Interview
Remo Rey: «Ich bin gerne Gastgeber»

Remo Rey ist seit sieben Jahren der Geschäftsführer der Schweizerischen Schifffahrtsgesellschaft Untersee und Rhein. Im Interview erzählt er von seinem ersten Job als Soft-Ice-Verkäufer und warum ihm Wasser wichtig ist.

Francesca Stemer
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Remo Rey ist der Geschäftsführer der Schweizerischen Schifffahrtsgesellschaft Untersee und Rhein AG (URh).

Remo Rey ist der Geschäftsführer der Schweizerischen Schifffahrtsgesellschaft Untersee und Rhein AG (URh).

Bild: Reto Martin

Als Sie zwölf Jahre alt waren standen Sie am Ufer des Genfersees und verkauften Soft-Ice an Touristen.

Meine Verwandten betrieben ein Hotel und Restaurant am Genfersee. In den Sommerferien konnte ich dort aushelfen und betreute den Glacestand. Damit konnte ich mein Taschengeld aufbessern und meine Französischkenntnisse verbessern.

Das war bestimmt nicht ganz einfach.

Ja, natürlich gab es herausfordernde Situationen, wie etwa, wenn sich bereits eine lange Schlange gebildet hatte, aber das Eis noch nicht ganz gefroren war. Oder Momente, in denen die Eismaschine plötzlich streikte. Jedoch wurde ich dadurch um einiges selbstständiger und konnte vieles lernen.

Was haben Sie von dieser Zeit mitgenommen?

Wohl, dass ich «dienstleistungsaffin» bin und ich habe realisiert, dass mir das «Bedienen» von anderen Leuten Freude bereitet. Ich bin gerne Gastgeber.

Dienen scheint heute nicht mehr en vogue.

Mein Sekundarlehrer war für mich mein Idol. Doch als ich ihm erzählte, dass ich gerne in der Hotellerie arbeiten würde, meinte er, ich solle doch nicht einer Arbeit nachgehen, bei der ich andere Leute bedienen müsse. Er empfahl mir eine Ausbildung bei der Bank. Doch in diesem Moment dachte ich mir: Jetzt erst recht. Ich absolvierte meine Ausbildung in der Hotelhandelsschule in Zürich.

Was fasziniert Sie daran?

Sei das in einem Hotel oder hier auf dem Schiff. Wenn mein Team und ich dafür sorgen können, dass sich die Wünsche der Gäste erfüllen und wir so dazu beitragen, dass sie einen schönen Tag erleben, dann macht das auch mich glücklich.

Macht Sie sonst noch etwas glücklich?

Ich bin gerne im Freien, koche oder gehe gerne ins Theater oder an Konzerte. Doch am glücklichsten macht es mich, wenn ich Zeit mit meiner Familie verbringen kann: Ich habe drei Kinder.

Was unternehmen Sie mit Ihren Kindern?

Meinen Sohn begleite ich an Unihockey-Spiele und zu seinen Gesangskonzerten. Mit meinen Töchtern entdecke ich gerne die Natur. Mit unserer Familie brätle ich gerne im Wald, fahre Velo oder reise in uns unbekannte Orte.

Wo verbringen Sie diesen Sommer?

Diesen Sommer werden wir in der Schweiz verbringen. Es gibt hier noch unzählige schöne Orte zu entdecken. Vorerst werden wir an den Neuenburgersee reisen und von dort aus Ausflüge unternehmen. Ich schätze es, Gegenden spontan zu erkunden. Weiter werden wir noch einige Tage am Bodensee verbringen. Das Wichtigste bleibt: Wasser muss es in der Nähe haben.

Warum?

Wasser hilft mir immer, Ruhe und Entspannung zu finden. Ich finde die Farbschattierungen faszinierend und generell schwimme ich gerne. Früher war ich auch oft mit dem Kanu oder Boot unterwegs.

Haben Sie hier am Bodensee einen Lieblingsort?

