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Jetzt wird’s exotisch: Quagga-Muschel verbreitet sich im Bodensee

Anfang 2016 wurde die Quagga-Muschel erstmals nachgewiesen, jetzt ist sie bereits im gesamten Bodensee. Sie macht Schwierigkeiten, weil sie gerne an Ansaugrohren für die Trinkwasserversorgung wächst.
Ines Biedenkapp
Die Quagga-Muschel kann vier Zentimeter gross werden. (Bild: LUBW)

Die Quagga-Muschel kann vier Zentimeter gross werden. (Bild: LUBW)

Sie ist klein, die Färbung reicht von fast weiss bis schwarz und eigentlich ist ihre Heimat das Schwarze Meer. Doch seit einiger Zeit breitet sich die Quagga-Muschel auch im Bodensee aus. Die Muschel wächst gerne an Rohren. Vor allem gerne an jenen, die das Trinkwasser aus dem Bodensee saugen. Die ersten Schwierigkeiten gibt es bereits. So sieht man die Quagga-Muschel als Herausforderung: «Sehr rasch kann sie die Wasserfassungen besiedeln. Das heisst, dass wir die Ansaugrohre wohl periodisch ausräumen müssen», sagt Joh van der Bie von der Genossenschaft EW Romanshorn. In ihrem Aussehen und der Verhaltensweise gleicht sie der grösseren Dreikantmuschel. Auch sie hat sich im Bodensee ausgebreitet und kam in den 60er Jahren aus dem Schwarzmeerraum. Heute ist die Dreikantmuschel, auch Wandermuschel genannt, in fast allen Gewässern Europas zu Hause.

2016 erstmals im Bodensee nachgewiesen

Doch die sogenannten Neozoen können leicht zum Problem werden. Denn die eingeschleppten Arten können einheimische Tiere und Pflanzen verdrängen. Im Fall der eingewanderten Quagga-Muschel gibt es jedoch ein anderes Problem. Sie kann Rohre von Trinkwasserleitungen blockieren: «Die Quagga-Muschel kann Entnahmeleitungen lahmlegen, indem sie diese verstopft. Daher muss man sich jetzt Gedanken machen, wie man dies verhindern kann», sagt Heinz Ehmann vom Thurgauer Amt für Umwelt. «Sie ist im See angekommen und wird auch im See bleiben.» Ein weiteres Problem dabei ist, dass die Muschel sehr schnell wächst und auch in tieferen Gegenden vorkommt. So hat sie sich innerhalb kürzester Zeit im Bodensee verbreitet. Erstmals wurde die Quagga-Muschel im Mai 2016 von Tauchern am deutschen Seeufer in Wallhausen bei Konstanz gefunden. Nähere Untersuchungen ergaben, dass es sich bei dem Fund um eine vier Jahre alte Quagga-Muschel handelte.

Die Quagga-Muschel (Bild: LUBW)

Die Quagga-Muschel (Bild: LUBW)

Seit 1959 wird der Bodensee überwacht

Anfangs Februar 2017 beobachtete man, dass die neue Art auch in die Flachwasserbereiche von Konstanz bis Gottlieben vordrang. «Allerdings glauben wir, dass die Muschel in der Tiefe bereits seit einigen Jahren im Bodensee existiert», sagt John Hesselschwerdt Mitarbeiter des Forschungsinstituts Hydra in Konstanz. Diese arbeiten eng mit dem Internationalen Gewässerschutzkommission für den Bodensee (IGKB) zusammen. Das IGKB existiert seit 1959. Ziel ist die Reinhaltung und Überwachung des Bodensees. Nach einer weiteren Untersuchung im November des vergangenen Jahres stand fest, dass sich die Quagga-Muschel auch rings um den See festgesetzt hat und damit die Verbreitungslücke entlang des Schweizer Ufers geschlossen wurde. «Vor drei Jahren wussten wir noch nicht so viel über die Muschel, wie jetzt», sagt John Hesselschwerdt. «Unsere Sorge war anfangs grösser. Doch bisher scheint die Muschel keine neuen Probleme auszulösen.» Da die Muschel nicht einfach aus dem See herausgeholt werden kann, ist es wahrscheinlich, dass die Energiewerke Trinkwasserrohre nun öfters gereinigt und von Muscheln befreit werden müssen.

Die Quagga-Muschel

Die Quagga-Muschel wird normalerweise zwei bis drei Zentimeter gross und ist damit ein wenig kleiner als die Dreikantmuschel. Auch die Schale ist dünner. Vermutlich kam die Quagga-Muschel durch Boote oder nicht gereinigte Tauchausrüstungen in den Bodensee. In Amerika wurde die Quagga-Muschel bereits in einer Tiefe von 100 Metern nachgewiesen, dennoch bevorzugt sie Plätze, die hell und reich an Algen sind. Diese stellen die Grundnahrung der Muschel dar und werden von ihr aus dem Wasser gefiltert. Als Standort nutzt sie gerne Trinkwasserrohre, da sie dort einfach an frisches Wasser kommt. In geschützten Gebieten kann die Quagga-Muschel bis zu vier Zentimeter und mehrere Jahre alt werden. Dies kann man anhand von Altersringen, ähnlich die eines Baumes, und der Grösse der Muschel erkennen. Das Fleisch der Muschel ist nicht giftig, jedoch für den Verzehr aufgrund der Grösse ungeeignet. Beliebt ist die Quagga vor allem bei Seevögeln, die diese aus einer Tiefe von 10 Metern herausholen und aufpicken. (ibi)

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