Vielen Dank für Ihre Registrierung. Sie haben den Aktivierungslink für Ihr Benutzerkonto per E-Mail erhalten.

Vielen Dank für Ihre Anmeldung.

Vielen Dank für Ihre Bestellung. Wir wünschen Ihnen viel Spass beim Lesen.

Mit einem speziellen Lehrprogramm geht das Frauenfelder Ärztezentrum Schlossberg auf Jagd nach jungen Hausärzten

Die Gründerärzte im Schlossberg in Frauenfeld kommen in den nächsten fünf Jahren ins Pensionsalter. Ihre Nachfolgen sind dank eines internen Ausbildungsangebot erfolgreich aufgegleist.
Mathias Frei
Der neue Geschäftsführer Marcel Frei mit seiner Vorgängerin Petra Geiser in ihrer letzten Arbeitswoche. (Bild: Andrea Stalder)

Der neue Geschäftsführer Marcel Frei mit seiner Vorgängerin Petra Geiser in ihrer letzten Arbeitswoche. (Bild: Andrea Stalder)

Ärzte werden nicht jünger. Das gilt auch für Mathias Wenger, Jürg Zuber, Andreas Schneider und José Orellano. Sie gehörten Anfang und Mitte der 1990er-Jahre zu den Gründern des Schlossberg-Ärztezentrums – und sind heute noch aktiv. In den nächsten fünf Jahren kommen aber alle vier Hausärzte ins Pensionsalter. Ein Generationenwechsel steht an.

«Als der Schlossberg gegründet wurde, musste man noch um Patienten buhlen.»

Das erklärt die abtretende Schlossberg-Geschäftsführerin Petra Geiser (siehe Kasten). Heute dagegen mangelt es an Ärzten. «Heute braucht die Nachfolgeplanung eines Hausarztes zehn Jahre Vorlauf.» Das Schlossberg-Ärztezentrum steht mitten in dieser Planung – und dies erfolgreich.

Geschäftsleitung: Marcel Frei folgt auf Petra Geiser

Der 48-jährige Marcel Frei amtet seit 2. September als neuer Geschäftsführer des Schlossberg-Ärztezentrums. Seine Vorgängerin Petra Geiser (49) steht aktuell in ihrer letzten Arbeitswoche. Frei ist in Frauenfeld aufgewachsen und lebt mittlerweile in Gachnang. Nach der kaufmännischen Lehre hat er bei den Winterthur Versicherungen gearbeitet. Dann hat er an der Höheren Wirtschafts- und Verwaltungsschule Zürich (heute Hochschule für Wirtschaft Zürich) erfolgreich ein Studium abgeschlossen. Später hat er lange und in verschiedenen Bereichen bei Helsana gearbeitet. Zuletzt hat er in der Kundenbetreuung mehrere hundert Mitarbeiter geführt. Petra Geiser war während neun Jahren Geschäftsführerin des Ärztezentrums. Kommendes Jahr werde sie 50 Jahre alt. Das sei der richtige Zeitpunkt, nochmals etwas Neues anzufangen, sagt sie. Geiser macht sich als Unternehmensberaterin selbstständig. (ma)

www.schlossberg-aerztezentrum.ch

Geschäftsführerin Petra Geiser im Jahr 2013, als das Schlossberg-Ärztezentrum nach Gachnang expandiert. (Bild: Reto Martin)

Geschäftsführerin Petra Geiser im Jahr 2013, als das Schlossberg-Ärztezentrum nach Gachnang expandiert. (Bild: Reto Martin)

Anteil an dieser Nachfolgeplanung hat ein Programm des Kantons mit der Spital Thurgau AG und der kantonalen Ärztegesellschaft, das seit rund zehn Jahren besteht. Dieses Programm erlaubt es Assistenzärzten, in ihrer fünfjährigen Facharztausbildung sechs bis maximal zwölf Monate ausserhalb einer Klinik in einer Arztpraxis zu arbeiten. Das Schlossberg-Ärztezentrum setzt hier noch ein internes Ausbildungsprogramm drauf – was Früchte trägt. In jüngerer Vergangenheit konnten so bereits sechs junge Ärztinnen und Ärzte nach ihrer Assistenzarztausbildung vom Schlossberg-Ärztezentrum verpflichtet werden.

Vollzeit arbeiten heute die wenigsten Ärzte

Petra Geiser sagt: «Unser Ziel ist es, in zehn Jahren gleich viel oder eher mehr ärztliche Kapazitäten anbieten zu können.» Ein angedachtes Wachstum in der bestehenden Infrastruktur ist etwa durch eine Ausweitung der Sprechzeiten möglich. Ein anderer Umstand, den es zu beachten gilt, ist die Tatsache, dass heute die wenigsten der 35 Ärztinnen und Ärzte im Schlossberg noch Vollzeit arbeiten.

«Das heisst aber nicht, dass die jungen Ärzte weniger engagiert sind.»

Das sagt der neue Geschäftsführer Marcel Frei. So braucht es mehrere Pensen und auch Ärzte für eine Vollzeitstelle.

Der zusätzliche Schlossberg-Lehrplan, der laut Petra Geiser schweizweit Pioniercharakter hat, soll bei jungen Ärzten das Interesse an der Arbeit als Hausarzt wecken.

«Und letztlich erhoffen wir uns natürlich, dass diese jungen Ärzte nach ihrer Facharztausbildung wieder zu uns kommen.»

Ein Drittel bis die Hälfte der Ärzte kehrt effektiv wieder in den Schlossberg zurück. Drei bis vier Assistenzärzte stehen gleichzeitig im Schlossberg-Curriculum. Dabei wird ihnen ermöglicht, Einblicke in verschiedene Fachrichtungen zu bekommen – im Gegensatz zu Assistenzarztstellen in Kliniken, die stark auf Spezialisierung fokussiert sind. Oft entscheiden sich die Assistenzärzte im Schlossberg nebst ihrer Arbeit bei einem Hausarzt für die Pädiatrie, auch schon fiel die Wahl auf Dermatologie, Kardiologie oder Urologie.

Im Schlossberg: Hausarzt Darius Gilani studiert Röntgenbilder. (Bild: Donato Caspari, 19.April 2010)

Im Schlossberg: Hausarzt Darius Gilani studiert Röntgenbilder. (Bild: Donato Caspari, 19.April 2010)

Das Schlossberg-Ärztezentrum lässt sich diese Ausflüge kurzfristig etwas kosten: Es gibt eine Umsatzeinbusse, der Assistenzarzt erhält trotzdem weiterhin den vollen Lohn, zudem wird der ausbildende Spezialist entschädigt.

«Ein Hausarzt übernimmt eine hohe Verantwortung und muss ein enorm breites medizinisches Spektrum abdecken.»

Das sagt Marcel Frei. Genau deshalb sei das Schlossberg-Lehrprogramm so wertvoll. Man könne sein fachliches Netzwerk erweitern, die persönlichen Kompetenzen stärken und die Triage, eine wichtige Aufgabe eines Hausarztes, verbessern.

Merkliste

Hier speichern Sie interessante Artikel, um sie später zu lesen.

  • Legen Sie Ihr persönliches Archiv an.
  • Finden Sie gespeicherte Artikel schnell und einfach.
  • Lesen Sie Ihre Artikel auf allen Geräten.