Vielen Dank für Ihre Registrierung. Sie haben den Aktivierungslink für Ihr Benutzerkonto per E-Mail erhalten.

Vielen Dank für Ihre Anmeldung.

Vielen Dank für Ihre Bestellung. Wir wünschen Ihnen viel Spass beim Lesen.

Interview

Johannes Meier, der glückliche Winzer vom Ottenberg, führt das Weingut in der achten Generation

Er wäre ein schlechter Beamter geworden, sagt Johannes Meier. Mit dem Beruf als Winzer ist er nun vollauf zufrieden. Er ist Geschäftsführer des Weinguts Bachtobel auf dem Ottenberg und das mit voller Leidenschaft.
Interview: Florian Beer
Johannes Meier hat seinen Traumberuf gefunden: Er ist leidenschaftlicher Winzer. (Bild: Andrea Stalder)

Johannes Meier hat seinen Traumberuf gefunden: Er ist leidenschaftlicher Winzer. (Bild: Andrea Stalder)

Was hat Sie in letzter Zeit besonders beschäftigt?

Das wechselhafte Wetter. Im Herbst findet der Wümmet, die Traubenlese, statt und bei uns Winzern läuft da die Wetter-App nonstop. Wir mussten jede noch so kurze trockene Phase nutzen, um die Trauben zu ernten.

Was mögen Sie besonders am Herbst?

Ich mag die goldenen Tage, wenn das Licht durch die tiefstehende Sonne und die verfärbten Blätter ganz warm und golden wird. Hier am Ottenberg ist es ganz besonders schön.

Wodurch tanken Sie Energie?

Mit meinen beiden Jungs. So laut und anstrengend sie manchmal auch sein mögen, sie geben mir sehr viel. Ich mache aber auch gerne Yoga, fahre Velo und gehe raus in die Natur. Mein Alltag ist oft stressig, deshalb geniesse ich dann diese Zeit gerne für mich in Ruhe.

Wie sieht das Jahr eines Winzers aus?

Jedes Jahr wird natürlich stark durch die Jahreszeiten und die Vegetation geprägt. Die Hochphase ist der Herbst; geerntet wird von Anfang September bis etwa Mitte Oktober, je nach Wetter. Im Winter ist es eher ruhig, weil dann der Rebberg schläft, bevor im Frühling dann ausgetrieben wird. Das Wetter gibt aber ganz klar den Takt an.

Haben Sie ein Morgenritual?

Ich gehe gerne raus in den Hof und geniesse die Morgenstimmung hier auf dem Ottenberg. Mein weniger kitschiges Morgenritual ist: Müsli essen und Grüntee trinken.

Johannes Meier vom Schlossgut Bachtobel in Weinfelden. (Bild: Andrea Stalder)

Johannes Meier vom Schlossgut Bachtobel in Weinfelden. (Bild: Andrea Stalder)

Johannes Meier ist am 14. März 1976 zur Welt gekommen und in Zürich aufgewachsen. Nach der Matura absolvierte er die Hotelfachschule in Zürich und studierte anschliessend Betriebswirtschaftslehre an der Universität Lausanne. Nach einem sechsmonatigen Aufenthalt in Paris zog es ihn zurück an die Limmat und von dort ins thurgauische Bachtobel. Meier ist verheiratet, das Paar hat zwei Söhne (fünf und acht Jahre alt) und lebt auf dem Weingut Bachtobel in einer modern ausgebauten Scheune. Das Schlossgut Bachtobel befindet sich seit 1784 in Familienbesitz. Er wird unterstützt von einer Önologin und zwei Winzern.

Worin unterscheidet sich ein Thurgauer Wein von Weinen aus anderen Regionen?

Der Pinot noir ist die Hauptsorte im Thurgau. Er hat eine wunderbare Eleganz und Frische. Das kommt daher, dass er in einer eher kühlen Umgebung heranwächst. Das macht die Weine vom Ottenberg so einzigartig.

Was ist das Wichtigste beim Weinbau und der Produktion?

Dass man mit Freude und Leidenschaft bei der Arbeit ist. Das Know-how ist natürlich die Basis von allem, aber man schmeckt, ob jemand mit Begeisterung am Werk war oder nicht. Das ist bei einem Koch nicht anders.

