Inhaltliche Differenzen unter dem Kreuz: Der Präsident von katholisch FrauenfeldPlus ist per sofort zurückgetreten

Thomas Harder hatte das Präsidium der katholischen Kirchgemeinde erst seit anderthalb Jahren inne. Er gibt unterschiedliche Auffassungen bei der Weiterentwicklung von wichtigen Projekten als Rücktrittsgrund an. Interimistisch übernimmt nun Marcel Berger.

Mathias Frei
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Blick auf Altar und Chor in der katholischen Stadtkirche St.Nikolaus, im Vordergrund das Kreuz des Taufbeckens.

Blick auf Altar und Chor in der katholischen Stadtkirche St.Nikolaus, im Vordergrund das Kreuz des Taufbeckens.

(Bild: Donato Caspari)
Thomas Harder.

Thomas Harder.

(Bild: PD/Dominic Buettner)

Eine veritable Überraschung: Thomas Harder ist nicht mehr Präsident der katholischen Kirchgemeinde FrauenfeldPlus. Das heisst es in einer Mitteilung, welche die Kirchenvorsteherschaft am Donnerstagvormittag verschickt hat. Harder war erst seit Januar 2019 im Amt. «Natürlich war es nicht mein Ziel, das Amt nach anderthalb Jahren bereits wieder abzugeben», sagt er auf Anfrage unserer Zeitung. Der jetzige Zeitpunkt für den Rücktritt sei aber der richtige. «Denn der Budgetierungsprozess für das kommende Jahr steht an», sagt Harder. Offenbar gab es in der Behörde Meinungsverschiedenheiten inhaltlicher Natur.

«Dies in einer Dimension, die mich zum Schluss kommen liess, dass mein Entscheid im Sinn der Sache ist.»

Marcel Berger wird Präsident ad interim

Ralph Limoncelli, Anfang 2020 aus der Kirchenvorsteherschaft zurückgetreten.

Ralph Limoncelli, Anfang 2020 aus der Kirchenvorsteherschaft zurückgetreten.

(Bild: Andrea Stalder)

Der Jurist und Ökonom, der als Unternehmer mit seiner Beratungsfirma Swiss Brand Experts tätig ist, hat vergangene Woche die Vorsteherschaft um Genehmigung seines Rücktrittsgesuchs gebeten. Dem ist die Behörde nachgekommen. Der Rücktritt erfolgt per sofort. Das Organigramm auf der Website von katholisch Frauenfeld ist bereits angepasst. Das Präsidium übernimmt interimistisch Behördenmitglied Marcel Berger. Dieser schaffte zeitgleich mit Harder die Wahl in die Vorsteherschaft und hat das Ressort Personal unter sich. Seit dem Rücktritt Ralph Limocellis aus der Behörde Anfang 2020 verantwortet Berger ad interim auch dessen Ressort Soziales. Das Vizepräsidium bleibt weiterhin bei Irma Mosimann.

Nach einer Zeit intensiver Arbeit habe er das Rücktrittsgesuch eingereicht, richtet sich Harder in der Medienmitteilung an die Kirchbürger. «Nebst der Bewältigung des vielfältigen Tagesgeschäfts konnten wir als Kirchenvorsteherschaft wichtige Projekte anstossen.» Weitere grössere Vorhaben würden anstehen. Harder weiter:

«Über die Weiterentwicklung dieser Projekte bestehen unterschiedliche Auffassungen.»

Mit dem Rücktritt ermögliche er eine einheitliche Führung und Ausrichtung dieser Projekte. Der aktuellen Vorsteherschaft werde dies gelingen.

Die neugewählte Behörde für die Amtsdauer 2019 bis 2023 an der Wahlfeier im März 2018.

Die neugewählte Behörde für die Amtsdauer 2019 bis 2023 an der Wahlfeier im März 2018.

(Bild: Reto Martin)

«Amt, das fordert, aber nicht überfordert»

Leute, die Harder kennen, wissen, dass er das, was er anpackt, richtig macht und dass es Erfolg hat. Insofern folgt der Rücktritt wohlweislich aufgrund seines konsequenten Handelns. Der grosse Zeitaufwand für das Amt stand für Harder nie zur Diskussion. Bei seiner Wahl sagte er, gewiss fordere ein solches Amt, aber es werde einen nicht überfordern.

Worin die inhaltlichen Differenzen konkret bestanden, dazu will sich Harder nicht äussern. Fakt ist: Ein wichtiges Projekt, mit dem sich die Vorsteherschaft unter seiner Leitung befasste, ist eine Liegenschaftenstrategie für die Kirchgemeinde, konkret die Umnutzung von Gebäuden im Besitz von katholisch FrauenfeldPlus.

Marcel Berger.

Marcel Berger.

(Bild: Reto Martin)

Auch der neue Präsident ad interim, Marcel Berger, will keine detaillierten Angaben machen zu den ausschlaggebenden Gründen für Harders Rücktritt. «Auf jeden Fall kam der Entscheid für uns unerwartet.» Für Berger ist der Zeitaufwand mit dem Präsidium gestiegen. «Wichtig ist, dass die Vorsteherschaft funktionsfähig ist. Zudem sind wir eine Kollegialbehörde.» Da unterstütze man sich gegenseitig. Die Ersatzwahl für das Präsidium und den vakanten Sitz in der Behörde nach Ralph Limoncellis Rücktritt ist für die Budgetgemeindeversammlung vom kommenden 19. November traktandiert.

Für die Kirchbürger das Gute zum Schluss. «Auf die seelsorgerische Arbeit der Pfarrei St.Anna haben die personellen Änderungen keinerlei negativen Einfluss», sagt Berger.

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