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Interview

«Jetzt bin ich in Frauenfeld verewigt» – das Thurgauer Relief von Ernst Schefer steht im Naturmuseum

Im Naturmuseum steht zurzeit ein Relief des Kantons Thurgau. Der 75-jährige Amriswiler Ernst Schefer hat dieses in 1700 Stunden Handarbeit gefertigt. Die Idee dazu hatte er schon, als er mit dem Veloclub viele der Wege abgefahren ist.
Larissa Flammer
Ernst Schefer mit dem von ihm gestalteten Relief des Kantons Thurgau im Naturmuseum. (Bilder: Donato Caspari)

Ernst Schefer mit dem von ihm gestalteten Relief des Kantons Thurgau im Naturmuseum. (Bilder: Donato Caspari)

Dies ist ein Artikel der «Ostschweiz am Sonntag». Die ganze Ausgabe lesen Sie hier.

Wie ist es dazu gekommen, dass Ihr Relief des Kantons Thurgau jetzt im Naturmuseum gezeigt wird?

Ernst Schefer: Das Naturmuseum hat mein Relief gekauft. Das ist das Beste, was mir passieren konnte. Jetzt bin ich hier in Frauenfeld verewigt. Ich hatte noch losen Kontakt mit einer anderen Institution. Als ich aber wusste, dass das Naturmuseum Interesse hat, habe ich den anderen gleich abgesagt.

Hatten Sie einen Auftrag für dieses Projekt?

Nein. Auch bei meinem aktuellen Relief nicht. Das mache ich für mich persönlich. Ich nehme keine Aufträge mehr an. Den Kanton Thurgau wollte ich schon immer mal machen, und jetzt steht er da.

Wann ist das Thurgau-Relief entstanden?

Das ist noch nicht so alt. Vorletztes Jahr bin ich fertig geworden.

Wie lange waren Sie damit beschäftigt?

An diesem hatte ich 1700 Stunden. Ich arbeite nicht den ganzen Tag, ich bin ja pensioniert. An meinem neuen Projekt arbeite ich mittlerweile wieder etwas mehr, im Schnitt sechs Stunden am Tag. Aber ich kann es ja selber entscheiden und auch mal einen Tag freimachen. Ich bin nicht unter Druck.

Der Untersee, Mammern und der Seerücken.

Der Untersee, Mammern und der Seerücken.

Wollen Sie verraten, was Ihr neustes Projekt ist?

Das ist etwas ganz Spezielles. Es ist ein Sieben-Pässe-Relief – das Herzstück der Schweiz. Auf dem Relief, das etwas grösser wird als das des Kantons Thurgau, sind Gotthard, Furka, Nufenen, Susten, Oberalp, Lukmanier und Grimsel. Einige Leute sagen, das wird ein Jahrhundertprojekt. Die Vorbereitung ist jetzt erledigt. Das ganze Projekt wird aber sicher drei, dreieinhalb, vielleicht vier Jahre in Anspruch nehmen. Ich muss ja auch gesund bleiben. Das wird ein riesiges Projekt, das weiss ich auch.

Wie sind Sie auf diese Idee gekommen?

Ich war früher viel mit dem Rennvelo unterwegs und bin diese Pässe alle x-mal gefahren. Ein Relief davon ist meine Vision.

Haben Sie einen Wunsch, wo das Sieben-Pässe-Relief mal stehen soll?

Das ist schwierig zu sagen. Ich mache ja eine Vorfinanzierung, dann habe ich keinen Druck, das Relief zu verkaufen. Jetzt bin ich am Arbeiten, solange kann die Suche nach Interessenten warten. Wenn das Werk dann fertig ist, dann werden sich welche finden. Ich habe schon mit Hannes Geisser vom Naturmuseum darüber diskutiert und ihn gefragt, ob es eine Option für sein Museum wäre. Es muss nicht in Luzern stehen, das kann gerne auch hier sein. Das ist aber noch ein wenig zu weit in der Zukunft.

Finanzieren Sie Ihre Projekte selber vor oder haben Sie Unterstützer?

Nein, das mache ich privat.

Erklären Sie doch mal, wie Sie ein solches Relief fertigen.

Die ganze Vorbereitung ist entscheidend. Ich zeichne auf einem transparenten Pergamentpapier von der 1:25'000-Karte alle Höhenlinien des Geländes ab. So erhalte ich eine Vorstellung von jeder Ebene, das hilft mir. Dabei arbeite ich mit verschiedenen Farben. Jede Höhenebene schneide ich dann mit einer Dekupiersäge aus einer Platte aus.

Was ist eine Dekupiersäge?

Wie eine Nähmaschine bewegt sich ein Sägeblatt auf und ab. Ich habe in meinem Atelier die grösste, die es gibt. Im Naturmuseum wird ein Filmchen gezeigt, das in meinem Atelier entstanden ist. Dort sieht man die Säge in Aktion. Ein zu grosses Stück Holz kann ich damit aber nicht bearbeitet. Deshalb ist das Thurgauer Relief in fünf Teilen entstanden, die am Ende zusammengesetzt wurden. Das sieht man aber kaum, wenn man es nicht weiss.

