Interview
Obwohl Brauhaus Sternen Frauenfeld erstes Coronajahr mit Umsatzrückgang und roten Zahlen beendet: «Wir sind mit einem blauen Auge davongekommen»

Am Montag hat die Brauhaus Sternen AG ihre Generalversammlung nach der letztjährigen Absage auf schriftlichem Weg durchgeführt. Geschäftsführer Stefan Mühlemann erzählt von der Verunsicherung und Entlassungen, von der Solidarität der Aktionäre und der Hoffnung auf baldige Besserung.

Samuel Koch
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Stefan Mühlemann im Lager des Brauhauses Sternen.

Stefan Mühlemann im Lager des Brauhauses Sternen.

Bild: Donato Caspari

Trinken Sie aktuell lieber ein Bier zum Genuss oder eines zum Frust?

Stefan Mühlemann: Ich trinke Bier immer zum Genuss. (lacht)

Die Zahlen von 2020 müssen aber frustrierend sein? Umsatzrückgang von 33 Prozent auf noch 3,446 Millionen Franken und ein Verlust von rund 395'000 Franken: Was stimmt Sie optimistisch?

Klar tut uns Corona weh, was viele Auswirkungen auf unser Geschäft hat. Nach einem vielversprechenden Start ins Jahr 2020 hat uns die Krise hart getroffen, wie ein Blick auf die Zahlen zeigt.

Es gibt aber trotz der grossen Unsicherheit auch positive Signale.

Die knapp 2800 Aktionäre haben schriftlich alle Geschäfte mit einzelnen Ablehnungen oder Enthaltungen grossmehrheitlich bewilligt und dem Verwaltungsrat Décharge erteilt. Das Brauhaus ist in Frauenfeld eine Institution, zu der die Aktionäre sehr solidarisch sind.

Schwierige Momente gab es beim Team, das von 50 auf 40 Mitarbeitende reduziert werden musste. Was ist geschehen?

Stefan Mühlemann, Geschäftsführer Brauhaus Sternen.

Stefan Mühlemann, Geschäftsführer Brauhaus Sternen.

Bild: Kevin Roth

Ja, leider. Vier Personen mussten wegen der Krise entlassen werden. Sechs haben sich beruflich neu orientiert. Dank der Öffnung im Frühling suchen wir aber mittlerweile schon wieder neue Arbeitskräfte.

Hat der Entscheid, auf die Verpflegungsgutscheine für die Aktionäre zu verzichten, kein Unverständnis ausgelöst?

Überhaupt nicht, einige haben uns sogar ihre Biergutscheine zurückgeschickt. Wir sind sehr stolz, das Vertrauen der Aktionäre zu spüren, und hoffen alle, dass es bald wieder aufwärtsgeht.

Auch ein Sommerbier mit dem Fassanstich Ende Juni gibt es heuer wieder nicht?

Nein, die Situation ist zu ungewiss. Dafür setzen wir alle Hoffnungen auf den Oktoberfestanstich am 24. September, um dann mit allen wieder einmal ein richtig grosses Fest zu geniessen. Zudem ist ab sofort sowohl in Frauenfeld als auch in Winterthur das Aktionärsbier erhältlich. Es ist ein Red Ale mit einer speziellen Malzmischung mit Schweizer Hopfen.

Entgegen dem ersten Blick auf die nackten Zahlen verzeichnete die Brauerei einen Umsatzzuwachs. Wie ist das zu erklären?

Mit der treuen Kundschaft, die nach der Schliessung des Restaurants vermehrt Flaschen im Rampenverkauf kaufte und so diesen Umsatzzweig um fast 100 Prozent steigerte.

Abgefedert hat das Minus auch die Zahlung aus der Pandemieversicherung?

Ja, wir sind mit einem blauen Auge davongekommen. Einerseits durch die einmalige Zahlung aus der Versicherung von knapp 153'000 Franken, andererseits auch dank der Hilfsgelder von Bund und Kanton.

Ohne den Covid-19-Kredit und die A-fonds-perdu-Beiträge hätten wir die Krise finanziell nicht überlebt.
Der Verwaltungsrat stösst mit genügend Sicherheitsabstand auf das Geschäftsjahr 2020 an.

Der Verwaltungsrat stösst mit genügend Sicherheitsabstand auf das Geschäftsjahr 2020 an.

Bild: PD

Geld gab es auch aus dem städtischen Covid-19-Fonds für den Foodtruck. Wie läuft dieses Angebot?

Wir sind zufrieden, dass wir mit dem Catering in einem weiteren Geschäftsfeld Fuss fassen konnten. Der Truck kommt gut an, aber wir wollen gerade für private Anlässe noch mehr Gas geben.

Können Sie erste Erkenntnisse aus dem aktuellen Geschäftsjahr preisgeben?

Die Situation bleibt trotz kürzlicher Öffnung sehr angespannt. Bis jetzt haben wir im Vergleich zum Vorjahr fast zwei Millionen Franken Umsatz verloren. Was uns ausserdem Sorgen bereitet, ist das immer noch ausbleibende Gruppengeschäft. Wir verzeichnen weiterhin kaum Reservationen. Dafür haben wir zum ersten Mal wieder den Hobbybraukurs und eine Führung durchgeführt. Selbstverständlich unter Einhalt eines Schutzkonzepts. Und das Individualgeschäft ist gut angelaufen. Viele Stammgäste und Aktionäre besuchen uns wieder.