Junge Menschen aus der Region Frauenfeld wollen rollend die Hauptstadt erobern

Eine Gruppe junger Leute aus der Region sucht in Frauenfeld einen Standort für ihre fahrbare Bar. Bisher treffen sich die Mitglieder des «Fründeskreis» in einem umgebauten WC-Wagen in Stettfurt.

Samuel Koch
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Mitglieder des Vereins «Fründeskreis» sitzen im Innern ihres eigens umgebauten WC-Wagens.Bild: Reto Martin

Mitglieder des Vereins «Fründeskreis» sitzen im Innern ihres eigens umgebauten WC-Wagens.Bild: Reto Martin

Feuer lodert, sowohl draussen als auch im eigens installierten Kanonenofen im Innern des Wagens. An einem grossen Holztisch sitzen mehrere Mitglieder des Vereins «Fründeskreis», diskutieren, lachen und trinken gemeinsam ein Feierabendbier. Passend als Bieridee bezeichnen sie denn auch den letztjährigen Kauf eines ausgedienten und günstigen WC-Wagens, auf den sie zufällig im Internet gestossen sind. Vereinspräsident Lorin Borcherding sagt:

«In einer Nacht- und Nebelaktion haben wir den Wagen mit dem Traktor in Diessenhofen abgeholt.»

Alleine die Fahrt an den Rhein dauerte anderthalb Stunden. Jetzt steht der umgebaute Bauwagen auf einem Privatgrundstück an der Freudenbergstrasse in Stettfurt, wo sich rund 25 junge Leute im Alter zwischen 17 und 22 Jahren aus der Umgebung regelmässig zu gemütlichen Runden treffen.

Die Freunde versammlen sich draussen vor dem Wagen um ein Feuer. (Bild: Reto Martin)

Die Freunde versammlen sich draussen vor dem Wagen um ein Feuer. (Bild: Reto Martin)

Willkommenskultur für Jung und Alt

Ihren Anfang haben die Höcks schon vor fünf Jahren genommen. «Wir wollten uns einen gemütlichen Ort einrichten, wo wir uns treffen können», meint Fiona Blumer. Im liebevoll eingerichteten Bauwagen mit loderndem Feuer, Sofa und vielen Erinnerungsfotos an den Wänden kommt tatsächlich Gemütlichkeit auf. Jonas Erne sagt:

«Wir haben viel Zeit und Herzblut in den Bauwagen gesteckt.»

Die Aussenfassade stammt etwa von einem alten Terrassenrost. «Das Parkett habe ich von meinem Chef geschenkt bekommen», sagt Yanneck Kaumann. An der Strasse stellen die Vereinsmitglieder hie und da eine Tafel auf mit der Aufschrift: «Hier Bier.» «So haben uns schon spontan Spaziergänger besucht», erzählt Nino Blumer passend zur erwünschten und gelebten Willkommenskultur. «Bei uns kann jeder vorbeikommen, ob Jung oder Alt», ergänzt Jonas Erne.

Auf die engagierte Jungmannschaft ist spätestens im vergangenen Jahr auch die Gemeinde aufmerksam geworden, die beim «Fründeskreis» um Mithilfe fürs Einweihungsfest zur Schulraumerweiterung anfragte. «Wir haben unter Zeitdruck eine Bar gebaut und sind mit dem Bauwagen aufs Schulgelände gefahren», sagt Linda Krähenbühl. Das stiess auf derart viel Anklang, dass sich viele nach einer Wiederholung sehnten. «Daraufhin haben wir in diesem Frühjahr erst unseren Verein gegründet», sagt Lorin Borcherding.

Konzept überreicht an Stadtentwicklerin

Im Juni folgte der nächste Höhepunkt, als der «Fründes­kreis» über Yanneck Kaufmann – seine Mutter betreibt eine Crêperie in Frauenfeld – ein Sommerfest mit Livemusik im Burstelpark organisierte. «Obwohl das Wetter nicht so schön war, haben alle den Anlass genossen», meint Linda Krähenbühl. Ohnehin sind die Vereinsmitglieder in ihrer Freizeit Hauptstadt-orientiert, treffen sich ab und zu in Bars oder im Kulturlokal Kaff. Deshalb kamen in den vergangenen Wochen auch die Idee und der Wunsch auf, Frauenfeld rollend zu erobern. «Wir wollen einen Linienbus zu einer fahrbaren Bar umbauen», meint Linda Krähenbühl.

Weil Jonas Erne in der Stettfurter Jugendkommission mitarbeitet und Lorin Borcherdings Vater Rainer Borcherding am Sonnenberg im Gemeinderat sitzt, kennt der Verein die politischen Mechanismen und hat in den vergangenen Wochen ein Konzept erarbeitet. Lorin Borcherding sagt:

«Wir suchen jetzt einen geeigneten Standort in Frauenfeld.»

Deshalb haben sie den Infoanlass der Stadt zum Schlüsselprojekt Murgbogen von Ende Oktober genutzt, um mit Stadtentwicklerin Sabina Ruff Kontakt aufzunehmen. Grundsätzlich stiessen sie bei Ruff auf offene Ohren. «Wir haben positive Rückmeldungen erhalten, sind uns aber auch bewusst, dass die Standortsuche schwierig wird», sagt Nino Blumer.

Stadtentwicklung will politische Prozesse abwarten

Bei der Stadt Frauenfeld stösst die Idee des Vereins «Fründeskreis» für eine fahrbare Bar auf positives Echo. «Es liegt uns viel daran, dass junge Menschen eine Möglichkeit haben, zur Belebung der Stadt Frauenfeld beizutragen», sagt Stadtentwicklerin Sabina Ruff. Das eingereichte Konzept sei toll. Ob aber eine Umsetzung im Jahr 2020 realistisch ist, müsse noch im Detail geprüft werden. «Zuerst muss sich der Stadtrat mit dem Thema befassen», sagt Sabina Ruff. (sko)

Als grossen Vorteil sehen sie, dass sie ein fahrbares Projekt planen und deshalb flexibel sind. «Wir wollen sowieso auf Rädern bleiben, um mobil zu sein», sagt Jonas Erne.

Der «Fründeskreis» hat sich zum Ziel gesetzt, Frauenfeld zu beleben. Es gehe keineswegs darum, ständig Partys zu feiern, sagt Lorin Borcherding. Vielmehr will der Verein einen Treffpunkt für Jung und Alt für Spiele, Anlässe oder Konzerte schaffen. «Das passt perfekt in die momentane Bewegung in Frauenfeld», meint Linda Krähenbühl. Die jungen Leute wollen nun ihre fahrbare Bar bauen und bis spätestens 2020 nach Frauenfeld zügeln – dieses Mal aber nicht in einer Nacht- und Nebelaktion.