Justiz
Nach blutigen Unfällen auf «Summerslide»-Rutsche in Steckborn: Staatsanwaltschaft stellt das Strafverfahren gegen den Gesamtprojektleiter ein

Über zwei Jahre nach den teils folgenschweren Unfällen auf der «Summerslide»-Wasserrutsche in Steckborn hat die Thurgauer Staatsanwaltschaft das Verfahren gegen den Betreiber abgeschlossen. Dem Beschuldigten seien keine Vorwürfe zu machen.

Samuel Koch
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Nach mehreren Unfällen sperrte die Polizei die Summerslide-Rutsche im Steckborner Feldbach.

Nach mehreren Unfällen sperrte die Polizei die Summerslide-Rutsche im Steckborner Feldbach.

Bild: Reto Martin (Steckborn,
4. August 2018)

An waghalsige Sprünge ins kühle Nass mag derzeit kaum jemand denken. Die Wassertemperatur im Untersee bei Steckborn beträgt derzeit noch maximal zehn Grad Celsius. Trotzdem erhitzt die Vorstellung eines spektakulären Sprungs in den Untersee derzeit wieder die Gemüter.

Erinnerungen an den Besuch der 15 Meter hohen und 26 Meter langen «Summerslide»-Wasserrutsche im Steckborner Feldbach im August 2018 werden wach, als nach mehreren Unfällen unter anderem wegen Schädelhirntraumata, Rippenbrüchen oder blutigem Husten mehrere Anzeigen wegen fahrlässiger Körperverletzung bei der Thurgauer Staatsanwaltschaft eingegangen waren.

Gesamtprojektleiter hat erforderliche Sorgfaltspflichten wahrgenommen

Jetzt hat die Staatsanwaltschaft das Verfahren abgeschlossen, wie sie am Donnerstagnachmittag mitteilt. In der druckfrischen Mitteilung heisst es:

«Die umfassende Strafuntersuchung zeigte, dass der Gesamtprojektleiter als Verantwortlicher des Anlasses die erforderlichen Sorgfaltspflichten wahrgenommen hat, um Verletzungen von Personen möglichst zu vermeiden.»
Marco Breu, Mediensprecher der Staatsanwaltschaft Thurgau.

Marco Breu, Mediensprecher der Staatsanwaltschaft Thurgau.

Bild: Andrea Stalder

Die Untersuchungen der Staatsanwaltschaft Kreuzlingen und der Kantonspolizei Thurgau hätten gezeigt, dass die Veranstalterin im Vorfeld des Events die erforderlichen Massnahmen getroffen hatte, um eine möglichst sichere Benutzung der Wasserrutsche zu gewährleisten. So sei die Planung, die Herstellung der Bauteile, der Aufbau der Rutschen und deren Abnahme geprüft worden.

Es sei abgeklärt worden, ob die Mitarbeitenden ausreichend instruiert und die Teilnehmer korrekt eingewiesen worden waren. Die Justizbehörden haben die Sicherheitsvorkehrungen, die Warnhinweise und die medizinische Erstversorgung vor Ort untersucht. Zudem seien die gefilmten Sprünge analysiert worden, heisst es in der Mitteilung weiter.

Strafrechtlich sind dem Gesamtprojektleiter keine Vorwürfe zu machen. Deshalb stellt die Staatsanwaltschaft jetzt die Strafuntersuchung ein, wie Marco Breu, Mediensprecher der Thurgauer Staatsanwaltschaft mitteilt.

Verzögerungen wegen Umweg über Bellinzona

Im August noch musste die Staatsanwaltschaft das Verfahren wegen einer personellen Rochade umteilen. Zuvor verzögerte sich die Bearbeitung des Falls monatelang, weil sich die Justizbehörden der Kantone Thurgau und Waadt um die Zuständigkeit stritten. Grund dafür war ein ähnlicher Vorfall im Sommer 2017 in Pully am Genfersee mit demselben Veranstalter, als sich rund 80 Personen Verletzungen zugezogen hatten und die Behörden in der Waadt ebenfalls ein Verfahren eröffneten.

Schliesslich beendete das Bundesstrafgericht in Bellinzona im November 2019 den Rechtsstreit, indem es den Ball zum Torschuss definitiv an die Thurgauer Staatsanwaltschaft spielte.