In Thurgauer Agglomerationen gibt es keine freie Fahrt nach Feierabend

Die Verkehrszunahme auf den Thurgauer Kantonsstrassen liegt im Bereich der vergangenen Jahre. Sorgen bereiten dem Tiefbauamt die abendlichen Spitzenstunden in den Agglomerationen.

Larissa Flammer
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Stau im Feierabendverkehr. (Bild: Benjamin Manser)

Stau im Feierabendverkehr. (Bild: Benjamin Manser)

Die am stärksten befahrene Strecke auf Thurgauer Kantonsstrassen ist wiederum der Abschnitt zwischen Kreuzlingen und Bottighofen auf der H13. Dort wurden im vergangenen Jahr täglich durchschnittlich 24'694 Fahrzeuge gezählt.

Am verkehrsreichsten Tag – am Freitag, 27. April – waren es 30'448. Diese Auswertung der elektronischen Verkehrszählung von 2018 hat das Thurgauer Tiefbauamt am Mittwoch bekanntgegeben.

Mehr Verkehr, mehr Autos

Der durchschnittliche Verkehr auf Kantonsstrassen hat gegenüber dem Vorjahr um 0,9 Prozent zugenommen. Nach 2016 mit 0,9 Prozent und 2017 mit 0,8 Prozent steigt die Wachstumsrate des Individualverkehrs gleichmässig. «Sie pendelt sich bei knapp einem Prozent ein», sagt Benedikt Eberle, Abteilungsleiter Planung und Verkehr.

Wo wie viele Fahrzeuge im Tagesschnitt unterwegs waren, zeigt die untenstehende Karte – je dicker die Linie, desto höher das Verkehrsaufkommen.

Aussergewöhnliche Verkehrszunahmen und -abnahmen im Vergleich zum vergangenen Jahr sind hauptsächlich auf Baustellen und die damit verbundenen Umleitungen zurückzuführen, teilt das Tiefbauamt mit.

Das generelle Verkehrswachstum geht einher mit der steigenden Anzahl im Thurgau eingelöster Fahrzeuge. Eberle sagt, dass gegenüber dem Vorjahr 1,7 Prozent mehr Autos in Verkehr gesetzt wurden.

«Black Friday» ist Spitzentag vor Einkaufszentrum

Von einem Nachbarkanton ist das Thurgauer Tiefbauamt gefragt worden, ob hierzulande auch ein gestiegenes Verkehrsaufkommen am «Black Friday» bemerkt wird. Der Brauch, am Tag nach Thanksgiving in vielen Geschäften grosse Rabatte zu gewähren, stammt aus den USA. Eberle sagt:

«Bei der Einfahrt zur Tiefgarage des Einkaufszentrums Passage in Frauenfeld war der ‹Black Friday› vom Verkehr her tatsächlich der Spitzentag des Jahres.»

Ob das tatsächlich mit den angebotenen Rabatten zu tun habe, sei aber schwierig zu sagen. An allen anderen Orten im Kanton sei an diesem Tag kein erhöhtes Verkehrsaufkommen bemerkt worden.

Ein vermehrtes Augenmerk wird künftig auf die Erhebung des Veloverkehrs gelegt. Der Abteilungsleiter sagt: «Die Fachstelle für Langsamverkehr ist dabei, neben derjenigen in Bottighofen weitere Messstellen einzurichten.» Der Veloverkehr soll entlang des gut frequentierten Bodenseeradwegs sowie in den grösseren Städten des Kantons erhoben werden.

Es wird nicht nur der Autoverkehr gefördert

Da das Verkehrswachstum im Rahmen der Erwartungen liege und der Verkehrsfluss auf Kantonsstrassen grossmehrheitlich reibungslos verlaufe, bestehe kein dringlicher Handlungsbedarf. Vor allem während der Spitzenstunden am Abend ist an verschiedenen Verkehrsknoten aber die Leistungsfähigkeit erreicht. Eberle sagt:

«Einige Knoten in den Agglomerationen von Frauenfeld und Kreuzlingen zeigen Zeichen der Überlastung.»

Überall freie Fahrt zu garantieren, sei aber nicht möglich, wenn alle gleichzeitig unterwegs seien.

Es laufen verschiedene Verkehrsprojekte, um der Belastung zu Spitzenzeiten entgegenzuwirken. Eberle betont, dass dazu auch die Bevorzugung des öffentlichen Verkehrs gehört. Man versuche nicht, ausschliesslich die Situation für den motorisierten Individualverkehr zu verbessern. «Es sind auch in den Agglomerationsprogrammen Bestrebungen im Gang, den Bus- und Veloverkehr zu fördern.»