Wie geht es nach dem Sägen weiter?

Die Kanten der Stücke schleife ich noch, danach klebe ich die Platten aufeinander. Innen ist das Relief aber hohl, so kann ich enorm Holz sparen.

Kleben Sie mit Leim?

Früher habe ich mit Leim gearbeitet. Heute klebe ich. Unten an den Platten habe ich ein Doppelklebeband, nach dem Aussägen kann ich das abziehen und es hält. Der Leim zieht eben ein bisschen, dann wird es krumm. Früher hat man auch mit Nägeln gearbeitet.

War das Thurgauer Relief schwierig? Der Bodensee ist ja relativ tief und das Gebirge im Hinterthurgau hoch, da gibt es viele Höhenlinien.

Genau, wir haben hier schon ziemliche Höhendifferenzen. Aber ein grosser Teil des Thurgaus ist eigentlich relativ flach. Ich musste einen Mittelweg finden, um die grossen Höhenunterschiede in den Bergen und die geringen Höhenunterschiede im Mittelland darstellen zu können. Ich glaube, es ist gut rausgekommen.

Welches war die grösste Herausforderung?

Das Zusammensetzen war extrem. Die Schichten müssen genau zusammenstimmen, das war eine Herausforderung. Es hat mir aber grossen Spass gemacht, und dass jetzt der Thurgau hier in Frauenfeld steht, ist das Tüpfli auf dem i. Es wäre interessant zu wissen, wie die Leute ein solches Relief in 100 oder 200 Jahren ansehen.

«Vielleicht sagt man dann: Wow, ist das alles Handarbeit?»

Arbeiten Sie gar nicht mit dem Computer?

Nein, das mache ich alles ohne. Auch rechnen kann ich ohne. Das mit dem Computer habe ich eigentlich verpasst. Schon im Beruf habe ich immer nur von Hand konstruiert.

Wie haben Sie eigentlich das Reliefbauen gelernt?

Einen Teil habe ich mir selber beigebracht, damit war ich aber ein bisschen auf dem Holzweg. Als wir mit dem Veloclub Touren durchgeführt haben, dachte ich bei mir, dass ich mal ein Relief machen will. Das habe ich damals aber modelliert, mit Gips. Darauf habe ich Strassen und Wegweiser eingezeichnet, das war genial und hat grossen Anklang gefunden. Dann hat mich aber ein Reliefbauer aus Rorschacherberg kontaktiert, mir Unterlagen gegeben und mir geraten, Reliefs in dieser Form zu bauen. Jetzt arbeite ich mit Sperrholz, das ist eine saubere Sache. Und die Beschriftungen und alle Wanderwege sind drauf.

Wann haben Sie mit diesem Hobby angefangen?

So mache ich es seit mittlerweile 30 Jahren. Ich habe schon viele Geschichten erlebt, war auch mit einem Relief mal an der Tour de Suisse. Vor allem in letzter Zeit ist aber viel passiert, ich war viel in den Medien. Das gibt mir jeweils Kraft und Auftrieb.

Hat Geografie Sie schon immer interessiert?

Ja, in der Schule schon. In der Sekundarschule hat mir vor allem Italien gefallen. Schon die Form, dieser Stiefel. Geografie war immer eine Spezialität meinerseits. Gelernt habe ich aber Werkzeugmacher, das kommt mir beim Reliefbau zugute.

Ich nehme an, den Thurgau kennen Sie mittlerweile wie Ihre Westentasche?

Das ist schon so, ich kenne viele Wege. Mittlerweile hat es ein bisschen abgegeben, vielleicht vom Alter her. Den Thurgau kenne ich aber schon sehr gut. Ich bin hier aufgewachsen, in Uttwil.

Haben Sie das Reliefbauen immer nebenbei als Hobby gemacht?

Das war nebenbei, ja. Ich habe bis 65 gearbeitet, aber nicht mehr Vollzeit. Da habe ich mich mehr dem Reliefbau gewidmet. Und ich wusste, irgendwann habe ich mal ein Atelier. Zwei Jahre habe ich gesucht und bin nun seit elf Jahren in meinem Atelier in Biessenhofen bei Amriswil.

Und dort haben Sie genug Platz für all Ihre Werke?

Es wird langsam eng. Am Anfang dachte ich: Jesses, so viel Platz. Aber es sind halt immer mehr dazugekommen.

Die Ausstellung

Das Relief des Kantons Thurgau ist noch bis am 3. November in der Kabinettausstellung des Naturmuseums Thurgau in Frauenfeld zu sehen. Das Werk ist 1,5 mal 2,5 Meter gross. Neben dem fertigen Relief dokumentieren kleinere Holzplatten den Arbeitsprozess von Ernst Schefer. Der 75-jährige Amriswiler gibt zudem in einem kurzen Film Auskunft über seine Arbeit. Er hat auch schon mehrere Bergmassive und einzelne Ortschaften als Reliefs gestaltet.
www.naturmuseum.tg.ch

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