In Stettfurt tobt ein Kampf um die Chäsi

Im Dorfzentrum von Stettfurt sollen das alte Käserei-Gebäude und der frühere Schweinestall zwei Wohnblöcken weichen. Vor allem gegen die Abbruchpläne regt sich nun Widerstand, mit Einsprachen und einer Petition.

Samuel Koch
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Noch steht die von der Denkmalpflege nicht unter Schutz gestellte Käserei mit Baujahr 1906 an der Dorfstrasse 17. (Bild: Andrea Stalder)

Noch steht die von der Denkmalpflege nicht unter Schutz gestellte Käserei mit Baujahr 1906 an der Dorfstrasse 17. (Bild: Andrea Stalder)

Es nervt und tut gleichzeitig weh. So sieht die Gemütslage bei einigen Anwohnern der Dorfstrasse direkt nördlich der Stettfurter Primarschule aus. Sie ärgern sich über die Pläne, die bis vor gut einer Woche öffentlich im Gemeindehaus einsehbar waren. Demnach will die Bauherrin SBW Projekte AG aus Niederuzwil zwei Mehrfamilienhäuser mit neuen Wohnungen und einer Tiefgarage bauen.

Hierfür – und die Voraussetzung für das Bauprojekt stösst vielmehr auf Unmut aus der Bevölkerung – sollen die alte Käserei sowie das nebenanliegende Wohnhaus (ehemaliger Schweinestall) dem Erdboden gleichgemacht werden.

Unterschriften für Gebäude aus dem Jahr 1906

Vom Verlust «eines alten, geschichtsträchtigen Gebäudes» ist die Rede, von «zwei Wohnblöcken mit der Kubatur, die im Dorf wie Fremdkörper wirken». Verdichtetes Bauen könne in gewissen Bereichen des Dorfes ja durchaus sinnvoll und angemessen sein, heisst es seitens der oppositionellen Anwohner. Der Tenor in einem Schreiben lautet jedoch unmissverständlich:

«Es ist schade, dass eine weitere Zeugin der bäuerlichen Dorfkultur nun dem Renditedenken geopfert werden soll.»

Mittlerweile sammeln die Anwohner Unterschriften für eine Petition. Innert weniger Tage sind über 35 zusammengekommen, die zu einem späteren Zeitpunkt bei der Gemeinde deponiert werden sollen. Ebenso reichten Anwohner mehrere Einsprachen gegen das Bauprojekt ein, deren Eingang bestätigt Gemeindepräsident Markus Bürgi. Zwar wollen sich die Gegner nicht grundsätzlich gegen den Bau neuer Wohnungen wehren und zeigen Verständnis für die Pläne des Investors, die notabene gesetzeskonform seien. Sie sagen:

«Aber es tut weh, dass ein solches Gebäude wie die Käserei einfach umgestossen wird.»

Die Käserei, bestehend aus verschiedenfarbig gemusterten Backsteinen, ist vor zirka zwei Jahren von der mittlerweile aufgelösten Käsereigenossenschaft an den privaten Investor aus Niederuzwil verkauft worden. Laut Hinweisinventar der kantonalen Denkmalpflege ist die Käserei im Jahr 1906 erbaut worden. Die Schweinemästerei an der Ostseite hingegen ist ein wesentlich neuerer Anbau.

Das Wohnhaus mit dem alten Schweinestall an der Dorfstrasse 19. (Bild: Andrea Stalder)

Das Wohnhaus mit dem alten Schweinestall an der Dorfstrasse 19. (Bild: Andrea Stalder)

Sobald die Abrissbirne ihre Arbeit verrichtet hat, plant der Investor in zwei separaten Wohnblöcken bis zu zwölf familiengerechte 2,5- bis 5,5-Zimmer-Wohnungen, wie Gabriel Walzthöny von der SBW Projekte AG sagt. Samt Landkauf, Rückbau und Neubau investiert die Bauherrin etwas mehr als zehn Millionen Franken in den Standort am Sonnenberg.

Denkmalpflege steht hinter den Plänen des Investors

Markus Bürgi, Gemeindepräsident Stettfurt. (Bild: Samuel Koch)

Markus Bürgi, Gemeindepräsident Stettfurt. (Bild: Samuel Koch)

Bei der Gemeinde Stettfurt will man zum Inhalt der Einsprachen gegen das Bauvorhaben keine Stellung nehmen, da es sich um ein laufendes Verfahren handle, wie Gemeindepräsident Bürgi sagt. Er zeigt Verständnis für den Unmut eines Teils der Stettfurter Bevölkerung, die mit dem Verlust der Käserei ein Stück Heimat verliert. Bürgi meint:

«Innere Verdichtung heisst aber auch, dass wir alte Substanz im Dorf durch Neue ersetzen.»

Es sei Ziel der Gemeinde, das Dorfzentrum weiterzuentwickeln. Das sehe auch der Richtplan Zentrum vor, der erarbeitet, vorgestellt und vorgeprüft worden ist. Dieser Plan fliesst in die aktuelle Arbeit zum Kommunalen Richtplan ein, worüber Bürgi am Dienstagabend informierte.

Die Zusammenarbeit mit der Bauherrin bezeichnet Bürgi als positiv und konstruktiv: «Wir sind seit Monaten im Gespräch.» Zudem habe auch die Denkmalpflege dem kritisierten Rückbau der nicht unter Schutz stehenden Käserei zugestimmt.

Für eine neue Lebensader durch Stettfurt

Ende November befinden die Stimmbürger über einen 2,45-Millionen-Kredit für die Sanierung der Stettfurter Hauptstrasse. Nebst dem monetären gibt es im Dorf auch einen moralisch-ethischen Entscheid zu treffen.
Samuel Koch

STETTFURT: Sicher und schön

Gemeinsam mit dem Kanton will die Gemeinde die Ortsdurchfahrt im Zentrum sanieren und neu gestalten. Dazu muss sogar die Friedhofsmauer versetzt werden.
Stefan Hilzinger