Vielen Dank für Ihre Registrierung. Sie haben jetzt den Aktivierungslink für Ihr Benutzerkonto per E-Mail erhalten.

Vielen Dank für Ihre Anmeldung.

Ihr Konto ist aktiviert. Wir wünschen Ihnen viel Lesevergnügen.

Vielen Dank für Ihre Bestellung. Wir wünschen Ihnen viel Lesevergnügen.

Was die Frauenfelder Buchhändlerin Marianne Sax in der Jury des Deutschen Buchpreises 2018 erlebt hat

Wenn man 55 Jahre alt sei, dürfe man gewisse Sachen sagen, meint Marianne Sax. Sie ist glücklich ob Inger-Maria Mahlke als Deutsche Buchpreisträgerin 2018, die auf Sax' Einladung im Bodmanhaus in Gottlieben lesen wird.
Mathias Frei
Umtrunk in einer Frankfurter Hotelbar nach der entscheidenden Sitzung: die Jurymitglieder Paul Jandl, Tanja Graf, Uwe Kalkowski, Marianne Sax, Christine Lötscher, Christoph Bartmann und Luzia Braun. (Bild: PD)

Umtrunk in einer Frankfurter Hotelbar nach der entscheidenden Sitzung: die Jurymitglieder Paul Jandl, Tanja Graf, Uwe Kalkowski, Marianne Sax, Christine Lötscher, Christoph Bartmann und Luzia Braun. (Bild: PD)

Jetzt hat Marianne Sax eine saubere Wohnung und viel Konfi daheim. Putzen und zuletzt auch Konfitüre einmachen waren ihre treuen Begleiter. «Man kann nicht die ganze Zeit lesen», sagt die Frauenfelder Buchhändlerin. Sie brauchte einen Ausgleich. Vier bis fünf Wochen hat sie in ihr Juryamt für den Deutschen Buchpreis investiert. Mittlerweile ist die Arbeit getan. Am Montagabend um 18.55 Uhr stand fest, dass Inger-Maria Mahlke mit ihrem Roman «Archipel» gewonnen hat. Deutsche Buchpreisträgerin 2018. «Ich bin ganz glücklich mit dem Entscheid», sagt Marianne Sax. Das Buch lese sich gut. «Gut für den Buchhandel», sagt sie.

Vergangenen Sonntag reiste Sax nach Frankfurt. Um 14 Uhr stand die letzte Jurysitzung an.

«Bis 17 Uhr haben wir diskutiert, um 17.30 Uhr musste der Pressetext verfasst sein, damit alle Drucksachen rechtzeitig fertig waren.»

Buchhändlerin Marianne Sax. (Bild: Andrea Stalder)

Buchhändlerin Marianne Sax. (Bild: Andrea Stalder)

Danach ging es zum Znacht ins Hotel Frankfurter Hof. Zum Abschluss noch schnell einen Absacker in der Hotelbar. Gelöste Stimmung in der siebenköpfigen Jury. Da kommt ein Kellner. Schnell ein Erinnerungsföteli. Marianne Sax drückt ihm ihr Smartphone in die Hand. Das erste Bild mag gar nicht überzeugen. «Junger Mann, das können Sie besser», meint die ehemalige Präsidentin des Schweizer Buchhändler- und Verlegerverbands. «Wenn man 55 Jahre alt ist, darf man sowas sagen», meint Marianne Sax. Der Kellner versucht sich noch einmal. Und das zweite Bild gelingt. Für Sax eine Erinnerung an eine einmalige Aufgabe. Die Jury des Deutschen Buchpreises wird jedes Jahr neu gewählt. Heuer ist erstmals ein Jurymitglied dabei, das dieses Amt schon 2008 inne hat.

«Aber Buchhändlerinnen sind weitaus zahlreicher als gute Literaturkritiker.»

Es sei sehr unwahrscheinlich, dass sie ein zweites Mal berufen werden. «Es war eine grosse Erfahrung.» Bisher habe sie Bücher vor allem als Buchhändlerin mit dem Fokus aufs Verkaufen gelesen. Die Gespräche über das Gelesene, die literaturwissenschaftlichen Analysen in der Jury hätten ihr einen neuen Zugang eröffnet.

Die Preisträgerin 2018: Inger-Maria Mahlke. (Bild: KEYSTONE/DPA/Arne Dedert)

Die Preisträgerin 2018: Inger-Maria Mahlke. (Bild: KEYSTONE/DPA/Arne Dedert)

Hier verdichtet sich die Geschichte der europäischen Diktaturen des 20.Jahrhunderts

Nach Bekanntgabe der Jury im Februar standen vier Sitzungen auf dem Programm. Zuerst lernte man sich kennen. Beim zweiten Zusammentreffen ging es um die 20 Bücher der Longlist. 165 deutschsprachige Neuerscheinungen waren eingereicht worden, die Jury nominierte weitere 34 Werke. An der dritten Sitzung war die Shortlist mit sechs Büchern traktandiert. Gewonnen hat schliesslich Inger-Maria Mahlke mit «Archipel». Der Roman weise eine originelle Machart auf, erzählt werde rückwärts, von 2015 bis 1919, sagt Sax. «Der Archipel liegt am äussersten Rand Europas, Schauplatz ist die Insel Teneriffa. Gerade hier verdichten sich die Kolonialgeschichte und die Geschichte der europäischen Diktaturen im 20. Jahrhundert», heisst es in der Jurybegründung. «Bei der Preisverleihung am Montag war ich nur noch Dekoration», sagt Sax. Oder als Programmleiterin des Bodmanhauses Gottlieben respektive des Frauenfelder Bücherfests. Noch gleichenabends habe sie von Mahlke die Zusage für eine Lesung in Gottlieben bekommen. Das Datum stehe aber noch nicht fest.

Bis Sonntag weilt Sax noch an der Frankfurter Buchmesse. Als Jurymitglied des Deutschen Buchpreises erhalte man viele Einladungen. Eine, die sie angenommen hat, war eine Veranstaltung mit dem deutschen Bundespräsidenten Frank-Walter Steinmeier. Und sie sei als Literaturveranstalterin von Verlag zu Verlag gegangen, um zu sehen, was ihr angeboten werde für Bodmanhaus und Bücherfest. «Bekannte Namen muss man bis zu anderthalb Jahre im Voraus buchen.»

Merkliste

Hier speichern Sie interessante Artikel, um sie später zu lesen.

  • Legen Sie Ihr persönliches Archiv an.
  • Finden Sie gespeicherte Artikel schnell und einfach.
  • Lesen Sie Ihre Artikel auf allen Geräten.