Interview

Ist die Thurgauer BDP nach der Wahlschlappe am Ende? – Präsident Jürg Schumacher will nicht von einem Todesstoss sprechen

Die BDP Thurgau hat ihre letzten beiden Sitze im Grossen Rat verloren. Parteipräsident Jürg Schumacher sieht einen möglichen Grund darin, dass die Partei in der Fraktionsgemeinschaft untergegangen sei. 

Larissa Flammer
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Jürg Schumacher, Parteipräsident BDP Thurgau.

Jürg Schumacher, Parteipräsident BDP Thurgau.

Bild: Andrea Stalder

Wie ist die Stimmung bei Ihnen?

Wir können uns natürlich alles andere als freuen über dieses Wochenende. Wenn wir aber die Entwicklung in anderen Kantonen anschauen, mussten wir dieses Resultat fast befürchten.

«Es kommt nicht absolut überraschend, ist aber sehr enttäuschend.»

Andreas Guhl und Roland A. Huber sind aktive und bekannte Kantonsräte. Warum wurden sie nicht wiedergewählt?

Ein Problem der BDP Thurgau – abgesehen von der Entwicklung der nationalen Partei – besteht darin, dass sie in der Fraktionsgemeinschaft mit der GLP auch medial untergegangen ist. Man hat die BDP in den vergangenen vier Jahren im Kanton kaum noch wahrgenommen. Dazu kommt, dass wir im Bezirk Weinfelden bei den Wahlen vor vier Jahren den Sitz schon nur haarscharf gemacht haben.

Hat das schlechte Resultat auch damit zu tun, dass mit der CVP auch die andere Mittepartei Stimmen verloren hat?

Ich bin überzeugt, dass es damit zu tun hat. Extreme Forderungen entsprechen der gesellschaftlichen Entwicklung. Heutzutage wird häufig fast etwas überreagiert.

Würde die BDP im Nachhinein im Wahlkampf etwas anders machen?

So weit habe ich noch nicht überlegt. Bei den Listenverbindungen haben wir aber immer gesagt: Für uns muss es auch inhaltlich stimmen. Rein arithmetische Überlegungen kommen für uns nicht in Frage. Die Verbindung mit der CVP und der EVP war für uns die richtige Entscheidung.

Ist der Verlust der letzten beiden Grossratsmandate der Todesstoss für die BDP Thurgau?

Der Todesstoss würde ich nicht sagen. Wir werden sicher die Details noch analysieren. Die BDP Thurgau hat aber tendenziell mehr Mitglieder als auch schon.

«Meine persönliche Meinung lautet: Uns braucht es weiterhin.»

Und über uns wurde mal gesagt, wir würden eine Eintagsfliege werden. Jetzt gibt es uns doch schon zehn Jahre, das macht mich auch stolz. Wir werden uns jetzt neu sortieren. Ich habe ja schon vor den kantonalen Wahlen gesagt, dass ich das Amt des Präsidenten gerne abgeben will. Jetzt sollen Jüngere ans Ruder.

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