In Tobel-Tägerschen herrscht grosse Sorge um kleine Siedlungen

An der Infoveranstaltung zur neuen Tobler Ortsplanung interessierte vor allem die Zukunft der Weiler. Von diesen sind in der Gemeinde gleich mehrere von der Kleinsiedlungsverordnung des Thurgauer Regierungsrats betroffen.

Roman Scherrer
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Im Tobler Pfarrheim betrachten Besucher den neuen Zonenplan.

Im Tobler Pfarrheim betrachten Besucher den neuen Zonenplan.

Bild: Roman Scherrer

Die neue Ortsplanung scheint kaum umstritten. Und doch kommen am Dienstagabend 48 Interessierte ins Tobler Pfarrheim, wo die Gemeinde letztmals vor der öffentlichen Auflage über die revidierten Versionen des Richt- und Zonenplans sowie des Baureglements informiert. Es war dies die dritte Infoveranstaltung während des Überarbeitungsprozesses. Gemeindepräsident Rolf Bosshard stellt fest:

«Jedes Mal sind mehr Leute gekommen.»

Die Fragerunde gegen Ende zeigte aber, dass die Anwesenden weniger die neue Ortsplanung beschäftigt. Vielmehr machen sich zumindest einige von ihnen Sorgen um ihre Weiler – wegen der Kleinsiedlungsverordnung, welche der Thurgauer Regierungsrat am 15. Mai in Kraft setzte. Der Bund erteilte dem Kanton zuvor den Auftrag, seine Weiler auf die Zonenzugehörigkeit zu überprüfen.

Nach dieser Prüfung hat der Regierungsrat mit seiner Verordnung Dutzende Siedlungen vom Bau- ins Nichtbaugebiet überführt. 29 sind neu in der Landwirtschaftszone, 114 in einer sogenannten Erhaltungszone.

Mehrere Weiler in der Gemeinde betroffen

«Welche Konsequenzen hat die Verordnung nun für die Grundeigentümer?», will ein Besucher wissen. Vieles sei dabei noch unklar, antwortet der Ortsplaner der Politischen Gemeinde Tobel- Tägerschen, Hanspeter Woodtli von der Strittmatter und Partner AG.

Hanspeter WoodtliOrtsplaner der Gemeinde Tobel-Tägerschen

Hanspeter Woodtli
Ortsplaner der Gemeinde Tobel-Tägerschen

Bild: Roman Scherrer
«Der Kanton will zuerst das Okay des Bundesrates dazu einholen.»

Der Hauptpunkt sei: Die bisherige Weilerzone ist eine Bauzone, die neue Erhaltungszone aber eine Nichtbauzone. Zu einer Erhaltungszone sollen in Tobel-Tägerschen neu die Weiler Karlishub, Erikon Nord, Thor und Thürn gehören, Erikon Süd soll als Landwirtschaftszone gelten. «Wir Grundeigentümer werden baulich keine Entwicklungsmöglichkeiten mehr haben, die Liegenschaften verlieren an Wert, Bauland geht verloren.» Es sind nur einige der Nachteile, mit denen sich ein Weilerbewohner wegen der Verordnung konfrontiert sieht.

Zumindest für Karlishub sieht er «klare Chancen» für einen Verbleib in der Bauzone. Denn die Anzahl Wohneinheiten seien heute effektiv höher als der Wert, mit dem der Kanton rechnet. «Ich bitte den Gemeinderat, alles Mögliche dafür zu tun», fügt er an. Bosshard erklärt:

«Der Gemeinderat hat sich in der Vernehmlassung zur Wehr gesetzt und die richtige Anzahl Gebäude gemeldet.»
Rolf BosshardGemeindepräsident Tobel-Tägerschen

Rolf Bosshard
Gemeindepräsident Tobel-Tägerschen

Bild: Olaf Kühne

Und demnächst habe er einen Termin mit Regierungsrätin Carmen Haag, um unter anderem zu klären, weshalb die Hinweise im Schreiben der Gemeinde nicht in die Verordnung eingeflossen seien.

Ortsplanung bringt nur kleine Veränderungen

Zurück zum eigentlichen Thema des Abends: der revidierten Ortsplanung. Sie bringt nebst kleineren Anpassungen im Zonenplan und Baureglement keine grösseren Änderungen mit sich, wie Hanspeter Woodtli in seinen Ausführungen zu erkennen gibt. «Für Grundeigentümer und Bauherren wird damit aber wieder eine Rechtssicherheit für die nächsten 15 Jahre gegeben», sagt Bosshard.

Richt- und Zonenplan, sowie Baureglement werden vom 7. bis 28. September öffentlich aufliegen. Sind sie rechtskräftig, will der Gemeinderat die Planung für die Überbauung des 28'000 Quadratmeter grossen Postackers angehen – und sie gemäss Legislaturzielen bis im Mai 2023 abgeschlossen haben. «Das aber ein sportliches Ziel», sagt Bosshard.