Kanton der Neuzuzüger: Die Thurgauer Bevölkerung wächst wieder stärker

278727 Thurgauer: In den meisten Gemeinden ist 2019 die Einwohnerzahl gegenüber dem Vorjahr angestiegen.

Silvan Meile
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Der Thurgau wächst wieder etwas schneller als in den beiden Vorjahren. Im vergangenen Jahr nahm seine Bevölkerung gegenüber 2018 um 1,2 Prozent zu. «Ende 2019 wohnten im Kanton Thurgau 278727 Menschen», schreibt die kantonale Dienststelle für Statistik. Das sind 3200 Thurgauer mehr als noch im Vorjahr. «Das Wachstum ist grundsätzlich breit gestreut über den ganzen Kanton», sagt Ulrike Baldenweg, Leiterin der Thurgauer Dienststelle für Statistik. Einige Aspekte aus den aktuellen statistischen Zahlen:

Der Bezirk Arbon ist Spitzenreiter

Kantonsstatistikerin  Ulrike Baldenweg.

Kantonsstatistikerin  Ulrike Baldenweg.

Bild: Donato Caspari

Der Bezirk Arbon begrüsste im vergangenen Jahr die meisten Neuzuzüger. Dadurch wuchs die Bevölkerung im Oberthurgau um 1,5 Prozent. Unter anderem die Gemeinden Horn, Amriswil und Arbon waren die Wachstumstreiber. Der Bezirk Kreuzlingen wuchs um 1,4 Prozent, wobei vor allem die Nachbargemeinden von Kreuzlingen ein hohes Wachstumstempo aufweisen. Baldenweg sagt:

«Diese Zunahmen der Bevölkerung sind auch immer ein Spiegelbild der Bautätigkeit» 

In der Region Frauenfeld nahm die Bevölkerung um 1,2 Prozent zu. Das tiefste Wachstum weisen für das vergangene Jahr die Bezirke Weinfelden (1 Prozent) und Münchwilen (0,7 Prozent) auf.

Die Gemeinde Horn wächst am meisten

Die Gemeinde Horn schwingt oben aus der Wachstumsstatistik heraus. Ihre Bevölkerung hat sich im vergangenen Jahr um 5,5 Prozent vergrössert. Besonders stark haben auch Eschenz (5,3 Prozent) und Bussnang (4,7 Prozent) an Einwohner zugelegt. Bei den absoluten Zahlen führt die Stadt Amriswil. Dort stieg die Einwohnerzahl um 280 Personen, gefolgt von Kreuzlingen (200) und Arbon (180).

Landgemeinden weisen Abwanderung auf

Nicht überall wächst die Bevölkerung. In 17 der 80 Thurgauer Gemeinden nahmen die Bevölkerungszahlen gegenüber 2018 ab. In Schönholzerswilen um 2,8 Prozent, gefolgt von Gottlieben (-1,8 Prozent), Langrickenbach und Dotzwil (je -1,6 Prozent) und Bettwiesen (-1,5 Prozent). Dies seien jedoch nur Momentaufnahmen, betont Ulrike Baldenweg. «Da muss man aufpassen.» In diesen kleinen Gemeinden könne die Statistik nach wenigen Monaten ein ganz anderes Bild zeigen.

Die Thurgauer Bevölkerung altert weiter

Das Durchschnittsalter der Thurgauer bewegt sich laufend nach oben. In Berlingen ist der Anteil an älteren Menschen am höchsten. 30 Prozent der Berlinger feierten bereits ihren 65. Geburtstag. Auffallend viele Seegemeinden haben einen hohen Altersdurchschnitt in ihrer Bevölkerung. Auch in Steckborn, Bottighofen, Kesswil, Gottlieben und Horn liegt ihr Anteil bei 23 Prozent oder mehr. Die Zuwanderung federt diese Tendenz leicht ab.

95 Prozent der Ausländer kommen aus Europa

Die mit Abstand grösste Ausländergruppe stellen die Deutschen mit rund 23100 Personen. Längst haben sie die Italiener (9500 Personen) überholt. Angestiegen ist 2019 auch die Anzahl Personen aus osteuropäischen Ländern: Polen +210 Personen, Ungarn +200, Rumänien +170 und Slowakei +160. Ende 2019 lebten rund 69400 ausländische Staatsangehörige im Thurgau. Insgesamt beläuft sich ihr Anteil im Thurgau auf 24,9 Prozent. Schweizweit liegt dieser Wert bei 25,1 Prozent.

Das Bevölkerungswachstum schwächt ab

«Im Thurgau wird das Wachstum im schweizweiten Vergleich wohl überdurchschnittlich bleiben», sagt Baldenweg. Doch es dürfte sich bei rund einem Prozent einpendeln. In einem Zeithorizont von 20 bis 30 Jahren werde sich das Bevölkerungswachstum wohl noch mehr abschwächen. Dafür gibt es zahlreiche Faktoren. Solche dürften etwa die Folgen der demografischen Entwicklung aber auch der angestrebte haushälterische Umgang mit Bauland sein.

BEVÖLKERUNG: Der Thurgau wächst weniger schnell

Der Thurgau ist zwar immer noch ein Wachstumskanton. Doch die neusten Zahlen zeigen, dass die Wohnbevölkerung im vergangenen Jahr nur um 1,1 Prozent zugenommen hat. Der Grund liegt im geringeren Zustrom von Ausländern.