Kolumne

Interne Öffentlichkeit

Südsicht

Kommunikation ist eine Kunst und eine Wissenschaft. Oder doch nicht? Eigentlich wär's gar nicht so schwierig.

Olaf Kühne
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Olaf Kühne

Olaf Kühne

Das Internet feiert bald seinen dreissigsten Geburtstag. Eine Schweizer Erfindung ist es obendrauf. Was hier aber keine Rolle spielt. Nach 29 Jahren, vor allem aber nach Hitler-Tweets und anderem Grüselzeugs, sollte eigentlich jedem klar sein: Das Internet ist öffentlich. In der BDP ist diese Erkenntnis inzwischen angekommen. In Tobel-Tägerschen irgendwie noch nicht so ganz.

Der dortige Gemeinderat liegt im Clinch mit dem Vorstand der Genossenschaft Dorfmarkt. Ob es Aufgabe des Steuerzahlers ist, einen Dorfladen zu subventionieren, ist eine politische Frage, welche uns Aussenstehende tatsächlich nichts angeht. Das müssen die Tobler und Tägerscher Stimmbürgerinnen und Stimmbürger schon selber wissen. Manche leisten sich ein Opernhaus, andere ein Fussballstadion. Tobel halt einen Dorfladen. So weit so gut.

Nur stellte der Tobler Gemeinderat seine Stellungnahme zum Konflikt auf die Website der Gemeinde. Also ins Internet. Dieser öffentliche Ort, wo sich auch Journalisten tummeln. Nicht nur auf der Suche nach mehr oder weniger berichtenswerten Hitler-Tweets. Aber schon auch.

Auf Nachfrage unserer Zeitung ist die Tobler Dorfmarkt-Geschichte – die notabene auch schon an der Gemeindeversammlung diskutiert wurde – dann aber doch nicht so öffentlich, wie sie es dank des Internets ohnehin längst ist. Eine öffentliche Diskussion sei kontraproduktiv, lässt der Gemeinderat ausrichten. Und die Dorfmarktleitung «ist der Meinung, dass diese Angelegenheit nicht öffentlich diskutiert wird».

Ist nicht – unter anderem natürlich – just der Austausch von Klatsch und Tratsch der Sinn eines Dorfladens? Seit eh und je. Also schon vor 1989, als die Genfer dafür das Internet erfunden haben.