«Käferholz» für Ergänzungsbau der Thurgauer Kantonsverwaltung

Am 17. Mai 2020 soll das Thurgauer Stimmvolk über einen Kredit für einen Ergänzungsbau zum Regierungsgebäude in Frauenfeld entscheiden. Geplant ist ein viergeschossiger Holzbau mit Tiefgarage.

Sebastian Keller
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Blick auf den geplanten Ergänzungsbau – links das bestehende Regierungsgebäudes. (Visualisierung: PD/Gäumann Lüdi von der Ropp Architekten SIA)

Blick auf den geplanten Ergänzungsbau – links das bestehende Regierungsgebäudes. (Visualisierung: PD/Gäumann Lüdi von der Ropp Architekten SIA)

Der Regierungsrat will mehr Kantonsangestellte unter ein Dach bringen. Denn: Aktuell sind die rund 1600 Arbeitsplätze in der Kantonshauptstadt auf 43 Standorte verteilt; 25 davon sind Mietobjekte. «Es ist unbestritten, dass die räumliche Trennung zahlreicher Verwaltungseinheiten aus betrieblicher Sicht alles andere als ideal ist.» Das schreibt die Regierung in der am Freitag veröffentlichten Botschaft für einen Neubau.

Zudem sieht die Immobilienstrategie vor, dass der Kanton seinen Raumbedarf wenn immer möglich mit eigenen Liegenschaften abdecken soll. Auch vor dem Hintergrund steigender Mietpreise.

Deshalb plant die Exekutive hinter dem Regierungsgebäude einen neuen Bürobau. Dieser soll Platz für rund 300 Arbeitsplätze bieten. Kostenpunkt: 39,8 Millionen Franken – inklusive Tiefgarage (siehe Kasten).

Tiefgarage mit 215 Parkplätzen geplant – ein Teil für die Öffentlichkeit

(seb.) Heute befinden sich rund 100 Parkplätze auf dem Areal, auf dem der Ergänzungsbau geplant ist. Als Ersatz soll eine Tiefgarage mit 215 Plätzen – inklusive vier Smart-Plätzen – erstellt werden. Die Tiefgarage alleine dürfte 8 Millionen Franken kosten. Die Plätze sollen Mitarbeitern, Besuchern und der Öffentlichkeit dienen. Die Zu- und Wegfahrt soll über die Staubegg­strasse erfolgen. Pro Parkplatz wird mit einem kalkulatorischen Jahreszins von 1309 Franken gerechnet. «Die Tiefgarage kann aus heutiger Sicht wirtschaftlich betrieben werden», heisst es in der regierungsrätlichen Botschaft. «Die Stadt Frauenfeld hat sich positiv zur geplanten Tiefgarage geäussert.» Sie bekunde Interesse an rund 50 Plätzen. Dafür könnte sie einen Beitrag von 1,75 Millionen Franken leisten. 

Pro Kubikmeter werden mit 735 Franken Baukosten gerechnet. Damit sei das geplante Bürogebäude im Vergleich mit «ähnlichen Holzbauten günstig». So schlug der Neubau des BBZ Arenenberg mit 936 Franken pro Kubikmeter zu Buche. Mit dem Neubau verspricht sich der Regierungsrat Sparpotenzial: Kann der Kanton Mietverträge kündigen, dürfte er mittelfristig über 630000 Franken jährlich einsparen.

Das «Regierungsviertel» wächst

Der Neubau kommt im «Regierungsviertel» zu stehen. Markante Bauten dieses Hauptstadtviertels sind das Regierungsgebäude, die Kantonsbibliothek und das Staatsarchiv. Besonders mit dem Regierungsgebäude soll der Neubau interagieren: «Die zeitgemässe Erscheinung komplettiert das repräsentative Regierungsgebäude stimmig», heisst es dazu in der Botschaft.

Geplant ist ein «viergeschossiger urbaner Holzbau»; die beiden Treppenhäuser sind als Stahlbetonkonstruktion konzipiert. Das Holz soll vollständig aus dem Staatswald stammen. Auch «Käferholz», das auf dem Holzmarkt sonst nur schwer verkäuflich sei, soll verbaut werden. Als erstes kantonales Gebäude überhaupt dürfte der Neubau nach dem Standard nachhaltiges Bauen Schweiz erstellt werden. Dieser verlangt etwa, dass primär «wiederverwend- und reproduzierbare Materialien verwendet» werden.

Als Nächstes beugt sich der Grosse Rat über das Kreditbegehren. Das letzte Wort hat das Volk. Dieses stimmt voraussichtlich in einem Jahr – am 17. Mai 2020 – über die Vorlage ab. Bei einem Ja dürften die Bagger 2021 auffahren. Drei Jahre später dürften die Kantonsmitarbeiter 2024 ihren neuen Arbeitsplatz beziehen. Bei den 39,8 Millionen Franken handelt es sich um eine Schätzung, die laut Botschaft einen Genauigkeitsgrad von +/-15 Prozent aufweist.

Neubau für Verwaltung geplant

Hinter dem Regierungsgebäude soll ein Erweiterungsbau für die Kantonsverwaltung entstehen. Die Kosten liegen bei 40 bis 50 Millionen Franken. Der Kanton würde im Gegenzug Mietkosten sparen.
Christof Widmer