Kanton schiesst Abschussprämie für Krähen ab

Der Regierungsrat hat einen alten Zopf abgeschnitten: die Abschussprämie für Krähenvogel. Diese hatte fünfzig Jahre Bestand, aber das Ziel der Bestandsreduktion konnte damit offenbar nicht erreicht werden.

Sebastian Keller
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Eine Krähe. (Bild: Fotolia)

Eine Krähe. (Bild: Fotolia)

50 Jahre lang hatte der Tod einer Krähe im Thurgau einen Wert: zwei Franken. Diese Grössenordnung hatte der Thurgauer Regierungsrat am 19. September 1967 bestimmt. Damals legte er mittels Regierungsratsbeschluss eine Abschussprämie für Krähenvögel fest. Auch für den Abschuss von Elstern und Eichelhähern lockten zwei Franken.

Damit ist nun aber Schluss. Im Zuge der Revision des Jagdgesetzes hat der Regierungsrat den angejahrten Beschluss aufgehoben. Es ist anzunehmen, dass die wenigsten Regierungsmitglieder vorher Kenntnis von der Abschussprämie hatten. Auch Stephan Felber ging es so, wie der Generalsekretär des Departementes für Justiz und Sicherheit sagt: «Und ich arbeite schon eine Weile auf der Kantonsverwaltung.»

Vorgeschlagen hat die Abschaffung der Abschussprämie Roman Kistler, Chef der Jagd- und Fischereiverwaltung. Beschlossen hat ihn der Regierungsrat. «Per sofort», sagt Felber.

Bestand konnte nirgends stark dezimiert werden

Wie im Protokoll über die Aufhebung zu lesen ist, stammt die Abschussprämie aus einer Zeit, in der Rabenvögel als Schädlinge eingestuft und aktiv bekämpft wurden. Die damalige Meinung lautete: «Mit verstärkten Abschüssen die Bestände reduzieren zu können.»

Dies gilt als überholt. «Diese Bekämpfungsstrategie ist nicht mehr zeitgemäss», ist im Protokoll zu lesen. Heute sei bekannt, dass die Bejagung von Krähenvögeln nur einen geringen Einfluss auf die Bestände hat. Das sieht auch die Vogelwarte Sempach so: «Trotz aller Nachstellungen konnte der Bestand nirgends stark dezimiert werden», heisst es auf deren Webseite.

Pro Jahr wurden 400 bis 500 Franken ausbezahlt

Einen weiteren Grund, der laut Protokoll für die Aufhebung spricht, ist die «bisherige Entschädigungspraxis». Die Kosten des personellen Aufwandes für die Abwicklung der Entschädigung übersteigen die Höhe der ausbezahlten Abschussprämien. Von circa 400 bis 500 Franken pro Jahr ist die Rede. Die Prämien seien «volkswirtschaftlich nicht mehr zu rechtfertigen», heisst es denn auch.

Die Praxis funktionierte wie folgt: Schützen mussten die Füsse der geschossenen Vögel – jägersprachlich Ständer genannt – bei einem Polizeiposten vorweisen und abgeben. Die Überweisung der zustehenden Abschussprämie übernahm sodann die Jagd- und Fischereiverwaltung.

Krähen können auch nützlich sein

Als Friedensangebot ist die Abschaffung der Abschussprämie aber nicht zu lesen. So ist dem Protokoll zu entnehmen, dass «beim Abschuss von einzelnen Krähenvögeln die Zielsetzung der Vertreibung zur Entlastung von Schadenflächen im Vordergrund» stehe.

Wieso der Krähe auch trotz Abschussprämien und anderen Massnahmen nicht beizukommen ist, erfährt man auf der Webseite der Vogelwarte Sempach: Die Anpassungs- und Lernfähigkeit wird als ihr Erfolgsrezept angegeben. Bei der Nahrung sind diese Vögel nicht heikel: Sie sind Allesfresser. Die Vogelwarte verhehlt nicht, dass gewisse Vögel an landwirtschaftlichen Kulturen Schäden anrichten können. Doch die Krähen seien eben auch «sehr nützlich»: Sie vertilgen gerade zur Brutzeit zahllose Mäuse und Schnecken. Und das seit jeher ohne Prämie.