In Steckborn ist ein ernsthafter Witzbold am Werk

Stefan Burger überrascht in der Steckborner Galerie Kirchgasse mit skurrilen Objekten und Installationen.

Dieter Langhart
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Krautstrunk 1 & 2 von Stefan Burger zu sehen in der Galerie Kirchgasse in Steckborn.

Krautstrunk 1 & 2 von Stefan Burger zu sehen in der Galerie Kirchgasse in Steckborn.

(Bild: PD)

In Erich Hausammanns Galerie an der Kirchgasse ist ein ernsthafter Witzbold am Werk. Da stehen und hängen ebenso sonderbare wie verspielte Objekte. Glas ist das dominante Material, zu Rohren geblasen und mit Ausstülpungen versehen; hinzu kommen oft Metallstangen oder Glühbirnen, und ein Werk krönen gar krummgeschlagene Nägel, als wär’s ein Haarschopf.

Stefan Burgers Werke tragen sonderbare Namen: «Steckborn-Stülper», «Krautstrunk» oder «Isotop». Er hat sie spezifisch für die Galerie Kirchgasse in Steckborn geschaffen und in einer böhmischen Glasbläserei herstellen lassen. Da wird das flüssige Glas gedreht und geformt, bevor es erstarrt.

Stefan Burger, Künstler.

Stefan Burger, Künstler.

(Bild: Urs Jaudas, 15. Màrz 2013)

Dass Burger, Jahrgang 1977, ursprünglich Fotografie studiert hat, erschliesst sich nicht auf den ersten Blick. Mit Glas als Material nimmt der Künstler thematisch die Linse auf, das Auge der Kamera, durch das erst das Licht auf den Film oder den Sensor fällt. Doch Burger verfremdet die Linse, lässt sie zu einem offenen Gefäss werden. Einige der Objekte haben Ausstülpungen; Burger nennt sie Krautstrünke – so hiessen mittelalterliche Trinkgefässe, deren Noppen verhinderten, dass das Glas aus der Hand glitt.

Wie lässt sich Wirklichkeit darstellen?

Auch mit dem Licht, seinem Grundmotiv, geht Stefan Burger spielerisch um: Wie nehmen wir Licht wahr? Wie wirkt es auf uns? Woher kommt es? Was fällt uns auf, wenn es hell ist oder dunkel? Er fragt uns als Betrachter: Was ist wirklich? Und er fragt sich selber: Wie lässt sich Wirklichkeit überhaupt bildhaft darstellen?

Stefan Burger geht es weniger um die Objekte und wie sie im Raum angeordnet sind oder zueinanderstehen – ihm geht es stets um das Licht. Und um die Verdoppelung, die Variation, denn unser Blick soll hin und her wandern, soll Fragen stellen und sich nicht gleich zufriedengeben. Wir sollen also reflektieren, was wir sehen, und es auszudeuten versuchen.

Fragile Installationen voller Ironie

Kunst muss nicht gefällig oder schön sein. Burgers Objekte wollen nicht primär gefallen. Sie sind fragile Installationen, die von Ironie durchzogen sind und durchaus eine theatralische Wirkung haben. Im hinteren Galerieraum hängen zwei Texte im Holzrahmen. Der Inhalt ist nicht wesentlich, aber die leicht verzerrte Präsentation: Der Künstler scheint sie durch eine Linse fotografiert zu haben. Des Künstlers leiser Humor zeigt sich nicht zuletzt im Namen der Ausstellung: «Baden-Baden» bezieht sich auf den Bodensee, nicht die Bäderstadt.

Hinweis
Do/Fr 11–18, Sa 10–17 Uhr, Kirchgasse 11; bis 4. April. www.kirchgasse.com