In Schweizersholz prügeln sich Vermieter und Mieter wegen Mikroorganismen im Biotop

Im Mai 2016 gerieten zwei ältere Ehepaare aneinander. Der Streit endet nun vor dem Bezirksgericht Weinfelden. Es spricht alle Angeklagten frei, weil eine Wahrheitsfindung nach so langer Zeit nicht mehr möglich ist.

Barbara Hettich
Merken
Drucken
Teilen
Weil er im Biotop Mikroorganismen einsetzen wollte, landete ein Vermieter nach einem Streit mit seinem Mieter im Wasser.

Weil er im Biotop Mikroorganismen einsetzen wollte, landete ein Vermieter nach einem Streit mit seinem Mieter im Wasser.

Nana do Carmo

Das Mietverhältnis stand unter keinem guten Stern: Der Mailverkehr zwischen Mieter und Vermieter aus dem Jahr 2015 spricht eine deutliche Sprache, «Sie können mich am Arsch lecken», schreibt der Mieter, oder «…ihr Scheissteich interessiert mich nicht mehr die Bohne, und Ihre Inkompetenz gepaart mit einer Mischung aus Altersstarrsinn und Entscheidungsinkompetenz ist einfach nur hanebüchen».

Um den Teich ging es denn auch beim Vorfall im Mai 2016, als die beiden Ehepaare aneinandergerieten und über den das Bezirksgericht Weinfelden am Dienstag verhandelte. Das Vermieter- und das Mieterehepaar pochten als Kläger und Beklagte auf ihr Recht.

Zwei verschiedene Versionen

Der Vermieter, ein 70-jähriger Jurist aus St. Gallen, erzählt: «Meine Frau und ich fuhren zu unserer vermieteten Liegenschaft in Schweizersholz, wir wollten Mikroorganismen ins Biotop ausbringen. Unsere Mieter sassen vor dem Haus und tranken Wein, da kommt der Mann doch plötzlich wie ein Sturm hinter mir her und schreit ‹Du tust da nichts rein›, schubst mich in die Steine und schlägt meiner Frau die Faust auf den Kopf.»

Er habe sie beschützen wollen, ging auf ihn los, er schubste den Vermieter wieder und dieser fiel rückwärts in den Teich. «Da muss er dann wohl Angst bekommen haben, schreit plötzlich um Hilfe. Klatschnass stieg ich aus dem Wasser, meine Frau und ich wollten nur noch weg, doch unser Mieter hinderte uns daran, bis die Polizei vorgefahren kam.»

Ganz anders die Version des 66-jährigen Mieters: «Das Vermieterehepaar kam permanent daher, beging Hausfriedensbruch, deshalb stellte ich mich in den Weg, Keimpflege war unsere Arbeit. Da kam er mit geballter Faust auf mich zu, ich habe mich nur gewehrt, in Notwehr gehandelt, nachdem er mich angegriffen hat.» Dann sei seine Frau gekommen und gemeinsam hätten sie auf ihn eingeprügelt.

«Als meine Frau dazu kam, hat seine Frau meiner Frau einen Eimer ins Gesicht geschlagen. Gebrechliche alte Leute sollten nicht so zuschlagen, dann brechen sie sich auch nicht die Hand»,

erklärte er eine der Verletzungen seines Vermieters.

Beide Parteien akzeptieren Strafbefehl nicht

Die unterschiedlichen Versionen der beiden Männer wurden von ihren Ehefrauen mit Nachdruck bestätigt und keine der Parteien wollte den Strafbefehl der Staatsanwaltschaft akzeptieren. Wegen Hausfriedensbruch, Tätlichkeiten, Sachbeschädigung und Verleumdung sollte der Vermieter eine Busse von 800 Franken bezahlen, seine Frau wegen Hausfriedensbruch, Tätlichkeit und Verleumdung 450 Franken.

Dem Mieter hatte die Staatsanwaltschaft wegen einfacher Körperverletzung, Tätlichkeiten, Sachbeschädigung, übler Nachrede, Verleumdung, Beschimpfung, Drohung sowie Nötigung eine Busse von 800 Franken aufgebrummt, seine Frau sollte wegen Tätlichkeiten und Beschimpfung 300 Franken bezahlen.

Freispruch für alle Angeklagten

Das Bezirksgericht sprach alle Angeklagten in allen Punkten frei. Die Untersuchungs- und Verfahrenskosten gehen zu Lasten der Staatskasse. Bei der Urteilsverkündung begründete Gerichtspräsident Pascal Schmid das pragmatische Urteil wie folgt:

«Der Vorfall, um den es heute hauptsächlich ging, ist schon sehr lange her. Für uns ist es deshalb schwierig, die Wahrheit zu ergründen, es steht Aussage gegen Aussage.»

Die Ehrverletzungen seien verjährt, die Staatsanwaltschaft Bischofszell habe extrem viel Zeit gebraucht, um den Fall ans Gericht zu bringen, sie habe das Beschleunigungsgebot verletzt, eine Verfahrenseinstellung sei deshalb zwingend. «Ich hoffe für Sie alle, dass diese leidige Sache nun erledigt ist und Sie sich künftig nicht mehr begegnen müssen», sagte der Richter. Dies werden sie nicht mehr müssen: Die Vermieter haben inzwischen das Haus in Schweizersholz verkauft und die Mieter wohnen heute in Konstanz.