Jugendstaatsanwaltschaft Thurgau verknurrt Jugendliche nach Grossbrand bei Tobi in Egnach zu Sozialstunden

Nach dem Brand der Lagerhalle in Egnach vom März 2018 verurteilt die Staatsanwaltschaft drei Jugendliche im Alter zwischen 15 und 17 Jahren mit einer Erziehungsstrafe. Ein angeklagter Jugendlicher hingegen wird freigesprochen.

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Im März 2018 brannte die Lagerhalle der Tobi Seeobst AG in Egnach. (Bild: Ralph Ribi)

Im März 2018 brannte die Lagerhalle der Tobi Seeobst AG in Egnach. (Bild: Ralph Ribi)

Drei der vier tatverdächtigen Jugendlichen wurden wegen fahrlässiger Verursachung einer Feuersbrunst mit einem Strafbefehl verurteilt. Gegen den vierten Tatverdächtigen wurde das Verfahren eingestellt. Laut Medienmitteilung der Jugendanwaltschaft Thurgau konnte ihm eine Beteiligung nicht nachgewiesen werden.

Am 16. März 2018 brannte in Egnach die Lagerhalle der Tobi Seeobst AG. Es entstand ein erheblicher Sachschaden. In der Tatnacht waren über 150 Feuerwehrleute im Einsatz, die nicht verhindern konnten, dass das Kühllager vollständig niederbrannte. So entstand ein Sachschaden von mehreren Millionen Franken. Die Jugendanwaltschaft eröffnete nach umfangreichen Ermittlungen der Kantonspolizei eine Strafuntersuchung gegen vier Jugendliche. 

Das Jugendstrafverfahren findet grundsätzlich unter Ausschluss der Öffentlichkeit statt. Aufgrund des grossen öffentlichen Interesses hat sich die Jugendanwaltschaft nun entschieden, über den Verfahrensabschluss zu informieren.

Für die drei verurteilten Jugendlichen greift eine Erziehungsstrafe nach Jugendstrafrecht. Sie müssen zugunsten des öffentlichen Gemeinwohls Sozialstunden leisten. Zur Anzahl der zu leistenden Sozialstunden äussert sich die Jugendanwaltschaft nicht. Die Begründung: Die Jugendlichen sollen nicht weiter stigmatisiert werden. Barbara Reifler, Medienverantwortliche der Jugendanwaltschaft, sagt dazu:

«Für Aussenstehende mag dies eine milde Strafe sein. Es handelt sich aber in casu um ein Fahrlässigkeitsdelikt und keine mutwillige Brandstiftung.»

Im Zentrum steht der Täter

Die Jugendlichen hätten aus gestapelten Plastikpaloxen eine Hütte gebaut und dort eine Kerze angezündet. Beim Verlassen der Lagerhalle hätten sie dann vergessen, diese zu löschen. Laut Spekulationen sollen zuerst die Harasse Feuer gefangen haben. Durch den Wind verbreiteten sich die Flammen innerhalb der Lagerhalle.

Im Gegensatz zum Erwachsenenstrafrecht, das als «Tatstrafrecht» gilt, ist das Jugendstrafrecht ein «Täterstrafrecht.» Bei Letzterem stehe der Täter im Zentrum und nicht etwa die Tat. Die Strafen haben einen erzieherischen Charakter. So will es das Jugendstrafrecht. «Sie sollen die Möglichkeit haben, etwas aus ihren Fehltritten zu lernen», sagt Reifler.

«Schutz und Erziehung sind die Grundgedanken des Jugendstrafrechts.»

Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig. Die betroffenen Parteien können innert zehn Tagen Einspruch erheben. Nach abgelaufener Frist bestimmt die Jugendstaatsanwaltschaft die Arbeitgeber, bei denen die Jugendlichen ihre Sozialstunden abarbeiten müssen. Diese Arbeitgeber erstatten der Staatsanwaltschaft laufend Rückmeldungen über die Arbeitsweise der Jugendlichen.