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Richter entlasten impotenten und pädophilen Rentner grösstenteils

Ein Rentner hat ein Mädchen sexuell genötigt, ihre jüngere Schwester aber nicht vergewaltigt. Das haben die Frauenfelder Bezirksrichter geurteilt, denn ein Gutachten taxiert die jüngere der beiden als unglaubwürdig.
Samuel Koch
Der Eingangsbereich zum Bezirksgericht Frauenfeld. (Bild: Reto Martin)

Der Eingangsbereich zum Bezirksgericht Frauenfeld. (Bild: Reto Martin)

Als Ersatzgötti ging der ehemalige EDV-Berater und Immobilieneigentümer im Elternhaus ein und aus und unternahm viel mit den beiden Kindern. Laut Zeugenaussagen spielte er mit den Mädchen oft Modeschau. Wie in der Anklageschrift steht, deklarierte der Beschuldigte die Handlungen gegenüber den Mädchen als «Spieli». Um nicht aufzufliegen, übte er zudem Druck auf sie aus. Der heute 74-jährige, laut ärztlichen Befunden hetero-pädophile und impotente Rentner hatte sich zwischen 2005 und 2011 als Freund der Familie um die Kinder gekümmert, als sich die Eltern der beiden Mädchen häufig stritten.

«Es ist schwierig zu beschreiben, aber es ist halt wilder geworden.»
Angeklagter vor dem Bezirksgericht

Das Bezirksgericht Frauenfeld erklärte den Angeklagten am Donnerstagnachmittag des Besitzes der Pornografie und der sexuellen Handlungen mit einem Kind für schuldig, jedoch nur bezüglich des älteren Mädchens. Während eines Besuchs des Angeklagten zum Geburtstag der Mutter spielte der Rentner mit den Kindern und einer Freundin «Vater-Mutter-Kind». Dabei gab er sich mit der älteren Schwester, damals noch minderjährig, ins Bett und gab ihr einen Zungenkuss. «Ich weiss es nicht mehr», gab der Angeklagte am Donnerstag auf eine Frage von Bezirksrichterin Irene Herzog zu Protokoll. Der Angeklagte ergänzte, dass das Opfer hyperventiliert und überbordet habe. «Es ist schwierig zu beschreiben, aber es ist halt wilder geworden», ergänzt der Rentner auf der Anklagebank mit zusammengefalteten Händen, gekleidet in blauem Hemd und braunem Anzug.

Für aufreizendes Foto nicht posieren lassen

Ebenso wortkarg gab er sich bei den Fragen zu den gefundenen Fotos mit kinderpornografischem Inhalt auf seinem Laptop und einem Foto mit aufreizender Pose des älteren Mädchens. Er habe sie nicht für das Foto mit ausgestreckten Beinen und tief in den Schritt gezogenen Hosen posieren lassen, sodass ihr Intimbereich zu sehen war. Zum kinderpornografischen Material sagte er: «Das ist nicht bewusst ­geschehen, vor allem nicht mit Kindern.» Das Gericht sieht das grösstenteils anders. Zwar entlastet es den Angeklagten im Fall des aufreizenden Fotos. Wegen sexueller Handlungen mit Kindern und dem Besitz der Pornografie verurteilt es den Rentner jedoch letztlich.

«Die Aussagen des Opfers sind nachweislich durch suggestiv gestellte Fragen durch Dritte kontaminiert.»
Richterin Irene Herzog

Den Vorwurf der Vergewaltigung gegenüber dem jüngeren der beiden Mädchen hat ein Glaubhaftigkeitsgutachten definitiv auffliegen lassen. Die Bezirksrichter taxieren die Vergewaltigung des damals achtjährigen Mädchens als erfunden. Zu diesem Anklagepunkt sprach das Bezirksgericht den Rentner nach dem Ersturteil im März 2016 zum zweiten Mal frei. Zwar beantragte die Staatsanwältin eine Freiheitsstrafe von sechs Jahren und acht Monaten. Das vom Verteidiger beantragte Gutachten aber entlarvte das Mädchen, nachdem das Obergericht den Fall im vergangenen November an die Erstinstanz zurückwies. Es begründete diesen Schritt damit, dass die bereits vor der Anzeige in psychiatrischer Behandlung stationierte, mittlerweile 19-Jährige unter depressivem Verhalten, einer ernsthaften sozialen Beeinträchtigung leide und unter anderem «ein auffällig sexualisiertes Verhalten» aufweise.

Bedingte Geldstrafe mit zweijähriger Bewährung

Die Richter ­sehen es zudem neuerdings nicht mehr als erwiesen an, dass der Rentner das Opfer damals zunächst mehrmals und später ­einmal pro Woche besuchte, es sexuell nötigte und missbrauchte. «Das Gutachten ist schlüssig und nachvollziehbar, die Resultate verwertbar», sagte Gerichtsvizepräsidentin Irene Herzog am Donnerstag zur teilweisen Entlastung des Angeklagten, der von Beginn weg seine Unschuld beteuerte. «Die Aussagen des Opfers sind nachweislich durch suggestiv gestellte Fragen durch Dritte kontaminiert», sagte Herzog. Deshalb bestünden an den Aussagen des Mädchens «erhebliche Zweifel, sie sind somit nicht verwertbar», begründete die Richterin und sprach den Angeklagten sowohl vom Vorwurf der Vergewaltigung als auch demjenigen der sexuellen Handlungen mit dem jüngeren Mädchen frei.

Summa summarum hat der verurteilte Rentner mit Anrechnung der 61-tägigen Untersuchungshaft eine Geldstrafe von 150 Tagessätzen zu 430 Franken, eine Busse von 12900 Franken sowie einen Teil der Verfahrens- und Gerichtskosten zu bezahlen. Geldstrafe und Busse sind bedingt ausgesprochen, weil er nicht vorbestraft ist. Seine Probezeit läuft während zweier Jahre. Zudem wird sein Laptop zur Vernichtung eingezogen. Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig.

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