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Der Kanton Thurgau gibt den Vereinen Nachhilfe

Das Departement für Erziehung und Kultur veranstaltet Schnellkurse in Vereinsführung. Denn ein Verein funktioniert nur mit kompetenten Vorstandsmitgliedern gut, sagt der Chef des Sportamts, Martin Leemann.
Interview: Thomas Wunderlin
Im Thurgau bringt man problemlos ehrenamtliche Helfer in grosser Zahl zusammen: Schwingfest Lengwil, 29. April 2018. (Bild: Reto Martin)

Im Thurgau bringt man problemlos ehrenamtliche Helfer in grosser Zahl zusammen: Schwingfest Lengwil, 29. April 2018. (Bild: Reto Martin)

Nur schon die Gestaltung einer ansprechenden Website stellt eine Herausforderung dar, die nicht jeder Vereinsmeier besteht. Vereine brauchen heutzutage oft professionelle Kenntnisse. Das kantonale Departement für Erziehung und Kultur (DEK) hilft den Vereinsvorständen deshalb auf die Sprünge.

In Zusammenarbeit mit dem Gewerblichen Bildungszentrum Weinfelden und der Fachstelle für Freiwilligenarbeit organisiert es vier Workshops unter dem Titel Vereinsschmiede. Die Teilnahme kostet 50 Franken pro Person und Veranstaltung. Mitverantwortlich für das neue Angebot ist Martin Leemann, Leiter des kantonalen Sportamts.

Martin Leemann. (Bild: Archiv)

Martin Leemann. (Bild: Archiv)

Martin Leemann, sind Sie Mitglied eines Vereins?

Früher war ich Mitglied von mehreren Sport- und Musikvereinen. Heute bin ich bei zwei Sportvereinen dabei, Leichtathletik Amriswil und LC Brühl, aber leider nicht mehr aktiv, da mir momentan die Zeit dafür fehlt.

Wie geht es den Thurgauer Vereinen?

Den Sportvereinen geht es grundsätzlich gut. Ich kann nicht für die Kultur reden. Beim Workshop Vereinsschmiede handelt es sich um ein Gemeinschaftsprojekt, bei dem das Sportamt zum ersten Mal mit dem Kulturamt und Benevol zusammenarbeitet.

Wozu brauchen gut gehende Vereine eine Förderung?

Auch für sie kann ein Input hilfreich sein. Wenn ein Verein beispielsweise feststellt, dass er sich bei der Kommunikation verbessern kann, schickt er jemanden in das Modul Medien. Sei es in Musik oder im Sport, ein Verein funktioniert vor allem dann gut, wenn der Vorstand engagiert und kompetent ist. Bei den Kursen geht es immer auch darum, ein Netzwerk aufzubauen; man lernt Leute kennen.

Der Kanton Thurgau bietet einen Workshop für Vereinsvorstände an. Ist diese Form der Vereinsförderung neu?

Im Sport gibt es schon seit mehreren Jahren ein Impulsweekend. Dieses Jahr führen wir es zusammen mit dem Zürcher Kantonalverband für Sport durch. Die Vereinsschmiede kommt oben drauf. Die Idee dahinter ist, dass alle dieselben Probleme haben, seien es Sport-, Theater- oder Musikvereine.

Gehen die Leute heutzutage immer noch in Vereine?

Ich denke schon. Das ist eine Stärke des Kantons Thurgau. Ich sehe es im Sportamt. Wir haben viele engagierte Leute, die bereit sind, ehrenamtlich etwas zu tun. Vergangenes Jahr hatten wir drei kantonale Feste, das Turnfest, das Schützenfest und das Schwingfest. Wie viele Leute es da braucht, die ehrenamtlich arbeiten – das ist gewaltig. Im Thurgau ist es anscheinend einfach, die Leute zusammenzubringen, die bereit sind, ihre Freizeit dafür zu opfern.

Welche sind die grössten Defizite der Vereine?

Das sehen Sie an unserer Ausschreibung. Wir bieten vier Module an: Sponsoring, Medienkommunikation, Mitgliedergewinnung, Vereinsversammlung 2.0. Das sind die entscheidenden Punkte. Wie kommt man zu Geld? Wie kommuniziert man, um an Junge heranzukommen? Da sind soziale Medien wichtig, die auch bei der Mitgliedergewinnung eingesetzt werden müssen. Wie kann ein überalterter Verein Junge gewinnen? Traditionelle Mitgliederversammlungen können abschrecken.

Konkurrenz zum Sportverein: Pumptrack in Frauenfeld. (Bild: Reto Martin)

Konkurrenz zum Sportverein: Pumptrack in Frauenfeld. (Bild: Reto Martin)

Wie kann ein Verein neue Mitglieder gewinnen?

Indem er die Jungen anspricht, sich modern und attraktiv präsentiert und ein gutes Angebot hat. Im Sport gibt es heute ein unglaublich grosses Angebot. Es gibt viele Möglichkeiten, sich individuell zu betätigen, beispielsweise in einem Fitnessklub oder in öffentlichen Anlagen wie einem Pump-Track. Da kann man hingehen, wann immer es einem passt, nicht nur am Donnerstagabend. Ein Verein hat aber Vorzüge im zwischenmenschlichen Bereich, man lernt viel fürs Leben. Ein Verein muss aber mit der Zeit gehen und sich gesellschaftlichen Veränderungen anpassen.

Was stösst Junge ab?

Wenn alles so altbacken ist, von der Website über den Newsletter bis hin zur Mitgliederversammlung. Für Jugendliche muss vor allem das Angebot stimmen. Wenn ein Verein über junge, motivierte Leiter verfügt, dann kommen die Jungen. Im Thurgau funktioniert es gut.

Wir sind mobiler als vor einigen Jahrzehnten, es gibt mehr Einwanderer. Tragen Vereine zur Integration bei?

Ja, ich denke schon. Zum Beispiel spielen in den Fussballvereinen Kinder verschiedener Nationalität zusammen.

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