Jahresrückblick 2019 Region Kreuzlingen: Gezänk um 111 Meter

Kreuzlingen-Redaktor Urs Brüschwiler schaut zurück auf die Posse um das Stadthaus. Dieses wurde 2019 nicht gebaut. Ob es je soweit kommen wird, steht in den Sternen.

Urs Brüschweiler
Hören
Drucken
Teilen
Auf dem Areal zwischen Bärenplatz und Festwiese, respektive Dreispitzhalle, sollte das neue Stadthaus von Kreuzlingen gebaut werden. Ob es je soweit kommt ist unsicher.

Auf dem Areal zwischen Bärenplatz und Festwiese, respektive Dreispitzhalle, sollte das neue Stadthaus von Kreuzlingen gebaut werden. Ob es je soweit kommt ist unsicher.

Bild: Reto Martin

Das neue Verwaltungsgebäude auf dem Bärenplatz schaffte es bereits 2016 in den Jahresrückblick. Der Stadtrat konnte die denkwürdige Volksabstimmung am 27. November gewinnen, wenn auch nur mit fünf Stimmen Mehrheit. 2018 könne Kreuzlingen den Spatenstich feiern, glaubte man damals. Das war eine Illusion.

Im abgelaufenen Jahr droht das 50 Millionen-Projekt nun zum Rohrkrepierer zu werden. Einsprachen verzögern das Auffahren der Bagger um Jahre. Und diese richten sich noch nicht einmal gegen das Baugesuch, sondern erst gegen einen Vorentscheid. Die Überlänge gegenüber dem Baureglement bietet Angriffsfläche. Auch wenn die geplanten 111 Meter problemlos bewilligungsfähig wären, ist diese Zahl die Achillesferse des Projekts und sorgt für rote Köpfe in der Stadtbevölkerung.

«Freunde der Festwiese» lancieren Volksinitiative

Für den Stadtrat kommt es dann noch schlimmer: Im August lancierte die Gruppe «Freunde der Festwiese» eine Volksinitiative. Der Bärenplatz müsse freigehalten werden, das Stadthaus umgehend an anderer Stelle geplant werden, fordern sie. Die nötigen Unterschriften bringt die Gruppe um Jost Rüegg, Guido Leutenegger, Xaver Dahinden und Peter Müller locker zusammen.

Alles Wehklagen der Stadthausbefürworter und die Suche nach einem juristischen Ausweg bringen vorerst nichts. Ein gültiger Volksentscheid ist nicht sakrosankt und kann mit einer neuen Abstimmung umgestossen werden. Die Initianten bleiben diesbezüglich knallhart, das Volk wird aller Voraussicht nach ein zweites Mal entscheiden müssen.

Kanton weist Einsprachen ab

Im Oktober spricht der Kanton das lang ersehnte Machtwort. Er weist die Einsprachen gegen den Vorentscheid ab und bestätigt: Das Projekt ist bewilligungsfähig. Doch dieser Zwischenerfolg bleibt ein Sieg auf dem Papier. Der Beschluss des Departements wird weitergezogen an das kantonale Verwaltungsgericht in Weinfelden.

Um zu erahnen, dass danach auch noch das Bundesgericht in Lausanne bemüht werden wird, muss man kein Prophet sein. Der Stadtrat muss nun also die nächsten Jahre sein Jahrhundertprojekt auf zwei Schienen verteidigen, sowohl baurechtlich vor den Gerichten wie auch politisch bei den Stimmbürgern. Initianten, Stadtrat und vor allem auch die Kreuzlinger brauchen einen langen Atem.

Mehr zum Thema