Initiative
SVP Thurgau lehnt «Ehe für alle» deutlich ab

Die Delegiertenversammlung der SVP Thurgau empfiehlt, die «Ehe für Alle» abzulehnen. Die 99-Prozent-Initiative lehnt sie gar einstimmig ab.

Judith Schuck
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Nationalrätin Verena Herzog sieht bei einer erleichterten Samenspende das Kindswohl gefährdet.

Nationalrätin Verena Herzog sieht bei einer erleichterten Samenspende das Kindswohl gefährdet.

Bild: Judith Schuck

Für einige ist es bereits die Ehe, die nur Mann und Frau vorbehalten bleiben soll. Andere sehen das Problem der Initiative «Ehe für alle» vielmehr in der erleichterten Samenspende. Diese soll nun auch für lesbische Paare möglich werden, was bisher in der Schweiz noch illegal ist.

Ein wiederkehrendes Argument von Nationalrätin Verena Herzog, die an der Delegiertenversammlung der SVP Thurgau im Kreuzlinger Dreispitz als Kontra-Referentin sprach, sind die Väter, die es für das Wohl der Kinder ebenso brauche, wie die Mütter. Sie fragte in die Runde:

«Wollen wir die Vaterlosigkeit per Gesetz?»

Die Samenspende für lesbische Paare spalte laut Herzog in eine biologische und eine soziale Gesellschaft. Das Kind verkomme zum Gegenstand von Selbstverwirklichung. Dass ein Kind erst mit 18 Jahren erfährt, wer sein leiblicher Vater ist, finden viele der anwesenden Gegner der Initiative, über die am 26. September abgestimmt wird, besonders fragwürdig.

Als Pro-Sprecher trat Alexander Wenger vom Komitee «Ehe für Alle» auf. Er unterstrich, dass die eingetragene Partnerschaft, mit der gleichgeschlechtliche Paare ihren Zivilstand seit 2007 eintragen lassen können, der Ehe zwar ähnlich sei, aber nicht gleich. Der Staat müsse seine Bürger aber gleich behandeln. Die Neuerung im Zivilgesetz betreffe 500'000 Menschen in der Schweiz. «Es ist genug Ehe für alle da. Wir nehmen niemandem etwas weg», betonte Wenger.

Alexander Wegner vom Pro-Komitee nennt seine Argumente für die "Ehe für alle".

Alexander Wegner vom Pro-Komitee nennt seine Argumente für die "Ehe für alle".

Bild: Judith Schuck

Was die Natürlichkeit der Ehe zwischen Mann und Frau und der Möglichkeit, Kinder zu zeugen, betrifft, warf er die Frage in die Runde, wer überhaupt entscheide, was natürlich sei. So wie die Samenspende eine Errungenschaft der modernen Medizin sei, gebe es auch andere Hilfsmittel wie Medikamente oder Herzschrittmacher, die unser Leben verändert hätten.

Die Frage nach dem Kindsglück

Herzog fürchtet, dass die Befindlichkeiten der Erwachsenen gegenüber denen der Kinder mehr gewichtet würden: «Die, die in die Partnerschaft hineingeboren werden, können sich nicht wehren.» Eine Befürworterin gab zu Bedenken, dass eine heterosexuelle Partnerschaft keine Garantie für Kindsglück sei:

«Wie viele Ehen werden geschieden? Wie viele Väter zahlen keine Alimente oder hauen ab?»

Gegenüber einem Diskussionsgegner, der die traditionellen Werte der SVP hochhielt, die es zu verteidigen gelte, entgegnete sie: Auch schwule und lesbische Paare könnten Kinder erziehen und hätten Werte.

Andere befürchteten, mit einem Ja an der Urne könne ein gesellschaftlicher Dammbruch herbeigeführt werden, dessen Auswirkungen heute noch nicht abzuschätzen seien. Bei 11 Enthaltungen fassten die Anwesenden mit 34 Ja- zu 61 Nein-Stimmen die Nein-Parole. Ebenso abgelehnt, allerdings einstimmig, wurde die sogenannte 99-Prozent-Initiative.

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