thurgauer Katholiken eine bunte Gesellschaft aus unterschiedlichen Kulturen und zahlreichen Sprachen. In der Thurgauer Dorfkirche wird regelmässig auch polnisch, albanisch oder spanisch gepredigt.

An diesen Messen ist der Altersdurchschnitt der Kirchgänger tiefer als sonst. «Die Zuwanderung beschert uns auch Nachwuchs», sagt Brosi. Davon können die Reformierten nur träumen. Bei ihnen ist die Überalterung der Mitglieder ein grosses Problem.

«In den älteren Generationen gibt es deutlich mehr evangelische Personen als Katholiken»

Das hält die Dienststelle für Statistik fest. Das verstärkt den Trend, dass die Reformierten bald ins Hintertreffen geraten werden.

Eine Million Franken der Landeskirche

Die Migranten sind bei den Katholiken längst zur Sonderaufgabe geworden. Eine Million Franken pro Jahr wendet die Thurgauer Landeskirche für ihre zugewanderten Gemeinschaften auf. Zu den Aufgaben zählen, Missionare zu suchen, die aus aller Welt in den Thurgau kommen, um den zugewanderten Kirchgängern eine Messe in deren Muttersprache anzubieten. Das ist nicht immer einfach.

Brosi weiss: Was lange lächelnd abgetan wurde, ist nun eingetroffen. «Der Priestermangel hat mittlerweile auch Südeuropa erfasst», sagt der Generalsekretär der Katholiken. Und er hat Beispiele dafür: Im Thurgau predigt ein brasilianischer Priester im Gottesdienst der Portugiesen, für die spanische Gemeinschaft ist ein Pfarrer aus Kolumbien zuständig.

Zugewanderte Katholiken sind eher konservativ

Dennoch: Mit den fremdsprachigen Gottesdiensten biete die Kirche den Migranten Raum für Heimatgefühle. Auch darf es gemäss Brosi Platz für spirituelle Besonderheiten haben. Anderseits leistet die Kirche damit auch einen Beitrag an die Integration. «Diese Menschen erleben meist eine kulturelle Veränderung.» Tendenziell bringen die zugewanderten Katholiken eher ein konservatives Kirchenbild mit in den Thurgau.

«Einige erachten unsere freie Gesellschaft als Wertezerfall.»

Die fremdsprachigen Glaubensgemeinschaften setzen sich deshalb auch mit den Auffassungen der hiesigen Gesellschaft auseinander. So werde eine Brücke geschlagen.

Bereits in den 80er Jahren führten die Thurgauer Katholiken das Stimmrecht für Ausländer ein. Wer länger als fünf Jahre in der Schweiz lebt, kann es beantragen. «Eine überschaubare Grösse», sagt Brosi, nehme von diesem Recht Gebrauch. Detaillierte Erhebungen gebe es nicht. Bei der nächsten Revision des Kirchenrechts sollen die Thurgauer Katholiken mit ausländischem Pass das Stimmrecht automatisch erhalten.

Tiefer Ausländeranteil in der reformierten Landeskirche

Bei der evangelischen Landeskirche Thurgau sorgt man sich nicht darum, dass die Katholiken einst die grössere Glaubensgemeinschaft im Kanton stellen könnten. «Wir haben eine gemeinsame Geschichte und gemeinsame Herausforderung», sagt Ernst Ritzi, Kirchenratsaktuar der evangelischen Landeskirche Thurgau. Das Augenmerk gelte vielmehr den Kirchenaustritten.

Ernst Ritzi, Kirchenratsaktuar der evangelischen Landeskirche Thurgau.

Ernst Ritzi, Kirchenratsaktuar der evangelischen Landeskirche Thurgau.

Die Zeiten sind vorbei, in denen die Mitglieder mit aller Selbstverständlichkeit von der Taufe bis zur Beerdigung der Kirche angehörten. Das lässt primär den Anteil der Konfessionslosen ansteigen.

Mehr Moslems als im landesweiten Durchschnitt

Im Jahr 1970 waren gerade mal 0,5 Prozent der Thurgauer konfessionslos. 1990 machten sie 3,7 Prozent aus. Seither steigt ihr Anteil rasant an. Ende 2017 waren es im Thurgau 21,5 Prozent. Das ist noch unter dem landesweiten Schnitt von 26 Prozent. Etwas höher als der Schweizer Durchschnitt ist der Anteil an Moslems. Sie machen 6,5 Prozent der Thurgauer Bevölkerung aus, schweizweit sind es 5,4 Prozent.

Wohl uneinholbar vorne liegen die Reformierten bezüglich Mitgliedern ohne Migrationshintergrund. «Von den Thurgauerinnen und Thurgauern ohne Migrationshintergrund ist die Hälfte evangelisch und etwa 30 Prozent sind katholisch», schreibt die Dienststelle für Statistik. Der Ausländeranteil beträgt in der evangelischen Landeskirche Thurgau nur gerade 6 Prozent. Bei den Thurgauer Katholiken sind es hingegen 29 Prozent.

Merkliste

Hier speichern Sie interessante Artikel, um sie später zu lesen.

  • Legen Sie Ihr persönliches Archiv an.
  • Finden Sie gespeicherte Artikel schnell und einfach.
  • Lesen Sie Ihre Artikel auf allen Geräten.