Junger Luchs wandert durch den Thurgau und gelangt nach Deutschland – schwamm er durch den Untersee?

Auf der Höri in Deutschland wurde ein Luchs gesichtet. Nun ist klar: Er kommt aus dem Thurgau.

Sabrina Bächi
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Versteckt hinter dem Baumstamm: Eine Fotofalle hat den jungen Luchs B723 fotografisch festhalten können.

Versteckt hinter dem Baumstamm: Eine Fotofalle hat den jungen Luchs B723 fotografisch festhalten können.

(Bild: PD/Fotofalle)

Auf der Höri, ennet des Untersees hat im deutschen Schienen eine Frau ein Foto von einem Luchs geschossen. Ganz nah läuft das Tier an ihrem Haus vorbei und konnte anhand des guten Fotos identifiziert werden, wie der «Südkurier »meldete. Es handelt sich um ein männliches Jungtier mit der Kennziffer B723.

«Aha, er ist also abgewandert», sagt Roman Kistler, Leiter Jagd- und Fischereiverwaltung des Kantons, als er davon hört. Er kennt das Tier B723. Am 10. Dezember wurde es erstmals im Thurgau gesichtet. Am 19. Dezember dann der definitive Beweis: Der Luchs tappte im Raum Lommis in eine Fotofalle.

Luchs wurde in der Ostschweiz geboren

«Anhand der individuellen Fellzeichnung konnte das Tier identifiziert werden», sagt Kistler. Er weiss, dass der Luchs etwa einjährig ist und vom Wurf der Lüchsin B599 stammt. Das Muttertier wurde ebenfalls von einer Fotofalle mit ihren drei Jungen abgelichtet. Das Territorium der Lüchsin befindet sich im Gebiet Tössstock.

Der Luchs B723 wurde also im sogenannten Dreiländereck zwischen den Kantonen St.Gallen, Zürich und Thurgau geboren. Die Mutter wurde im Jahr 2019 auch im Thurgau gesichtet. Die Wälder des Hinterthurgaus gehören zu ihrem Streifgebiet.

Roman Kistler, Leiter der Jagd- und Fischereiverwaltung des Kantons Thurgau.

Roman Kistler, Leiter der Jagd- und Fischereiverwaltung des Kantons Thurgau.

(Bild: Reto Martin)

«Es ist normal, dass die Jungtiere abwandern und sich ein eigenes Territorium und einen Partner oder Partnerin suchen», sagt Roman Kistler. Dass B723 jedoch bereits im Dezember die Mutter verlassen hat, ist eher früh und etwas ungewöhnlich, findet der Amtsleiter. Es kann sein, dass der Luchs nun auf seiner Suche nach einem geeigneten Territorium weite Strecken zurücklegt.

Wahrscheinlich über den See geschwommen

Gerade Jungtiere, die noch keine schlechten Erfahrungen mit Menschen gemacht hätten, würden auch nahe an Siedlungen herangehen. Was das Foto aus Deutschland erklärt.

«Der Luchs kann sehr gut mit dem Menschen und der Zivilisation leben – auch wenn er das heimlich und meist versteckt tut.»

Kistler hält es für möglich, dass der Luchs auf die andere Seite des Untersees geschwommen ist. «Luchse können schwimmen», hält er fest. Bauern müssen sich wegen des Luchses wenig Sorgen machen. «Soweit ich weiss, wurden im Thurgau noch nie Nutztiere von einem Luchs gerissen», sagt Kistler. Wie weit der Luchs B723 kommt, können nur weitere Fotos zeigen.

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