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Wil West: Jetzt ist die Bevölkerung am Zug

2023 soll in Wil West der Baubeginn erfolgen. Voraussetzung ist, dass bis 2022 alle notwendigen Abstimmungen positiv verlaufen sind. Nun starten die politischen Prozesse in den Gemeinden.
Hans Suter
Wil West ist für die Region aktuell das grösste Entwicklungsgebiet. (Visualisierung: PD)

Wil West ist für die Region aktuell das grösste Entwicklungsgebiet. (Visualisierung: PD)

Gesamthaft 158000 Quadratmeter Landfläche, 1750 bis 3000 Arbeitsplätze, adäquate Busverbindungen, zwei Bahnhöfe, ein Autobahnanschluss und 50 flankierende Massnahmen: Das sind einige der wichtigsten Eckwerte des Entwicklungsschwerpunkts (ESP) Wil West. Die Chancen des Generationenprojekts werden vom Bund, den Regierungen der Kantone Thurgau und St. Gallen und den involvierten Gemeindebehörden als bedeutend, zuweilen gar als einzigartig eingestuft.

Doch wo Licht ist, gibt es meist auch Schatten. Im Fall von Wil West ist es die hohe Komplexität. Diese zu überwinden, ist eine der aktuell wichtigsten Aufgaben. Denn bald ist die Bevölkerung am Zug. Um die Stimmbürger bei bevorstehenden Abstimmungen zu gewinnen, muss das Projekt plausibel erklärt werden können. Hier sind die Gemeindebehörden gefordert.

Alle sollen profitieren

Guido Grütter Präsident Regio Wil

Guido Grütter
Präsident Regio Wil

«Wir stehen vor einem entscheidenden Entwicklungsschritt», sagte Regio-Wil-Präsident Guido Grütter am Mittwochabend im Wiler Stadtsaal vor den versammelten Gemeindebehörden der Region. Er machte deutlich: «Jetzt sind wir gefragt.» Die vom Bund im Rahmen des dritten Aggloprogramms in Aussicht gestellten 37 Millionen Franken dürften Mitte 2019 freigegeben werden. Dann folgen die weiteren Planungsschritte, die insbesondere in Wil, Münchwilen und Sirnach und den Kantonen zu Ratsdebatten und Volksabstimmungen führen werden. Für Regierungsrat Marc Mächler, Baudirektor des Kantons St. Gallen, ist Wil West ein Vorzeigeprojekt:

«Wil West ist ein Meilenstein in der Raumplanung.»

Denn viele Gemeinden verzichteten zu Gunsten von Wil West auf eigene Einzonungen. Marc Mächler ist davon überzeugt, dass von diesem Projekt alle Gemeinden in der Region profitieren werden. Insbesondere mit attraktiven Wohnlagen für künftig Beschäftigte im Entwicklungsgebiet Wil West.

Für die Wiler Stadtpräsidentin Susanne Hartmann hat das Projekt eine besondere Bedeutung. Durch flankierende Massnahmen soll Wil eine deutliche Entlastung beim Verkehrsaufkommen im Zentrum erfahren. Allerdings ist ihr klar, dass es dazu auch den Willen umliegender Gemeinden und der Kantone braucht. «Gewinnen können wir nur gemeinsam», betonte sie.

Um die angestrebten Wirkungen zu unterstützen, werden etwa 50 flankierende Massnahmen umgesetzt, wie Marcel John, Leiter des Tiefbauamtes des Kantons St. Gallen, erklärte. Laut dem Thurgauer Kantonsingenieur Andy Heller gibt es aber noch ein Problem: Der Bund müsse überzeugt werden, die Netzergänzung Nord in der Priorität von B auf A hoch zu stufen. Die Zeit drängt: Bis Ende 2022 müssten alle Kredite von Gemeinden und Kantone unter Dach und Fach sein.

Diskussion: Kritische Punkte aufgelistet

Kantonsrat Kurt Egger (Grüne, Eschlikon) mahnte an, das viel gepriesene Leuchtturmprojekt auch vom ökologischen Standpunkt her zu einem Leuchtturm zu machen. Sowohl verkehrstechnisch als auch energetisch. Sein Münchwiler Ratskollege Toni Kappeler (Grüne) wies darauf hin, dass der Bund im Prüfbericht die «Bremsspuren» zur Zersiedelung vermisse. Zudem erwartet er, dass die «Netzergänzung Nord» auch mit einem Radweg ergänzt wird. Kantonsrat Josef Gemperle (CVP, Fischingen) vermisst Ausgleichsmechanismen für Gemeinden, die zu Gunsten von Wil West auf eigene Projekte verzichtet haben. Kurt Enderli, Gemeindepräsident von Wilen, sieht einen Ausgleich darin, dass sich auch die Immissionen auf Wil West konzentrieren werden.
Norbert Rüthemann (parteilos), Rickenbacher Gemeinderat, warnte vor einem Kapazitätsabbau auf der Toggenburgerstrasse in Wil. Er äusserte die Besorgnis, dass dadurch das Dorf Rickenbach zum Stau- und Warteraum werden könnte. Dem Wiler Stadtparlamentarier Guido Wick (Grüne Prowil) ist es ein Anliegen, dass sichergestellt wird, dass nicht nur «die grossen Kisten» realisiert werden, sondern auch die kleineren flankierenden Massnahmen, beispielsweise für den Langsamverkehr.

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