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Elektromobilität: Kanton Thurgau setzt sich für die Wende ein

Der Regierungsrat will den Elektroautos einen kräftigen Schub verleihen. Als einer der ersten Kantone hat sich der Thurgau auf die Chancen und Risiken der neuen Mobilität vorbereitet.
Larissa Flammer
Die Technischen Betriebe Kreuzlingen besitzen E-Tankstellen, an denen Elektroautos aufgeladen werden können. (Bild: Reto Martin)

Die Technischen Betriebe Kreuzlingen besitzen E-Tankstellen, an denen Elektroautos aufgeladen werden können. (Bild: Reto Martin)

Über 120 Seiten umfasst der Grundlagenbericht «Chancen der Elektromobilität für den Kanton Thurgau». Regierungsrat Walter Schönholzer begründet das so: «Wir wollen bereit sein und uns nicht erst überlegen, was wir machen können, wenn schon alle ein Elektroauto fahren.» Der Energieminister ist überzeugt, dass es plötzlich schnell gehen wird mit den strombetriebenen Fahrzeugen – genau, wie es mit den Smartphones passiert ist. Und der Kanton Thurgau will die Umstellung fördern, auch wenn er nicht selber Ladestationen baut. Er will dafür informieren, Anreize setzen und Vorbild sein.

Regierungsrat Walter Schönholzer. (Bild: PD)

Regierungsrat Walter Schönholzer. (Bild: PD)

Auf Antrag des Grossen Rats hat die Regierung den Grundlagenbericht in Auftrag gegeben, der unter anderem 15 konkrete Massnahmen enthält. Ein Beispiel ist eine zeitlich begrenzte Umstiegsprämie beim Kauf eines Elektrofahrzeuges, wenn gleichzeitig 100 Prozent Ökostrom bezogen oder selber Solarstrom erzeugt wird. Ein weiteres Beispiel sind Vorgaben wie Ladestationen oder zumindest Leerrohre für spätere Ladestationen bei grösseren Neu- und Umbauten im Kanton. Auch der Einsatz von Elektrobussen ist vorgesehen. Mit den vorgeschlagenen Massnahmen können fast 200 Millionen Liter Benzin eingespart werden, wie an einer Medienorientierung am Freitag bekannt wurde. Elektroautos sind nicht nur sauberer, sondern drei bis vier mal effizienter als Benziner. Die wegfallenden Motorengeräusche sorgen zudem für geringeren Verkehrslärm in Städten.

Voraussetzungen sind im Thurgau gegeben

Andrea Paoli, Leiter der kantonalen Abteilung Energie, war beim Grundlagenbericht an vorderster Front mit dabei und wird auch für die Umsetzung der Massnahmen verantwortlich sein. Er sagt:

«Der Thurgau hat eine eher übermobilisierte Bevölkerung.»
Andrea Paoli, Leiter Abteilung Energie

Das Potenzial des abgaslosen Verkehrs sei daher entsprechend gross. Die eher flache Landschaft und die vielen Einfamilienhäuser mit Solarstromanlagen würden beste Voraussetzungen für Elektroautos bieten. Denn auch wenn die mit Schweizer Strommix betriebenen Fahrzeuge schon viel sauberer sind als Benziner, soll hauptsächlich Ökostrom auf die Strasse kommen.

Andrea Paoli, Leiter Abteilung Energie beim Kanton Thurgau. (Bild: PD)

Andrea Paoli, Leiter Abteilung Energie beim Kanton Thurgau. (Bild: PD)

Paolis Worten zufolge wird sich mit der Mobilität auch die Energiewirtschaft im Thurgau verändern. «Elektroautos werden ein Treiber für erneuerbare Energie sein», ist er überzeugt. Die Energiewirtschaft ist aber auch mit den Risiken der Elektromobilität konfrontiert. «Alle werden ihr Auto schnell aufladen wollen, was Lastspitzen verursacht», sagt er. Wichtig werden daher das Speichern des Stroms und Zeitsteuerungen. Der Regierungsrat prüft zudem, ob er ein neues Leistungsziel in die Eigentümerstrategie des EKT aufnehmen will. Damit wäre das Thurgauer Elektrizitätswerk verpflichtet, ein passendes Angebot im Geschäftsfeld der Elektromobilität zu schaffen.

Dass künftig auch Fahrzeuge Strom brauchen, widerspricht dem Ziel der Energiestrategie 2050, nämlich den Stromverbrauch zu reduzieren. Doch zumindest soll der Strom weitgehend im Kanton und ohne Kernenergie produziert werden. Dem Ziel, den CO2-Ausstoss zu reduzieren, würde man mit dem Umstieg auf Elektroautos dafür einen grossen Schritt näherkommen. «Ich bin stolz, dass der Thurgau zu den ersten Kantonen gehört, die Elektromobilität gezielt fördern», sagt Regierungsrat Schönholzer.

Schönholzer hofft auf ­Diskussion im Grossen Rat

Damit der Grundlagenbericht nicht von Idealismus gefärbt ist, hat der Energieminister auch die Kritiker aus der Mobilitätsbranche ins Boot geholt. «Eine hohe Akzeptanz ist mir wichtig.» Der Grundlagenbericht und die Botschaft des Kantons sind am Donnerstag an die Kantonsräte verschickt worden. Die Botschaft stellt auf 13 Seiten eine relevante Zusammenfassung des Berichts dar, wie Schönholzer sagt. Er hofft auf eine ausführliche Diskussion im Grossen Rat, damit mit den Anregungen der Ratsmitglieder danach die einzelnen Projekte umgesetzt werden können. Der Kanton rechnet für die Umsetzung der Massnahmen mit einmaligen Kosten von rund 250'000 Franken und während fünf Jahren wiederkehrend von rund 30'000 Franken. Die Hauptaufwendungen werden vom Energieförderprogramm getragen.

Der Grundlagenbericht geht auf einen Antrag von Kantonsrat Daniel Eugster (FDP, Freidorf) zurück. Im Oktober 2013 haben 117 von 120 Kantonsräten diesem zugestimmt.

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