Die Schifffahrt auf dem Seerhein bietet eine traumhafte Kulisse, die je nach Tageszeit komplett anders aussehen kann. Auch gibt es viele faszinierende Wasservögel und Pflanzen zu beobachten. Eine Schiffsfahrt fühlt sich doch oft an wie ein bisschen Ferien.

Remo Rey, Geschäftsführer der Schweizerischen Schifffahrtsgesellschaft Untersee und Rhein AG.

Remo Rey, Geschäftsführer der Schweizerischen Schifffahrtsgesellschaft Untersee und Rhein AG.

Bild: Reto Martin

Reisen ist Ihnen wichtig.

Ja. Es gab zwei Reisen, die mich besonders prägten. Zum einen war das die viermonatige Rucksackreise nach Nord- und Mittelamerika. Mit einem Kollegen unterrichtete ich Strassenkinder und half mit, ein Frauenhaus zu bauen. Ich wurde dort wirklich mit dem Leben konfrontiert. Und es hat mir aufgezeigt, worauf es im Leben ankommt. Aber ich habe auch gelernt, die Stille schätzen zu lernen.

Inwiefern?

Wir waren lange zu zweit unterwegs, irgendwann hat man sich nichts mehr zu erzählen. Also sassen wir manchmal schweigend nebeneinander. Mein Kollege hatte nie Schwierigkeiten damit. Im Gegensatz zu mir, aber ich lernte, dass Stille gut ist, vor allem um klare Gedanken fassen zu können.

Was war die zweite Reise?

Als ich sieben Jahre lang für die Winterthurer Tourismusregion gearbeitet habe, merkte ich, dass ich eine längere Auszeit nehmen sollte. Zusammen mit meiner Familie reisten wir für einen Monat nach Dänemark. Die Reise zeigte mir auf, dass niemand unverzichtbar ist, und dass diese längere Auszeit durch eine gute Organisation funktioniert.

Tendieren Sie dazu zu viel zu arbeiten?

Ich musste lernen, auch einmal Nein zu sagen und dabei auch kein schlechtes Gewissen zu haben.

Warum haben Sie nach zehn Jahren Tourismus Winterthur einen Schlussstrich gezogen?

Ich war sprichwörtlich mit Haut und Haar dabei. Ich denke, nach einer gewissen Zeit wird es wichtig, dass man nicht einer Art Trott verfällt. Ich habe mich damals gefragt: Was ist mir wichtig? Und mich entschieden zu wechseln. Schauen Sie, gleich wird die MS Stein am Rhein einlaufen. Mit diesem Schiff können die Teilnehmenden eine zweitägige Kulturreise unternehmen.

Was fasziniert Sie an Schiffen?

Ich muss zugeben, ich bin nicht der absolute «Schiffs-Kenner» und vor sieben Jahren hätte ich nicht gedacht, dass ich hier arbeiten werde.

Nicht?

Nein, eher nicht. Diese Stelle wurde sprichwörtlich an mich herangetragen. Die Verbindung dreier Länder, die Tourismusförderung in dieser Region in Kombination mit dem Schiffsangebot hat dann aber sofort mein Interesse geweckt.

Ihre Augen funkeln.

Dieses Schiff fährt noch mit einem älteren Motor. Hören Sie, auch vom Klang her ist es ganz anders. Die Steuerung und Handhabung ist eine wahre Kunst.

Haben Sie einen Bootsführerschein?

Nein, habe ich nicht. Aber ich könnte mir gut vorstellen, die Prüfung zu absolvieren.

Zur Person:

Remo Rey ist am 18. November 1975 in Zürich geboren. Aufgewachsen ist er in Mönchaltorf. Er absolvierte die Hotel-Handelsschule in Zürich und arbeitete in diversen Hotels in Zürich. Nach seinen Rucksack-Reisen durch Nord-, Mittel- und Südamerika studierte er Betriebsökonomie in Winterthur. Seit sieben Jahren ist er der Geschäftsführer der Schweizerischen Schifffahrtsgesellschaft Untersee und Rhein. Zuvor war er zehn Jahre für die touristische Vermarktung der Stadt und Region Winterthur zuständig. Rey wohnt mit seiner Frau und drei Kindern in Fehraltorf. (fra)