INTERVIEW
«Unangenehme Themen bringen einen weiter»: Rolf Seltmann blickt vor seinem Abgang als Präsident der Sek Müllheim auf Höhepunkte und Tiefschläge zurück

Seit acht Jahren präsidiert Rolf Seltmann die Sekundarschulgemeinde Müllheim. Ende Schuljahr ist für den 58-jährigen Familienvater nach insgesamt 16 Jahren Schluss. Er freut sich auf mehr Freizeit mit seiner Familie oder auf dem Golfplatz.

Samuel Koch
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Rolf Seltmann, Präsident der Sek Müllheim (2013–2021).

Rolf Seltmann, Präsident der Sek Müllheim (2013–2021).

Bild: Andreas Taverner

Herr Seltmann, haben Sie nach acht Jahren genug als Präsident der Sek Müllheim?

Nein, eigentlich nicht. Ich finde das Amt heute noch toll und die Arbeit sehr spannend. Nach mittlerweile 16 Jahren in der Schulbehörde ist es jetzt aber Zeit, neuen Kräften eine Chance zu geben.

Was ist aus Ihrer Sicht toll und spannend?

Für mich als Business Engineer in der Telekombranche diente die Behördenarbeit immer als wertvoller Ausgleich, weil es sich dabei weniger um Technisches, sondern um Menschliches handelte.

In der Sek Müllheim sticht die Eigenheit der Lernlandschaften heraus. Ein Erfolgsmodell?

Absolut, das macht mich auch sehr stolz. Das Modell, das wir vor 16 Jahren eingeführt haben, ist zwar ein wenig aufwendiger, aber es steigert die Selbstständigkeit der Schülerinnen und Schüler. Zu Beginn stiess die Umstellung auf viel Widerstand.

Warum?

Veränderungen im schulischen Umfeld sind immer eng begleitet mit Ängsten bei der Bevölkerung und dem Gewerbe. Wir haben es aber geschafft, diese etwas andere Schulform zu etablieren. Das beweist auch die Zufriedenheit bei allen Beteiligten.

Schwierige Phasen gab es manchmal auch mit dem Elternforum.

Ja, aber das kam wenig vor. Ich darf aber behaupten, dass wir immer konstruktive Lösungen gefunden haben und heute arbeiten wir sehr erfolgreich zusammen. Es ist ja immer ein Lernprozess. Und auch unangenehme Themen stärken und bringen einen weiter.

Corona bescherte Ihnen den Abschluss Ihrer Amtszeit, eine Herkulesaufgabe?

Die Pandemie hat viele Behörden vor besondere Herausforderungen gestellt, sei es bei der Verschiebung von Gemeindeversammlungen oder in der Schulorganisation. Den coronakonformen Unterricht in der Dreifachturnhalle bezeichne ich aber auch als Höhepunkt. Es ist toll, was Schulleitung und Lehrpersonen dafür geleistet haben.

Coronaschutzkonforme Lernlandschaften in der Dreifachturnhalle der Sekundarschule Müllheim.

Coronaschutzkonforme Lernlandschaften in der Dreifachturnhalle der Sekundarschule Müllheim.

Bild: Reto Martin (Müllheim, 8. Mai 2020)

Was war Ihnen das Wichtigste während Ihrer Zeit?

Mein grösstes Anliegen war immer, dass die Kinder und Jugendlichen gerne zur Schule gehen, wie es anno dazumal bei mir selbst war. Dann ist es wunderschön, die aufblühenden Schülerinnen und Schüler zu erleben und auf ihrem Werdegang zu begleiten.

Ende Schuljahr treten Sie nun kürzer. Schwingt da auch Wehmut mit?

Klar, es war eine herausfordernde und spannende Zeit. Ich habe aber auch andere Interessen. Und ich freue mich, wieder mehr Zeit für gemütliche Abende mit der Familie oder mein Hobby Golf zu haben.

Haben Sie noch einen Tipp für Ihren Nachfolger?

Zuhören, auf die Leute eingehen und in Gesprächen Probleme ergründen. Dann steht einer schönen und sehr lehrreichen Zeit nichts im Weg.

Veränderungen in der Sek Müllheim

In der siebenköpfigen Behörde der Sek Müllheim, drei Posten besetzen die Delegierten der Primarschulgemeinden Müllheim, Pfyn und Homburg-Hörstetten, gibt es mit den Gesamterneuerungswahlen am 7. März einige Veränderungen. Für die vier neu zu wählenden Sitze stellt sich bloss Yvonne Brühwiler (Aktuariat, Elternforum) zur Wiederwahl. Nebst Präsident Rolf Seltmann verlassen Anita Herren (Liegenschaften, Vereine) und Daniel Balzer (Finanzen) die Behörde. Fürs Präsidium stellt sich neu Lukas Nauer (Jahrgang 1974, Müllheim) zur Wahl auf, für die beiden vakanten Behördensitze kandidieren Hanspeter Loher (1976, Müllheim) und Rolf Müller (1972, Pfyn). (sko)