Kommentar

Inserate lösen dieses Problem nicht

Die Probleme der Printmedien sind weit vielschichtiger. Mit mehr Inseraten von kantonalen Stellen ist das Zeitungssterben nicht aufzuhalten.

Silvan Meile
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Silvan Meile, Redaktor Kantonsressort der Thurgauer Zeitung. (Bild: Thi My Lien Nguyen)

Silvan Meile, Redaktor Kantonsressort der Thurgauer Zeitung. (Bild: Thi My Lien Nguyen)

Den Zeitungen geht es schlecht. Das sind keine News. Als Hilfeschrei ist deshalb die Interpellation von Peter Bühler aus Ettenhausen zu verstehen. Der CVP-Kantonsrat verlangt vom Regierungsrat, dass dieser seine Amtsstellen anweist, ihr Budget für Inserate vermehrt in Lokalblättern auszugeben. Jeder Tag der offenen Tür und jedes Lehrstelleninserat zählen in der Rechnung des Interpellanten.

Bühler ist Chef der Raiffeisenbank Aadorf und kann rechnen. Und er ist auch Verwaltungsratspräsident des Hinterthurgauer Lokalblattes «Regi die Neue», wo eben mehr Inserate-Gelder des Kantons hinfliessen sollen. Nur von Luft und Liebe könnten die Zeitungen nicht leben, sagt Bühler seinen Ratskollegen und erklärt, dass er über die vierte Gewalt im Staat rede.

In seiner politischen Forderung nach mehr Geld vom Kanton blendet Bühler aus, dass die Probleme der Printmedien weit vielschichtiger sind. Leute unter 50 abonnieren kaum noch eine Zeitung. Sie informieren sich über Gratisinhalte auf ihrem Smartphone. Und der Journalismus, der die Brücke vom Stammtisch zum Politiker schlägt, hat einen schweren Stand gegen Algorithmen, die für Nutzer digitaler Medien Informationen selektieren.

Könnte das Zeitungssterben mit ein paar regelmässigen Inseraten von kantonalen Stellen aufgehalten werden, müsste man den Regierungsrat sofort dazu verpflichten. Weil das aber nie und nimmer reicht und es auch den Medienkonsum der jungen Generationen in keinster Weise verändert, bleibt diese Interpellation vor allem ein Hilfeschrei, dem auch etwas Eigennutz nachhallt.

Thurgauer Lokalblätter wollen mehr Inserate

Eine Interpellation im Grossen Rat fordert mehr Werbung von kantonalen Stellen in Lokalzeitungen. Eine entsprechende Weisung zu erlassen, erachtet der Regierungsrat aber als unverhältnismässig.
Silvan Meile