Glosse

Inklusive Abrissbirne löst Aadorfer Probleme - oder auch nicht

Südsicht auf behindertengerechte Bahnhofplätze und einkaufserlebnisoptimierte Bahnhöfe.

Olaf Kühne
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Olaf Kühne(Bild: Peter Pfistner)

Olaf Kühne
(Bild: Peter Pfistner)

Der kam ziemlich überraschend: Allen Unkenrufen zum Trotz betreiben die SBB auch künftig nicht nur schweizweit genormte Einkaufscenter mit Bahnanschluss. Das Unternehmen transportiert schon noch Menschen, bald sogar auch Behinderte. Nicht, weil das die Bähnler wahnsinnig toll fänden.

Aber irgendwann mal hat der Gesetzgeber gesagt, dass Inklusion eigentlich gar keine so schlechte Sache ist. Das war vor 16 Jahren. Es hat also gar nicht so wahnsinnig lange gedauert, bis die SBB gemerkt haben, dass in Aadorf noch so eine Art Bahnhof rumsteht. Zwar einer, der noch kein Einkaufscenter ist, dafür einer, wo noch richtige Züge halten.

Jedenfalls für Passagiere, die nicht im Rollstuhl sitzen. Doch auch Rollstuhlfahrer sehen nun Licht am Ende der Unterführung. Weil alle Fristen, sogar die gesetzlichen, irgendwann ablaufen, bauen die SBB nun doch noch ihre Aadorfer Perrons behindertengerecht um. Und es kommt noch besser. Die Gemeinde Aadorf hat erkannt, dass Behinderte in aller Regel nicht auf Perrons geboren werden. Sie müssen also erst dorthin gelangen, bevor sie Zugfahren können.

Dafür gibt’s obendrauf einen schönen Bahnhofplatz. Oder wenigstens einen schöneren. Zumindest aber einen behindertengerechten. Schöner wenn nicht sogar schön soll dereinst in Aadorf auch die Bahnhofstrasse werden. Böse Zungen, die sagen, dass dafür die Abrissbirne das beste Mittel ist, haben natürlich unrecht.

Das geplante Pärkchen zwischen Bahnhofplatz und Bahnhofstrasse ist nämlich gar keine schlechte Idee. So aus ästethischer Sicht. Die Erkenntnis, dass eine wirklich schöne Einkaufsstrasse nur autofrei sein kann, überlassen wir hingegen lieber kommenden Generationen. Jetzt gibt’s erst mal neue Parkplätze. Für Autos, nicht für Rollstühle.