In Klingenzell oberhalb Mammern entsteht Lebensraum für Insekten, Kleinsäuger und Vögel

Im Landwirtschaftsland oberhalb Mammern pflanzen Freiwillige Hecken mit rund 300 Pflanzen, um den Artenreichtum zu erhöhen.

Margrith Pfister-Kübler
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Ehrenamtliche setzen noch vor dem Lockdown bei Klingenzell neue Hecken mit 300 Pflanzen für mehr Biodiversität.

Ehrenamtliche setzen noch vor dem Lockdown bei Klingenzell neue Hecken mit 300 Pflanzen für mehr Biodiversität.

(Bild: PD/Patricia Dähler)

Das Land bei Klingenzell unterhalb der Hochwacht, einem alten Bunker, und der Kirche Klingenzell, wird landwirtschaftlich genutzt. Irgendwie fehlen hier Hecken, haben sich vor einiger Zeit Niklaus Dähler, Pächter des 28-Hektar-Landwirtschaftsbetriebes Klingenzell, und Emil Meier, früher Gemeindepräsident von Mammern und Jäger, gesagt und sind zum Schluss gekommen:

«Hier müsste man durch Hecken vermehrt Lebensraum für unsere Wildtiere und Insekten schaffen.»

Geschaffen werden soll: Lebensraum und Vernetzungselemente für Tiere vom Feldhasen über Rehe, Füchse, Vögel, Kleinsäuger bis zu Wildbienen. Biodiversität eben, die das Landschaftsbild gliedert und bereichert. «Einheimische Pflanzen sind mir auch als Jäger sehr wichtig», sagt Emil Meier. Die Natur und die Tiere liegen speziell auch Niklaus Dähler am Herzen, der als  Landwirt alles ins Rollen brachte.

Wohlwissend, dass Landwirte für die Pflege Beiträge bekommen und die Unterstützung durch den Kanton garantiert ist, wurde mit Ruedi Lengweiler, Förster und Sachbearbeiter Biodiversität im Forstamt Thurgau, und Nina Moser, Naturschutz- und Biodiversitätsförderprojekte in Homburg, früher Amt für Raumentwicklung, das Projekt angepackt.

Ein Dutzend Freiwillige im Einsatz

Der Plan für die Pflanzungen und die Standorte wurden festgelegt. In diesen Märztagen, noch vor dem gesamtschweizerischen Lockdown,  machte sich rund ein Dutzend Freiwillige an die Arbeit, darunter auch der pensionierte Landarzt, Jäger und Ex-Gemeindepräsident Hansjörg Lang, die Jagdgesellschaft Mammern und der Natur- und Vogelschutzverein Steckborn und Umgebung.

Die Hecke gliedert das Landwirtchaftsland und schafft Lebensraum für Tiere.

Die Hecke gliedert das Landwirtchaftsland und schafft Lebensraum für Tiere.

(Bild: PD/Patricia Dähler)

Für jede Pflanze wurde ein genug grosses Loch ausgestochen und die Pflanze in der Mitte des Loches gestellt, damit sich die Wurzeln in allen Richtungen gleichmässig entwickeln können. «Rund 300 Pflanzen von 20 verschiedenen Arten wurden an vier Standorten gepflanzt, so dass auch Feldhasen, Igel und Wiesel sich hier wohl fühlen», sagt Förster Ruedi Lengweiler und lobt das Engagement über den grünen Klee. Die Kosten der Pflanzen übernimmt die Thurgauer Fachstelle Natur- und Landschaft, gemäss der Verordnung zum Natur- und Heimatschutzgesetz.

Zusammenarbeit von Bewirtschafter, Vogelschützern und Jägern

Doch was ist speziell bei dieser Pflanzung oberhalb Mammern? Dazu Nina Moser: «Speziell ist sicher die Zusammenarbeit zwischen Natur- und Vogelschutzverein Steckborn und Umgebung und der Jagdgesellschaft Mammern. Speziell ist auch die Art und Weise der Hecke.»

Das Ziel sei es gewesen, eine strukturreiche Hecke zu pflanzen mit Asthaufen, Steinhaufen und Totholzelementen für Kleintiere, Amphibien, Wildbienen, Käfer und so weiter. Eine Pflanzung mit Lücken und Buchten bringe sonnige Bereiche und Nischen in die Hecke, die zu einer hohen Biodiversität führten. Das Gebiet seit mit den steilen Waldabhängen und den darin liegenden Wiesen und Weiden recht vielfältig.

So kommen im Gebiet zum Beispiel noch zahlreiche Feldhasen vor. An verschiedenen Standorten wurden in den letzten Jahren Blumenwiesen angelegt. In der Vergangenheit seien auch hier Bäche eingedolt und viele Obstbäume verschwunden. Nina Moser sagt:

«Die neuen Hecken und Gebüsche werden die  Struktur verbessern und für Leitarten wie Neutöter und Zauneidechse neuen  Lebensraum bieten.»

Hinweis:
Die vier Standorte liegen im Vernetzungskorridor Nr. 411: https://map.geo.tg.ch/data/vernetzungskorridore/Korridore/411_beschreibung.pdf

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