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«Die Stadt kann ein wichtiges Zeichen setzen»: Jungpolitiker fordern Klimanotstand in der Stadt Frauenfeld

Ein parteiübergreifendes Komitee sammelt Unterschriften, damit die Stadt Farbe bekennt und sich gegen den Klimawandel einsetzt. Sie sei in der Pflicht, sich für den Klimaschutz einzusetzen und die Bevölkerung besser zu informieren. Am Freitag erfolgt der Startschuss beim ersten offiziellen Klimastreik im Kanton Thurgau.
Samuel Koch
Das Petitionskomitee «Klimanotstand Frauenfeld»: Simon Vogel, Lorenz Weber, Remo Wolfensberger, Raphael Zingg, Sarah Lüthold, Salome Scheiben, Marco Kern und Irina Meyer. (Bilder: PD)

Das Petitionskomitee «Klimanotstand Frauenfeld»: Simon Vogel, Lorenz Weber, Remo Wolfensberger, Raphael Zingg, Sarah Lüthold, Salome Scheiben, Marco Kern und Irina Meyer. (Bilder: PD)

Mit schrillenden Alarmglocken erfasst die Klima-Bewegung Frauenfeld. Nebst dem angekündigten Klimastreik am kommenden Freitag hat sich jetzt ein Komitee gegründet, das vom Frauenfelder Stadtrat nicht weniger als den sofortigen Ausruf des Klimanotstands verlangt. «Es ist Zeit zu handeln», sagt Simon Vogel. Deshalb startet er mit GLP-Gemeinderätin Irina Meyer nun mit dem parteiübergreifenden Komitee «Klimanotstand Frauenfeld» eine Unterschriftensammlung für eine Petition.

Irina Meyer, Gemeinderätin GLP und Co-Initiantin «Klimanotstand Frauenfeld».

Irina Meyer, Gemeinderätin GLP und Co-Initiantin «Klimanotstand Frauenfeld».

Ziel sei es zu schauen, wie verankert die Klimathematik in der Frauenfelder Bevölkerung sei. «Deshalb haben wir uns auch bewusst nicht für Vorstösse im Gemeinderat entschieden», obwohl mit Meyer und Salome Scheiben (CH) zwei Stadtparlamentarierinnen im Komitee mitarbeiten. Vogel präsidiert die Jungen Grünen Thurgau und stellt sich am 31. März selbst zur Wahl in den Gemeinderat. Im Gegensatz zu einem Postulat im Stadtparlament soll mit der Unterschriftensammlung die breite Bevölkerung angesprochen werden. Irina Meyer sagt:

«Mit der Petition geben wir allen Einwohnerinnen und Einwohnern Frauenfelds eine Stimme, nicht nur den Stimmberechtigten.»

Dass das Komitee genau jetzt auf den Zug der Klimastreikenden aufspringt und diesen gar als Wahlkampfpropaganda nutzt, lässt Vogel nicht gelten: «Den Zeitpunkt der weltweiten Klimabewegung haben nicht wir gewählt.» Vielmehr sieht er die Stadt in der Pflicht, «endlich etwas dagegen zu tun und im Kampf gegen den Klimawandel Farbe zu bekennen».

Infos, um ökologischen Fussabdruck zu verkleinern

Im Detail fordert das Komitee, dass der Stadtrat nebst dem Ausrufen des Notstandes auch den Klimawandel eindämmt und den Klimaschutz prioritär einstuft. Vogel moniert:

«Gerade punkto Verkehrsplanung mit zentrumsnaher Stadtentlastung oder möglichem Parkhaus bei der Badi schlägt die Stadt den falschen Weg ein.»

Simon Vogel, Co-Initiant «Klimanotstand Frauenfeld».

Simon Vogel, Co-Initiant «Klimanotstand Frauenfeld».

Luft nach oben sehen er und Meyer ebenso beim Bau von Heizungen mit fossilen Brennstoffen beim Thema Raumplanung oder beim Stellenwert des Langsamverkehrs. Ausserdem müsse die Stadt die Bevölkerung besser informieren, weil viele oft nicht wüssten, wie sie ihren ökologischen Fussabdruck verkleinern können.

«Es kann nicht sein, dass der Schutz der Umwelt allein durch Eigenverantwortung und von Einzelpersonen erreicht wird», sagt Meyer. Gegensteuer bedürfe es nicht nur auf internationaler und nationaler, sondern eben auch auf kommunaler Ebene. So haben zuletzt der Grosse Rat in Basel und der Einwohnerrat in Liestal mit deutlicher Mehrheit den Klimanotstand ausgerufen, wie die «Basler Zeitung» schreibt. «Das fordern wir auch von einer fortschrittlichen Stadt wie Frauenfeld», meint Simon Vogel.

Warnung, dass nicht nur Junge Verantwortung tragen

Persönlich setzen die Komiteemitglieder ebenfalls den ökologischen Hebel an. «Es braucht selbst bei der jungen Bevölkerung ein Umdenken», meint Vogel, der gleichzeitig davor warnt, den Jungen die ganze Verantwortung zu übertragen. Er selbst fliegt seit Jahren nicht mehr, ernährt sich grösstenteils vegan und bezieht überwiegend Solarstrom.

Aber er gibt auch zu, dass er etwa noch zu bequem sei, um seine Plastikabfälle mit dem Velo bis ins Entsorgungszentrum RAZ im Juch zu transportieren. «Genau da braucht es eben auch die richtigen Rahmenbedingungen der Stadt», meint Vogel. Irina Meyer ergänzt:

«Es braucht ein Bewusstsein dafür, was man wirklich zum Leben braucht.»

Dass Frauenfeld erst vergangene Woche als einzige Thurgauer Stadt vom Regierungsrat erneut mit dem Energie-Gold-Label ausgezeichnet worden ist, wissen die beiden Initianten. Sie relativieren unisono:

«Die Stadt macht vieles richtig und gut, aber sie kann jetzt mit dem Klimanotstand auch ein wichtiges Zeichen setzen.»

Deshalb sollen nun innert eines Monats mindestens 1000 Unterschriften zusammenkommen. «Wir starten die Petition am Klimastreik vom Freitag», sagen sie. Zudem sammeln die Komitee-Mitglieder weitere Unterschriften auf der Strasse. Sobald die Petition bei der Stadtkanzlei eingereicht ist, hat der Stadtrat diese laut Gemeindeordnung zu prüfen und innert sechs Monaten dazu Stellung zu nehmen.

Hinweis
Diesen Fr, 15. März, findet in Frauenfeld der erste offizielle Klimastreik im Thurgau statt. Der Streik beginnt um 13 Uhr im Lindenpark.

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