Covid-19: Thurgauer Kantonsrat will den Vergleich zur Grippe

Kantonsrat Jürg Wiesli will weg vom «Angstszenario» um Corona. Er verlangt nun Zahlen, um die Auswirkungen der aktuellen Pandemie mit einer früheren Grippe vergleichen zu können.

Silvan Meile
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Kantonsrat Jürg Wiesli (SVP) an einer Sitzung des Grossen Rates des Kantons Thurgau.

Kantonsrat Jürg Wiesli (SVP) an einer Sitzung des Grossen Rates des Kantons Thurgau.

Bild: Reto Martin

«Wir müssen weg von der Angstmacherei.» SVP-Kantonsrat Jürg Wiesli aus Dozwil hat zusammen mit Ratskollege Iwan Wüst (EDU, Tuttwil) eine Interpellation zu Covid-19 eingereicht. «Es geht um eine Versachlichung des Themas», sagt Wiesli. Es sei dringend nötig, vom derzeitigen emotionalen Angstszenario zu einem nüchternen Umgang mit analysierbaren Zahlen und Vergleichen zu kommen.

Natürlich sei zu Beginn der Pandemie vieles unbekannt gewesen. Jetzt ist es aber für die Interpellanten Zeit, vom Kanton Zahlen zu erhalten, um Covid-19 in einen Vergleich mit früheren Grippewellen zu setzen. «Wie sehen die Sterblichkeitslisten seit 2015 bis heute aus? Gibt es eine Übersterblichkeit wegen Covid-19?», will Wiesli von der Regierung wissen.

Er steht verschärften Massnahmen im Zusammenhang mit der Pandemie skeptisch gegenüber.

«Bisher konnte uns noch niemand sagen, wie die tatsächlichen Zahlen von Hospitalisierungen von Covid-19-Patienten im Vergleich zu den alljährlichen Grippeerkrankungen sind.»

Ebenso sei unklar, ob alle in diesem Zusammenhang Verstorbenen obduziert worden seien und welche Rolle Vorerkrankungen bei Todesfällen gespielt hätten. «Nach welchen Kriterien wurde festgestellt, ob ein Todesfall auf Covid-19 zurückzuführen ist?» Oder gelte jeder verstorbene Infizierte in der Statistik auch gleich als Covid-Toter?

Auch allfällige Impfpflicht soll zur Sprache kommen

Jürg Wiesli sagt, bei diesem Thema basiere vieles nur auf Vermutungen. Er ist der Meinung, dass auf weiteren Einschränkungen verzichtet werden soll. Vielmehr sollten Risikogruppen besonders geschützt werden. Von einer Maskenpflicht in Läden, wie sie andere Kantone eingeführt haben, hält er wenig.

Wie der Kanton Thurgau derzeit mit der Pandemie umgeht, begrüsse er. «Was unsere Kantonsregierung derzeit macht, finde ich gut.»

30 Parlamentarier haben die Interpellation unterschrieben. Dieses Thema soll im Grossen Rat diskutiert werden. Dabei soll auch das Thema Impfpflicht zur Sprache kommen. «Wie würde der Regierungsrat eine Bewegungsfreiheitseinschränkung und beispielsweise einen generellen Maskenzwang in der Öffentlichkeit für Impfverweigerer beurteilen?»