Kaffeehausdiplomatie in der Thurgauer Hauptstadt

Im Frauenfelder Café Hirt trafen sich Botschafter aus der Ostschweiz mit der Bevölkerung

Stefan Hilzinger
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Drei Thurgauer im Diplomatischen Dienst: Pascale Schmid, Botschafter Philipp Stalder und Regula Kurzbein am Dienstag auf Besuch in Frauenfeld. (Bild: Stefan Hilzinger)

Drei Thurgauer im Diplomatischen Dienst: Pascale Schmid, Botschafter Philipp Stalder und Regula Kurzbein am Dienstag auf Besuch in Frauenfeld. (Bild: Stefan Hilzinger)

Die Begrüssung ist ganz undiplomatisch: ein Schulterklopfer, dazu ein dahingeworfenes «Schön, Dich mal bei der Arbeit zu sehen». Niklaus Briner, Geschäftsführer der Frauenfelder Baufirma Herzog, ist rasch im Gespräch mit seinem einstigen Schulkollegen von der Kanti Frauenfeld. Philipp Stalder, aufgewachsen in Matzingen, ist derzeit Schweizer Botschafter für die drei westafrikanischen Staaten Ghana, Benin und Togo.

Sein Arbeitsort ist Ghanas Hauptstadt Accra. Doch diese Woche weilte Stalder im Thurgau. Anlass für den Besuch der alten Heimat ist die Aktion «Meet the Ambassadors» des Aussendepartements EDA.
«Nächste Woche findet in Bern die jährliche Botschafterkonferenz statt», erklärt Stalder – und im Vorfeld dieses Zusammenzugs der helvetischen Vertreter im Ausland suchen diese nun in ihrer Heimat den Kontakt mit der Bevölkerung.

Da es am späten Dienstagnachmittag wie aus Kübeln giesst, findet das Tête-à-Tête im Café-Restaurant Hirt statt und nicht auf dem Bahnhofplatz. Dorthin ist die Delegation mit einem historischen Postauto angereist. «Es ist ein Berna, kein Saurer», sagt der Chauffeur beim Vorbeigehen.

Familie, Freunde und Bekannte schauen vorbei

Nicht nur Schulkollegen wollen mit dem Botschafter auf Tuchfühlung gehen, sondern auch Verwandte, Bekannte und Freunde. So ergreift etwa Hansjörg Enz die Gunst des Moments, um sich mit Philipp Stadler auszutauschen. Der frühere Tageschau-Moderator aus Frauenfeld engagiert sich seit Jahren für Projekte in Afrika. Regierungspräsident Jakob Stark macht der Delegation ebenfalls seine Aufwartung. Das Servicepersonal reicht Speis und Trank. Botschafter Stalder sagt:

«Wir wollen der Bevölkerung unsere Arbeit näherbringen.»

Als Botschafter vertrete er die Interessen der Schweiz in den jeweiligen Ländern, sowohl die politischen als auch die wirtschaftlichen. Ghana sei seit längerem ein Schwerpunktland der Schweizer Entwicklungszusammenarbeit. Besonders aktuell sei derzeit im Zusammenhang mit der Klimapolitik das Thema Handel mit CO2-Zertifikaten. Unter den Gästen im «Hirt» ist auch Botschafterin Siri Walt. Die gebürtige Rheintalerin leitet die Abteilung Subsahara und Frankophonie im EDA. Vormittags war Botschafter Stalder an der Kanti Frauenfeld zu Gast, wo er Schülerinnen und Schülern von seiner Arbeit erzählte. Über Mittag gab’s einen Lunch mit der St. Galler Kantonsregierung.

Auch die beiden angehenden Diplomatinnen Pascale Schmid aus Kreuzlingen und Regula Kurzbein aus Felben-Wellhausen sind mit dabei in Frauenfeld. Pascale Schmid absolviert aktuell ein Stage im Koordinationsteam Osteuropa und Zentralasien in Bern. Regula Kurzbein ist als «Diplomatic Officer» im Bereich internationale Steuerpolitik tätig. Mehrere hundert Hochschulabgänger wollen jährlich in den Diplomatischen Dienst der Schweiz treten. Kaum ein Dutzend hat das Glück, aufgenommen zu werden. Ob es Schmid oder Kurzbein je auf einen Botschafterposten im Ausland schaffen, wissen sie nicht. Sie sagen:

«Eine Karriere als Botschafter lässt sich nicht planen.»

«Es ist dankbar, ein Land wie die Schweiz im Ausland vertreten zu können», sagt Philipp Stalder. Er sei dazu da, Türen zu öffnen und Kontakte herzustellen. Die Zeit dazu am jeweiligen Einsatzort ist begrenzt, denn alle vier Jahre wechseln die Botschafter ihre Stelle. «Zum Glück machen meine Frau und unsere drei Töchter das mit.»