Interview

«Das diesjährige Weihnachten ist nicht weniger als sonst»: Mit «Weihnachten 2.0» halten die Verantwortlichen der Kirchen eine Alternative für Frauenfeld bereit

Damit sich die Stadt Frauenfeld besinnlich aber sicher auf Weihnachten einstimmen kann, wurden unter der Leitung des evangelischen Pfarrers Hansruedi Vetsch Stationen aufgebaut, wo Bibelverse oder Gedankenanstössen vorzufinden sind.

Sophie Ade
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Leiter des Projekts Weihnachten 2.0 Hansruedi (Haru) Vetsch.

Leiter des Projekts Weihnachten 2.0 Hansruedi (Haru) Vetsch.

(Bild: PD)

Was führte zur Realisierung des Projekts «Weihnachten 2.0»?

Hansruedi (Haru) Vetsch: Die Absagen der Weihnachtsgottesdienste, mit Theater und Gesänge, zu denen es sonst über 700 Leute in die Kirche zieht, forderte eine neue Lösung. Deswegen schlossen wir uns mit anderen Kirchen zusammen und stellten innerhalb von drei Wochen ein alternatives Programm auf die Beine.

Was beinhaltet das Programm konkret?

Überall dort, wo in der Stadt Weihnachtsbeleuchtung zu sehen ist, haben wir eine Station hergerichtet. Insgesamt sind es acht Orte, wo Plakate angebracht wurden, welche die Stiftung Wetterbaum montiert hat. Darauf sind jeweils Bibelverse, Gedankenanstösse oder Diskussionsideen zu lesen. Zusätzlich hat die Cevi ihre alljährliche Waldweihnacht in Form von leicht ironischen Videos gedreht, welche mittels einem QR Code angeschaut werden können.

Wie kam es zu dem Namen?

Sobald das Programm stand, schoss mir dieser Name durch den Kopf. Denn für mich ist das diesjährige Weihnachten nicht weniger als sonst. Es ist anders, doch die Leute sollen sich an dem erfreuen, was ist, und nicht an das denken, was dieses Jahr nicht möglich ist.

Welche Motivation steckt hinter dem Projekt?

Wir haben uns in den Kopf gesetzt, die Bevölkerung besinnlich und sicher auf Weihnachten einzustimmen. Wenn wir dieses Ziel erreichen, ist das alles, was wir gewollt haben.

In der Nähe der Weihnachtsbeleuchtungen «Geschichtenlichter» sind die Stationen mit den Plakaten vorzufinden.

In der Nähe der Weihnachtsbeleuchtungen «Geschichtenlichter» sind die Stationen mit den Plakaten vorzufinden.

(Bild: PD)

War der Aufwand grösser als bei Ihrem sonst üblichen Programm?

Das zu vergleichen, ist schwer. Bestimmt ist es ein anderer Aufwand, und wir haben unterschätzt, wie viele Details es zu beachten gilt. Jedoch hat es sich in sämtlichen Hinsichten geloht.

Woran denken Sie?

Für gewöhnlich ist es schwer, ein Treffen mit den Verantwortlichen der verschiedenen Kirchen zu realisieren. Ganz zu schweigen von einem gemeinsamen Projekt. Jedoch sassen wir nun alle im selben Boot und haben es geschafft, unter diesen Umständen diese Stationen und eine Website zu ermöglichen. Diese Zusammenarbeit hat uns sicher geprägt, und der Prozess wird uns auch in Zukunft in guter Erinnerung bleiben.

Bei welcher Rückmeldung wäre das Ziel erreicht?

Das Schönste, was mir jemand sagen könnte, wäre, dass unser Projekt Weihnachten noch weihnachtlicher gemacht hat.

Was fehlt Ihnen selbst in diesem Jahr am meisten im Vergleich zu den anderen Jahren?

Für mich sind es die Begegnungen mit den Leuten. Durch die Verunmöglichung von Gottesdiensten oder der Nacht der Lichter waren die Kontakte, die ich sonst so schätze, nicht länger möglich.

Herrscht bei Ihnen trotzdem weihnachtliche Stimmung?

Ja, doch. Durch die Aufzeichnung des Weihnachtsgottesdienst, die wir am 23. Dezember durchführen, und die allbekannte Spannung steigt und bringt weihnachtliche Gefühle mit sich.