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Kantonstierarzt Paul Witzig zu toten Katzen in Müllheimer Tiefkühler: «Wir können nicht alle Häuser überwachen»

Bei einer Kontrolle in einem Privathaushalt hat das Veterinäramt 21 tote Katzen in einem Gefrierschrank aufgefunden. Die Tierhalterin ist kein unbeschriebenes Blatt. Warum haben die Behörden nicht früher reagiert?
Samuel Koch
In diesem Haus hat am Donnerstagnachmittag die amtlichen Tierschutzkontrolle stattgefunden. (Bilder: Andrea Stalder)

In diesem Haus hat am Donnerstagnachmittag die amtlichen Tierschutzkontrolle stattgefunden. (Bilder: Andrea Stalder)

Von weitem trügt der Schein. In einem überschaubaren Quartier in Müllheim zeigt sich das Ausmass der Verwahrlosung erst bei näherer Betrachtung. Das Haus wirkt verwaist, rund herum sieht es völlig heruntergekommen aus. Die mannshohen Gehege neben dem Haus zeugen von Tierhaltung, halb verrottete Rüebli liegen am Boden. Vor der Einfahrt liegen haufenweise zertrampelte Robidog-Säckchen. Katzenkistchen links und rechts vor der Eingangstüre, dazwischen eingeklemmt sind Reisig-Zweige von vergangenen Weihnachtstagen.

Ob sich die Tierhalterin zu Hause befindet, weiss niemand. Sie reagiert weder auf das Klingeln noch auf Anrufe auf ihrem Mobiltelefon. Mit ihrer Schwester betreibt sie eine Online-Tiervermittlung. Im Internet sind Dutzende Inserate unter dem Titel «Katzenseelen in Not» zu finden. Am Donnerstagnachmittag nahm ihre Tierhaltung ein abruptes Ende, als ihr die amtliche Tierschutzkontrolle einen Besuch abstattet.

Das kantonale Veterinäramt trifft auf dem Grundstück auf stark verwahrloste und vernachlässigte Tiere unter prekär hygienischen Bedingungen. 35 Haustiere werden beschlagnahmt, medizinisch untersucht und an geeigneten Orten untergebracht. In einem Gefrierschrank finden die Beamten 21 tote Katzen, drei weitere Katzenkadaver liegen in einem Gartenhäuschen, in Plastik verpackt.

Drei Katzentoiletten für 22 Tiere

Die Tierhalterin ist eine «alte Bekannte», wie uns ein Mann erzählt. Den Behörden wirft er Versagen vor. «Man hat einfach weggeschaut», meint er. Denn vor ein paar Jahren habe er selbst mit der betroffenen Frau zu tun gehabt. «Sie wurde mir weiterempfohlen», sagt er. Als er das Anwesen in Müllheim betrat, traf ihn fast der Schlag. Er sagt:

«Ein Teil der Tiere war kurz vor dem Sterben, den 22 Katzen standen nur drei Katzentoiletten zur Verfügung, der Gestank war fürchterlich, es war ein Schock.»

Kurz darauf wandte er sich schriftlich an mehrere Stellen. «Ich habe den Behörden vertraut, dass sie etwas gegen den Missstand unternehmen», sagt er mit emotionaler Stimme.

Der Aussenbereich des Hauses sieht völlig heruntergekommen aus.

Der Aussenbereich des Hauses sieht völlig heruntergekommen aus.

Tatsächlich ist die Frau auch beim kantonalen Veterinäramt kein unbeschriebenes Blatt. So verhängten die Behörden gegen sie schon vor Jahren ein teilweises Tierhalteverbot. Sie durfte nur zwölf Tiere behalten – mit der Auflage, nicht wieder mehr Tiere anzuschaffen. Sobald sie eine Katze erfolgreich vermitteln konnte oder eine starb, hätte sie diese nicht ersetzen dürfen. An das Tierhalteverbot hielt sich die Frau nachweislich nicht.

Drittperson platzierte den Hinweis bei Behörden

Gegen die Vorwürfe zum Schutz der Haustiere zu wenig unternommen zu haben, setzt sich der Thurgauer Kantonstierarzt Paul Witzig zu Wehr. Das kantonale Veterinäramt bekomme so viele Meldungen und könne nicht ständig kontrollieren, ob ein verhängtes Tierhalteverbot tatsächlich eingehalten werde. «Es ist unmöglich, alle Häuser zu überwachen», meint Witzig gegenüber FM1Today.

Paul Witzig, Thurgauer Kantonstierarzt. (Bild: Donato Caspari)

Paul Witzig, Thurgauer Kantonstierarzt. (Bild: Donato Caspari)

Von der Kontrolle sei ihm vor allem aufgefallen, in welch unhygienischen Verhältnissen die Haustiere lebten. «Sie waren teilweise verwahrlost, wild und aggressiv», meint er. Auf die Frage, warum die Behörden nicht schon bei der Kontrolle vor ein paar Jahren ein totales Tierhalteverbot ausgesprochen hätten, ergänzt er:

«Wir haben uns damals entschieden, ihr nochmals eine Chance zu geben.»

Den Katzen, die sie hielt, sei es damals nicht schlecht gegangen, es seien einfach zu viele gewesen.

Die Kontrolle am Donnerstagnachmittag sei aufgrund einer Meldung einer Drittperson erfolgt, erläutert Witzig. «Im Bereich der Heimtierhaltung ist dies der häufigste Grund für eine Kontrolle.» Bei der Nutztierhaltung gebe es gesetzliche Vorschriften über die Häufigkeit von Tierschutzkontrollen. Dass die nun aufgefundenen Tiere womöglich aus Südeuropa stammen, und die Frau diese weitervermitteln wollte, sei grundsätzlich nicht strafbar. Witzig meint:

«Der blühende Handel mit Katzen und Hunden unter dem Deckmantel des Tierschutzes ist immer problematisch.»

Die Tiere seien infolge schlechter Aufzucht oder zu früher Trennung von Elterntieren häufig krank, traumatisiert oder schlecht sozialisiert.

Vor der Eingangstüre herrscht Chaos.

Vor der Eingangstüre herrscht Chaos.

Gegen die Tierhalterin hat das Veterinäramt ein Administrativverfahren wegen des Verstosses gegen das Tierschutzgesetz eingeleitet. «Es hat zum Ziel, einen rechtmässigen Zustand wiederherzustellen», meint Witzig. In welchem Zustand sich die Frau befindet, ist Gegenstand aktueller Ermittlungen. Ob sie je wieder Haustiere halten darf, kann zum jetzigen Zeitpunkt niemand sagen.

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