Insel Reichenau: Bund führt Arbeitsgruppe an

Der geplante Windpark auf dem Seerücken könnte das Unesco-Weltkulturerbe Insel Reichenau tangieren.

Sebastian Keller
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Windenergieanlage in Oldis in Haldenstein.

Windenergieanlage in Oldis in Haldenstein.

Arno Balzarini / KEYSTONE

Die deutschen Nachbarn fürchten um den Status Unesco-Weltkulturerbe der Klosterinsel Reichenau. In diesen Rang wurde sie im Jahr 2000 erhoben. Diese Befürchtung hängt mit Plänen des Thurgaus zusammen. Der Kanton will die raumplanerischen Voraussetzungen schaffen, um im Gebiet Salen-Reutenen Windenergieanlagen zu erstellen. Vorerst geht es aber einzig um den Eintrag im Richtplan. Der Thurgau nimmt die Ängste auf der anderen Seeseite ernst. Er gab bereits eine Konfliktanalyse in Auftrag. Ein 56 Seiten starkes Werk mit Fotomontagen und Geländeprofilen resultierte. Die Analyse kam zum Schluss, die Auswirkungen seien moderat.

Eine grenzüberschreitende Arbeitsgruppe soll aber die Abklärungen vertiefen. Wie diese Zeitung erfahren hat, leitet der Bund diese Arbeitsgruppe. Ihr Auftrag umfasst die Unterstützung und Begleitung von Abklärungen, ob ein Windpark in Salen-Reutenen mit der Unesco-Welterbe Klosterinsel Reichenau kompatibel ist. Das schreibt Marianne Zünd, Sprecherin des Bundesamtes für Energie (BFE), auf Anfrage. Die Federführung der Arbeitsgruppe liegt beim «Guichet Unique Windenergie» des BFE.

Widerstand im Thurgau

Dabei handelt es sich um eine zentrale Anlaufstelle und Informationsdrehscheibe des Bundes für Anliegen im Zusammenhang mit Windenergie. In der Arbeitsgruppe vertreten sind der Kanton Thurgau, das Bundesamt für Kultur sowie die betroffenen deutschen Behörden. Das erste Treffen der Arbeitsgruppe findet voraussichtlich im Frühling statt. Wohl am 25. März debattiert der Grosse Rat über das Richtplankapitel «Windenergie». Der Regierungsrat sieht vor, sechs Windenergiegebiete in den Richtplan aufzunehmen. Die Richtplankommission befürwortet die Vorlage. Dennoch steht der Plan im Gegenwind. Dies zeigt sich an den 1554 Eingaben, die während der öffentlichen Bekanntmachung, bei Kanton eingegangen sind.