Was wäre Ihre Henkersmahlzeit?

Coq au Vin mit selbstgemachten Nudeln. Dazu trinke ich ein Glas Pinot noir. Ach was, ich nehme gleich eine ganze Flasche (lacht).

Sie veranstalten ein Abendessen und dürfen drei Personen dazu einladen, lebendig oder tot. Wer sitzt alles am Tisch?

Zum einen Frédy Girardet, ein Schweizer Spitzenkoch, und Jules Chauvet, ein französischer Weinhändler. Damit das Ganze noch etwas rockig wird, lade ich Angus Young von AC/DC ein.

Worauf freuen Sie sich am Wochenende am meisten?

Meine Wochenenden sind meistens ziemlich ausgebucht mit diversen Terminen, Wein-Degustationen oder Veranstaltungen. Zeit mit meiner Familie darf am Wochenende natürlich auch nicht fehlen. Es ist daher eher selten, dass ein Wochenende mal ganz frei ist. Ein solches ganz planlos und spontan angehen zu dürfen, ohne Verpflichtungen – das ist richtig Luxus für mich und auf diese wenigen Momente freue ich mich besonders.

Wollten Sie schon immer Winzer werden, oder hatten Sie als Kind einen anderen Traumjob?

Obwohl meine Familie das Weingut seit über 200 Jahren besitzt, haben sie mich nie dazu gedrängt, es zu übernehmen. Mein Vater hat bei der Swiss gearbeitet und wir wohnten ganz in der Nähe des Flughafens in Zürich. Deshalb wollte ich früher Pilot werden. Mit Ende 20 bin ich dann aber als Quereinsteiger in die Weinproduktion eingestiegen.

In welchem Beruf wären Sie eine Fehlbesetzung?

Überall, wo Geduld und diplomatisches Geschick benötigt wird. Ich bin ein ungeduldiger Mensch, der gerne anpackt und kreativ sein will. Ich wäre also ein schlechter Beamter oder Laborant geworden.

Wenn Sie den Thurgau verlassen müssten, wohin würde es Sie ziehen?

Ich würde den Thurgau nur ungern verlassen, aber als gebürtiger Zürcher würde ich zurück in die Limmatstadt ziehen. Paris wäre ebenfalls eine Option, ich habe dort mal sechs Monate gelebt und gearbeitet. Und wenn es etwas weiter gehen soll, dann nach Australien. Während meiner Zeit im Gymnasium durfte ich ein Jahr lang in Australien leben.

Wie lautet der Filmtitel zu Ihrem Leben und wer spielt Sie?

Der Film soll heissen: «Die grosse Chance». Ich habe damals mit Ende 20 die Chance bekommen, in den Weinbau einzusteigen, und habe diese zum Glück genutzt. Wer weiss, wie mein Leben verlaufen wäre, hätte ich diese Chance nicht gepackt oder bekommen. Ich bin glücklich und dankbar dafür, dass ich jetzt das machen kann, was mir Spass macht und mir liegt. Meinen Part darf der US-amerikanische Schauspieler Edward Norton übernehmen.

Auf welchen Luxus wollen Sie nicht verzichten?

Jeden Montag gehen meine Frau und ich gut essen, während meine Mutter die Kinder hütet. Das ist richtig unsere «Quality Time», in der wir miteinander reden und die Zweisamkeit geniessen.

Wir sind am Ende des Interviews und richten den Blick auf das Ende Ihres Lebens: Was soll auf Ihrem Grabstein stehen?

Da soll nichts stehen – ich will keinen Grabstein, sondern ich möchte, dass meine Asche ins Meer verstreut wird. Seit ich als Jugendlicher ein Jahr in Australien gelebt habe, bin ich ein leidenschaftlicher Wellenreiter. Neben den Bergen und den Seen in der Schweiz ist das Meer mein zweitliebster Ort. Da fühle ich mich wohl.

Merkliste

Hier speichern Sie interessante Artikel, um sie später zu lesen.

  • Legen Sie Ihr persönliches Archiv an.
  • Finden Sie gespeicherte Artikel schnell und einfach.
  • Lesen Sie Ihre Artikel auf allen Geräten.